“Ich war tot und landete in der Hölle und im Himmel”

Vorarlberg / 12.01.2023 • 13:00 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Gerhard Kreil mit seiner Frau Heidi. Sie sind seit 45 Jahren zusammen und froh, dass sie einander noch haben. <span class="copyright">kum</span>
Gerhard Kreil mit seiner Frau Heidi. Sie sind seit 45 Jahren zusammen und froh, dass sie einander noch haben. kum

Gerhard Kreil (63) überlebte einen schweren Herzinfarkt. Seither ist es ihm ein noch größeres Anliegen, ein guter Mensch zu sein.

Dornbirn Gerhard Kreil arbeitete 18 Jahre lang bei einem Schlüsseldienst, 15 Jahre davon in leitender Position. „Als Filialleiter war ich für gar alles verantwortlich.“ Seine Arbeitstage waren lang. „Ich war oft bis 22 Uhr im Büro.“ Der Job war anstrengend. Aber der tüchtige Dornbirner mochte seine Arbeit. „Es freute mich, wenn ich Menschen helfen konnte, die in Not waren, weil sie den Schlüssel verloren hatten.“ Seine Nerven wurden oft strapaziert. Vielleicht rauchte er deshalb so viel. 30 Zigaretten putzte er locker weg an einem Tag.

Die VN berichteten im Jahr 2000 über die Arbeit des "Mannes vom Schlüsseldienst".
Die VN berichteten im Jahr 2000 über die Arbeit des "Mannes vom Schlüsseldienst".

Am 15. September 1997 plagten den 38-Jährigen starke Brustschmerzen. „Der Druck auf meiner Brust wurde immer ärger. Schon am Vortag hatte es mir den Atem zugeschnürt.“ Eigentlich wollte Gerhard an diesem Tag noch zum Arzt gehen. Aber er kam nicht weg von der Arbeit. Abends, er feilte noch einen Schlüssel für einen Kunden, brach er zusammen. „Mir wurde schwarz vor den Augen.“ Das Herz des 100-Kilo-Mannes hatte aufgehört zu schlagen. Die herbeigerufenen Rettungskräfte reanimierten den Vater von drei kleinen Buben. „Aber ich kam nicht zu mir.“ Erst auf der Intensivstation erlangte der Herzinfarktpatient sein Bewusstsein wieder.

In der Zwischenzeit, so sagt er, sei er in der Hölle und im Himmel gewesen. „Ich fand mich in einer riesigen Höhle wieder mit einem unterirdischen See. Aus dem Wasser – es war eine Drecksuppe – stiegen grauenhafte, menschenähnliche Gestalten. Ich sah auch einen riesigen Ofen, in den jemand Holz warf. Es muss der Teufel gewesen sein, so schaute er jedenfalls aus. Rund um den Ofen lag glühende Asche verstreut. Dann hörte ich eine Stimme. Sie fragte mich: ,Magst du bei uns bleiben?‘“ Ich lachte und sagte: ,Nein, in diesem Saustall bleibe ich nicht.“

Hochzeitstag: Gerhards Sohn Daniel heiratete am 16. 6. 2021 seine Johanna. Mit dem Brautpaar freuten sich unter anderem die Eltern des Bräutigams, Gerhard und Heidi (rechts), Oma Berta-Maria sowie Mathias und Andreas, die Brüder von Daniel. <span class="copyright">Desiree Kreil</span>
Hochzeitstag: Gerhards Sohn Daniel heiratete am 16. 6. 2021 seine Johanna. Mit dem Brautpaar freuten sich unter anderem die Eltern des Bräutigams, Gerhard und Heidi (rechts), Oma Berta-Maria sowie Mathias und Andreas, die Brüder von Daniel. Desiree Kreil

Kaum ausgesprochen habe sich der Schauplatz verändert. „Auf einmal wurde es hell und licht und angenehm ruhig. Ich saß im Nichts, sah am blauen Himmel weiße Wölkchen herumschweben, auf denen menschliche Gestalten regungslos saßen. Sie sahen wie Skulpturen aus. Ich dachte mir: ,Da ist es mir viel zu langweilig. Da herrscht Totenruhe.‘ Dann hörte ich wieder eine Stimme. ,Willst du dableiben?‘ Noch bevor ich antwortete, nahm ich eine andere Szenerie wahr. Ich sah eine liebe Frau und drei kleine Buben. Sie warteten auf mich. Da sagte ich: ,Ich will nicht im Himmel bleiben. Eine Familie wartet auf mich.‘ In diesem Moment kam ich in meinen Körper zurück.“

All das war so eindrücklich für Gerhard, dass für ihn seither feststeht: Es gibt eine Hölle und einen Himmel. „Ich strenge mich an, ein guter Mensch zu sein, damit ich nicht in die Hölle komme.“ Wenn jemand Hilfe braucht, hilft Gerhard. „Menschen, die ich mag, erfülle ich auch gerne Wünsche.“

Das Ehepaar Kreil meisterte den Schicksalsschlag vor 25 Jahren bravourös.
Das Ehepaar Kreil meisterte den Schicksalsschlag vor 25 Jahren bravourös.

Nach dem schweren Herzinfarkt war der Familienvater sechs Wochen im Spital. „Ich musste vieles wieder lernen, konnte nicht einmal mehr gehen. Aber nach und nach kam alles zurück, nicht zuletzt durch Therapien, die ich ein Jahr lang benötigte.“ Aber die Rückkehr in den Beruf gestaltete sich schwierig. „Ich war 40 Jahre alt und hatte einen Herzinfarkt hinter mir. Alle hatten Vorbehalte, mich einzustellen.“

Gerhard, der Schlüssel-Opa, hat große Freude mit seinen fünf Enkeln. Im Bild drei davon: Noah, Mathilda und Valentin.
Gerhard, der Schlüssel-Opa, hat große Freude mit seinen fünf Enkeln. Im Bild drei davon: Noah, Mathilda und Valentin.

Die Not brachte Gerhard, der unbedingt wieder arbeiten wollte, auf eine zündende Idee. „Ich sagte zu meiner Frau Heidi: ,Wenn du mir hilfst, mache ich mich selbstständig.“ Das war die Geburtsstunde der „Kreil Sicherheitstechnik GmbH“. Mit dem neugegründeten Betrieb ging es schnell und stetig aufwärts. „Heute haben wir zwölf Mitarbeiter“, sagt der 63-Jährige und ist sichtlich stolz, dass es ihm gelang, eine florierende Firma auf die Füße zu stellen. Als Gerhard im Jahr 2013 aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig in Rente ging – „mein Gedächtnis begann sich zu verschlechtern“ – übernahm seine Frau das Geschäft. Diese übergab es vor vier Jahren an Mathias, einen der Zwillingssöhne.

"Ich war tot und landete in der Hölle und im Himmel"
Gerhard Kreil ist und bleibt ein Schlüsselprofi.

Die Herzsportgruppe Dornbirn bietet für Herzpatienten Gymnastik an. Jeden Mittwoch (von 18 bis 19 Uhr) trifft man sich unter ärztlicher Betreuung in der Turnhalle 1 des BORG Schoren und jeden Donnerstag (von 9.30 bis 10.30 Uhr) im Pfarrheim Hatlerdorf. Trainiert werden unter anderem die Beweglichkeit, das Gleichgewicht und die Kraft und Ausdauer. Infos und Anmeldung bei Anton Fink. Tel. 0664/3423868 oder unter tone.fink@aon.at

 

Du hast einen Tipp für die VN Redaktion? Schicke uns jetzt Hinweise und Bilder an redaktion@vn.at.