Christian Lasser: ein Abenteurer, der auf sein Herz hört

Vorarlberg / 11.01.2023 • 08:00 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
Christian Lasser war sein Leben lang ein Abenteurer. In der Jugend fuhr er mit dem Motorrad von Alaska nach Patagonien. Im vergangenen Jahr radelte er von Schruns nach Athen.
Christian Lasser war sein Leben lang ein Abenteurer. In der Jugend fuhr er mit dem Motorrad von Alaska nach Patagonien. Im vergangenen Jahr radelte er von Schruns nach Athen.

Christian Lasser (63) verwirklicht seine Träume. Zuletzt radelte er von Schruns nach Athen.

Schruns Christian Lasser (63) nahm seine Sehnsüchte immer ernst. Er erfüllte sich seine Träume und merkte, dass ihn das zufrieden macht. Schon als Jugendlicher folgte er seinem Herzen. Es führte ihn in die große weite Welt. „Ich bin ein äußerst abenteuerlustiger Mensch. Zwischen meinem 16. und 30. Lebensjahr reiste ich viel herum.“

Als Gymnasiast packte er seinen Rucksack und reiste nach Schweden, wo er den Nationalpark Sarek durchquerte. „Ich schlug mich durch. Es gab keinen Weg, kaum ein Mensch kreuzte meinen Weg.“ Diese Art des Reisens faszinierte ihn. Nach der Matura flog er nach Amerika. Per Autostopp tingelte er durch die USA. Selbst als er blank war, dachte er nicht ans Aufgeben. „Ich bin ohne Geld nach Alaska getrampt und dachte mir: ,Es wird schon gehen.‘“ Der junge Mann lernte einen Fischer kennen und verbrachte einige Wochen bei ihm. Mit 20 reiste er mit einem Kollegen nach Südamerika. In Bolivien bestieg das Duo einen 6000er. „Wir hatten keine Ahnung, aber wir trauten uns alles zu. Wir kannten keine Grenzen.“

Früh übt sich, wer ein Meister werden will. Christian war ein bewegungsfreudiges und wissbegieriges Kind.
Früh übt sich, wer ein Meister werden will. Christian war ein bewegungsfreudiges und wissbegieriges Kind.

Nach der Schule ließ sich der junge Abenteurer zum Lehrer ausbilden. „Ich wollte einen Beruf erlernen, der mir liegt und der mir viel Freiraum lässt. Es war mir wichtig, dass ich mein Leben weiterführen und weiterhin Spaß haben kann.“ Bis 30 führte der Pädagoge ein intensives Abenteurerleben. Christian reiste unter anderem nach Pakistan. Von dort ging es über einen 5000 Meter hohen Pass nach China weiter, wo er die Taklamakan-Wüste durchquerte. „Als ich wieder zuhause war, hatte ich zehn Kilo weniger, weil ich an Durchfall litt.“

Je älter er wurde, desto mehr sehnte er sich nach einer Frau und Kindern. Aber vor der Gründung einer Familie wollte er sich noch seinen ganz großen Traum erfüllen: mit dem Motorrad von Alaska nach Feuerland fahren und wieder retour. Er war noch keine 30, „als ich aus dem Sicherheitskäfig hinausfuhr“. Auch diese Traumreise auf zwei Rädern durch zwei Kontinente traute er sich zu. „Ich habe immer nur Sachen gemacht, von denen ich überzeugt war, dass ich sie schaffe.“ Aber dieses Abenteuer hatte es in sich. Bereits in Nordkanada wurden seine Grenzen ausgelotet. Fernab der Zivilisation platzte ein Reifen seines Motorrades. „Ich hockte bei brütender Hitze allein im Wald und las im Handbuch nach, wie man einen Platten flickt.“ Nach stundenlanger Reparatur startete Christian seine Maschine. „Aber ich kam nicht weit. Der Reifen platzte wieder. Ich musste etwas falsch gemacht haben.“ Verzweiflung packte ihn. Nach dem dritten Reifenplatzer erkannte er, was er bei der Reparatur falsch gemacht hatte.

Die Traumreise auf zwei Rädern führte Christian Lasser bis an die Südspitze Südamerikas.
Die Traumreise auf zwei Rädern führte Christian Lasser bis an die Südspitze Südamerikas.

Auf dieser langen Reise jagte ein Abenteuer das andere. „Ich musste schwierige Situationen bewältigen, unter anderem auch einen Unfall in der Atacamawüste in Nordchile.“ Auf der Reise lernte er einen Dänen kennen, der ihn nach Patagonien begleitete. „Wir waren ein gutes Team. Kjeld war Motocross-Profi und ich kannte Südamerika.“ Nach 14 Monaten kehrte der abenteuerlustige Lehrer mit vielen Eindrücken wohlbehalten nach Vorarlberg zurück. „Dann fing der wichtigste Teil meines Lebens an. Ich lernte Denise, meine jetzige Frau kennen.“

Das größte Abenteuer begann für ihn als Vater. „Ich war und bin Papa aus Leidenschaft.“ Mit seiner Frau und seinen zwei Kindern ging der Ausdauersportler jedes Jahr campen. In den Sommerferien gönnte er sich auch selbst immer eine zweiwöchige Auszeit. „Ich hab‘ mich aufs Fahrrad gehockt und bin mit Rucksack und Zelt durch Schottland, Frankreich und Österreich gefahren.“

Christian mit seiner Frau Denise, seiner Tochter Leonie und seinem Sohn Simon. Die Familie geht gerne zusammen wandern.
Christian mit seiner Frau Denise, seiner Tochter Leonie und seinem Sohn Simon. Die Familie geht gerne zusammen wandern.

Seit einem Jahr ist der Pädagoge in Rente. „Ich bin ein Jahr später in Pension gegangen, weil die Arbeit mit den Schülern in der Sonderschule Vandans wunderschön war.“ Noch als Lehrer war in ihm die Idee gewachsen, in der Pension eine größere Reise zu machen. Im September 2022 setzte der fitte Neo-Rentner, der mit 60 seinen 20. und letzten Marathon lief, seinen Traum um. Er radelte mit dem Fahrrad von Schruns nach Athen.

Christian glaubte an seine Kraft und daran, dass er die 2500 Kilometer mit seinem Trekking-Rad und dem 20 Kilo schweren Gepäck bewältigen könne, aber er kam körperlich an seine Grenzen, vor allem im gebirgigen Albanien, wo es tagelang nur steil bergauf ging. „Stundenlang schob ich mein Fahrrad aufwärts.“ Ab Südtirol quälte ihn Hitze. „30 bis 35 Grad waren die Regel. Es regnete nie.“ Aber es gab noch andere Herausforderungen. „Manche Straßen waren sehr stark befahren, vor allem die Küstenstraße in Kroatien. Es war ein Horror und sehr gefährlich.“

Jetzt hat die Schufterei bald ein Ende. Christian an der Grenze zu Griechenland.
Jetzt hat die Schufterei bald ein Ende. Christian an der Grenze zu Griechenland.

Nach einem Monat kam Christian, der am Tag bis zu 120 Kilometer zurücklegte, am Ziel an. „Mich überkam ein grandioses Gefühl, als ich mich Athen näherte. Nun wusste ich, dass die Schufterei bald ein Ende hatte.“ Die Mühen sind längst vergessen. Der gebürtige Niederösterreicher, der als Zehnjähriger mit seiner Familie ins Montafon übersiedelte, träumt schon vom nächsten Coup. „Nächstes Jahr möchte ich von Norddeutschland ans Nordkap radeln.“  

Christian Lasser

geboren 15. August 1959 in Sonntagberg (Niederösterreich)

Wohnort Schruns

Familie verheiratet, zwei Kinder

Hobbys Radfahren, Laufen, Skitouren, Wandern

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