Brücke als politisches Band

Vorarlberg / 16.01.2023 • 18:42 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die Brücke im Jahre 1957 kurz vor ihrer Eröffnung.  GEMEINDE
Die Brücke im Jahre 1957 kurz vor ihrer Eröffnung.  GEMEINDE

In Lustenau will niemand mehr eine Hochleistungsbrücke nach Au. Altes Bauwerk muss ersetzt werden.

Lustenau Der Lustenauer FPÖ-Chef Martin Fitz will von Freunden aus Wien gehört haben, dass die zu bauende neue Brücke nach Au so wie die jetzige eine Hochleistungsbrücke werden soll. „Behübscht mit einer Spur für den öffentlichen Verkehr.“ Auch Bürgermeister Kurt Fischer schwant Ähnliches. „Dagegen würden wir uns mit allen Mitteln wehren“, kündigt der Gemeindechef schon prophylaktisch Widerstand an. „Das, was wir jetzt haben, darf nicht noch einmal neu erstehen. Da sind wir uns einig“, lässt auch Christine Bösch-Vetter, Sprecherin der Lustenauer Grünen, wissen.

66 Jahre alt

Tatsache ist: Die mittlerweile 66 Jahre alte Brücke fängt nicht mit einem neuen Leben an, sondern sieht ihrem Ende entgegen, kann nicht mehr saniert werden. Eine Nachfolgelösung muss möglichst rasch gefunden werden. „Die kann aber nicht so aussehen, dass man wieder einen Übergang mit der Frequenz von 14.500 Fahrzeugen täglich, davon 1000 Lkw, baut“, macht Fischer deutlich. Schon im Jahre 1954, als der Bau der jetzigen Brücke anstand, habe man sich über den Tisch ziehen lassen. Damals waren die Standortgemeinden Lustenau und Au dagegen, der Bund hat das Projekt jedoch gegen deren Willen durchgezogen. Unter anderem mit dem Argument, es sei kaum anzunehmen, dass durch das dichtverbaute Lustenau eine große Fernstraße gebaut werde. „So etwas passiert uns kein zweites Mal“, gelobt der Bürgermeister.

Warten auf Evaluierung

Eine Brücke mit dem Leistungsvermögen der jetzigen würde Lustenau als Verkehrsader zementieren, sind sich die politisch Verantwortlichen der Gemeinde einig. „Und die Vorstellung, dass die Brücke am derzeitigen Standort und vielleicht noch etwas nördlicher die Wasserversorgung der dort geplanten neuen Brunnen gefährdet, ist zudem alles andere als angenehm“, betont Fischer.

Das Brückenprojekt müsse sich auf alle Fälle an der Verkehrsplanung zur Entlastung der Gemeinde orientieren. Das Ergebnis der Evaluierung von Alternativen zur geplanten CP-Vatiante (Ostumfahrung Lustenau) durch das Mobilitätsministerium sollte in Bälde präsentiert werden. Erwartet wird es mit großer Spannung, könnte es doch das Ende für eine großflächige Lösung bedeuten.

Die Kapazität für den Lkw-Transitverkehr sowie den Autoverkehr müsse im Rahmen einer Gesamtlösung auf ein verträgliches Maß reduziert werden. Hand in Hand dazu sei ein Ausbau der öffentlichen Verkehrsmittel und eine bessere Infrastuktur für Radfahrer und Fußgänger notwendig. Die jetzige Brücke wurde bereits vor sechseinhalb Jahren saniert. Das machte eine siebenwöchige Sperre des stark frequentierten Bauwerks erforderlich. Der Verkehr musste in diesem Zeitraum auf andere Brücken verteilt werden.

Immer wieder flammt in der größten Marktgemeinde Österreichs Protest über die große Verkehrsbelastung im Ort auf. Die Hochleistungsbrücke gilt dabei als einer der Hauptgründe für die Blechlawine. VN-HK

Bürgermeister Kurt Fischer will keinen Status quo nach dem Bau einer neuen Brücke. VN/PAULITSCH
Bürgermeister Kurt Fischer will keinen Status quo nach dem Bau einer neuen Brücke. VN/PAULITSCH
Die Rheinbrücke von Lustenau nach Au wird täglich von durchschnittlich 14.500 Fahrzeugen frequentiert. GEMEINDE LUSTENAU
Die Rheinbrücke von Lustenau nach Au wird täglich von durchschnittlich 14.500 Fahrzeugen frequentiert. GEMEINDE LUSTENAU

Du hast einen Tipp für die VN Redaktion? Schicke uns jetzt Hinweise und Bilder an redaktion@vn.at.