Ungewöhnlich viele Sterbefälle

Vorarlberg / 13.01.2023 • 21:24 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Mögliche Folge von Coronapandemie, Hitze und Grippewelle auch im Land sichtbar.

SCHWARZACH 2022 habe es ähnlich viele Sterbefälle gegeben wie in den beiden vorangegangenen Jahren, berichtet Statistik Austria-Generaldirektor Tobias Thomas für ganz Österreich. Zumal es sich um eine vorläufige Zahl handelt und von den zuständigen Standesämtern noch Fälle nachgemeldet werden, könnten es allerdings noch mehr als rund 91.600 werden, so Thomas.

Das anhaltend hohe Niveau mag überraschen. 2020 und 2021 hing es naheliegenderweise klar mit der Coronapandemie zusammen. Aber 2022? In Vorarlberg starben laut staatlicher Gesundheitsagentur AGES 148 Menschen, die positiv getestet waren. Das waren ziemlich genau halb so viele wie im ersten Jahr der Pandemie (286). Corona allein kann also kaum ausschlaggebend gewesen sein für die jüngste Entwicklung.

Überdurchschnittlich in Vorarlberg

Antworten zu finden ist jedoch schwer. Experten winken ab und verweisen darauf, dass es noch keine aktuelle Todesursachenstatistik gebe. Eine solche würde zumindest eher belastbare Einschätzungen zulassen. Auch in Vorarlberg gab es im vergangenen Jahr überdurchschnittlich viele Sterbefälle. Für die 52 Kalenderwochen werden insgesamt 3524 ausgewiesen. Das waren mehr als in den Vergleichszeiträumen 2020 und 2021 (jeweils weniger als 3300), geschweige denn im Durchschnitt vor der Pandemie (2930).

Im Jahresverlauf 2022 war die Entwicklung alles andere als konstant. Zunächst gab es bis in den Frühling hinein über Wochen hinweg sehr viele Sterbefälle. Zeitlich fiel das mit der letzten Coronawelle zusammen, in der immer wieder zwei, drei Menschen an einem Tag mit einer Infektion starben. Auch im Sommer kam es zu einer Häufung. Corona war hier jedoch kein Thema, sondern Hitze. Hohe Temperaturen können besonders Männern und Frauen schwer zu schaffen machen, die gesundheitlich bereits angeschlagen sind. Wenn das Thermometer länger über 30 Grad klettert und es kaum noch abkühlt, werden regelmäßig „hitzeassoziierte Todesfälle“ registriert. Laut AGES hat es schon Jahre mit viel mehr gegeben als im Sommer 2022, etwa 2017 und 2018.

Zusammenhang mit Grippewelle

Im Dezember kam es 2022 zu einer weiteren deutlichen Zunahme der Sterbefälle im Land. In der 50. Kalenderwoche, also zur Monatsmitte, wurden mit 90 so viele verzeichnet wie in keiner anderen Woche des Jahres. Hier gibt es einen zeitlichen Zusammenfall mit der massiven Grippewelle. Auch mit Grippewellen gehen Sterbefälle einher. Aktuell liegt noch keine Schätzung vor. Für die extreme Influenzasaison 2016/17 geht die AGES österreichweit von 4436 Fällen aus.

Zu erforschen wäre laut der Gesundheitsexpertin Maria Magdalena Hofmarcher-Holzhacker, wie sehr sich Beschränkungen in der Coronapandemie auf die längerfristige Entwicklung der Sterblichkeit ausgewirkt haben könnten. Darauf hat sie in den VN bereits hingewiesen: Die Maßnahmen haben geholfen, unmittelbare Coronafolgen zu bekämpfen.

Daneben gab es aber etwa weniger Vorsorgeuntersuchungen: „Das kann dazu führen, dass bestimmte Leistungen, die notwendig gewesen wären, nicht in Anspruch genommen wurden, dass sich der Gesundheitszustand dadurch ­verschlechtert und das vielleicht zum vorzeitigen Tod geführt hat.“ Hofmarcher-Holzhacker meint, dass es wichtig wäre, dem nachzugehen, um für die Zukunft zu lernen. joh

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