“Regulierungsfütterung gefällt mir besser”

Vorarlberg / 10.01.2023 • 19:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Wie umgehen mit dem Rotwild in Zeiten von TBC-Ansteckungsgefahr? Daran scheiden sich die Geister. VN
Wie umgehen mit dem Rotwild in Zeiten von TBC-Ansteckungsgefahr? Daran scheiden sich die Geister. VN

Christian Gantner stellt sich bei der TBC-Bekämpfung hinter Landesveterinär und Landesjägermeister.

Bregenz Von „Regulierungsgatter“ oder „Tötungsgatter“ spricht Landwirtschaftslandesrat Christian Gantner nicht. Sehr wohl aber von „Regulierungsfütterung“. Mit diesem Wort und dessen Umsetzung ist der Landesrat angesichts der unlösbar scheinenden TBC-Seuchenproblematik im Krisengebiet hinteres Silbertal mittlerweile einverstanden.

 

Herr Landesrat, wie beurteilen Sie die derzeitige Situation bezüglich TBC-Prävalenz beim Wild und der Einhaltung der Abschussquoten landesweit?

Gantner Landesweit beurteile ich die Situation als zufriedenstellend. Da liegen wir bei der Abschussquote nahe 100 Prozent.

 

Aber da gibt es das Problemgebiet hinteres Montafon/Silbertal-Bartholomäberg. Da liegt die TBC-Verseuchung seit zehn Jahren im zweistelligen Bereich. Ist jetzt die Zeit für unkonventionelle Maßnahmen gekommen?

Gantner Ja, dort beschäftigt uns die TBC schon seit zehn Jahren. Aber man kann nicht sagen, dass nichts geschehen ist. Wir hatten diese Problematik ursprünglich in zwei Talschaften. In einer, dem Klostertal, hat man es in den Griff bekommen. Da hat man den Rotwildbestand einhergehend mit der Prävalenz reduziert. Das zeigt: Es kann funktionieren.

Aber nicht im hinteren Montafon/Silbertal.

Gantner Da sind wir bei den unkonventionellen Maßnahmen, die ich nicht als unkonventionell betrachte. Ich sehe es als Unterstützungsmaßnahmen für die Jäger. Ich bin um jede Maßnahme froh, die die Einhaltung der Abschusspläne ermöglicht und damit die Reduzierung der Rotwildbestände unterstützt. Wir sprechen ja auch nicht davon, diese Maßnahmen flächig einzusetzen.

 

Nennen wir diese Maßnahme beim Namen. Es geht um Regulierungsgatter.

Gantner Mir gefällt die Formulierung des Landesjägermeisters sehr gut. Er nennt sie Regulierungsfütterung. Diese Beschreibung ist für mich die bessere.

 

Waren Sie eigentlich davon überrascht, dass Landesveterinär und Landesjägermeister bei diesem Thema dieselbe Position vertreten?

Gantner Nein, ich habe das gewusst. Wir sind mit der Jägerschaft im Allgemeinen und dem Landesjägermeister im speziellen im ständigen Austausch. Wir kennen diese Haltung. Christoph Breier hatte bereits beim Antrittsgespräch eine klare Position in dieser Frage. Es ist natürlich förderlich, dass er von der Humanmedizin kommt. Er sagte uns gleich, dass er auch diese Art der TBC-Bekämpfung mit unterstützt und dass ihm das wichtig ist.

Und Sie können sich dieser gemeinsamen Haltung von Landesveterinär und Landesjägermeister nun anschließen?

Gantner Es geht hier um die Bekämpfung einer Tierseuche. Es geht um den Schutz des übrigen Rotwilds. Das vergisst man vielleicht schnell. Und man schützt ja auch den Nutztierbestand. Wir dürfen nicht vergessen, dass wir im Bereich der Nutztierbestände Jahre hatten, in denen wir bis zu 80 Tiere töten mussten. Daher stehe ich hinter dieser Maßnahme als letztes Mittel im Einvernehmen mit allen Beteiligten. Sie ist ja auch Teil einer Verordnung, die wir vor Jahren zur TBC-Bekämpfung beschlossen haben.

Ist man mit der Umsetzung nicht etwas spät dran? Nachdem sich
jahrelang an der Situation im Bekämpfungsgebiet nichts geändert hat?

Gantner Dass es auch mit anderen Maßnahmen geht, hat ja das Klostertal bewiesen. Im aktuellen Fall ist es nicht möglich.

 

Das heißt, die Regulierungsfütterung muss jetzt zwingend kommen?

Gantner Mir ist wichtig: Es muss jetzt eine Verbesserung geben. Wir haben diese Situation jetzt zehn Jahre. Und wenn wir diesen Zustand jetzt nicht verbessern, werden wir irgendwann einmal den Vorwurf bekommen, warum wir das nicht getan haben. Es muss sich verbessern, mit welchen Maßnahmen auch immer.

 

Warum fällt es so schwer, diese Maßnahme auch klar als das zu benennen, was sie ist?

Gantner Weil man dieses Thema nicht sachlich darstellt. Weil wenn man das tun würde, ist es nicht etwas fürchtig Grausiges. Es ist jedenfalls nicht grausiger, als wenn ich in einem Bestand 80 Nutztiere töten muss. Es ist einfach schwierig, diese Situation sachlich darzustellen. VN-HK

„Christoph Breier hatte bereits beim Antrittsgespräch eine klare Position in dieser Frage.“

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