Hard soll mit Seewasser heizen und kühlen

Vorarlberg / 16.01.2023 • 17:50 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Hard soll mit Seewasser heizen und kühlen
Die Grünen in Hard könnten sich Seewärme als Nahwärmequelle vorstellen. AJK

Grünes Hard will dem Vorbild von Bregenz und des Kantons Thurgau folgen.

Hard Die Marktgemeinde Hard soll aktiv den riesigen Energiespeicher Bodensee nutzen. Das schlägt für die Fraktion Grünes Hard Gemeinderat DI Philipp Erhart vor. Der Schweizer Kanton Thurgau fördert bereits diese alternative Form der Energiegewinnung.

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Auch die Stadt Bregenz ist dabei: Das neue Hallenbad soll künftig mit Seewärme beheizt werden. Der gigantische Energiespeicher Bodensee hat laut Schweizer Studien die Kapazität eines leistungsfähigen Atomkraftwerks, allerdings ohne dessen problematische Begleiterscheinungen. Um Wärme zu gewinnen muss lediglich Wasser aus dem See gepumpt und per Wärmetauscher auf einen Sekundärkreislauf übertragen werden. Das etwas kühlere Wasser rinnt in den See zurück. Ähnlich funktioniert auch die Kühlung von Gebäuden, dabei wird das Wasser etwas erwärmt. Bei einer durchschnittlichen Wassermenge im See von rund 50 Milliarden Kubikmeter haben solche Maßnahmen kaum messbare Auswirkungen auf die Temperatur.

Großes Potenzial

DI Erhart: „Das große Wasservolumen des Bodensees würde es ermöglichen, sämtliche Anwohner des Bodensees mit Wärme zu versorgen, wobei sich das Wasser um lediglich 0,2 Grad abkühlen würde.“ Grünes Hard schlägt vor, die Nutzung von Seewasser zu prüfen. Die aktuelle Energie- sowie die Klimakrise erfordern entschlossenes Handeln und die Reduktion von CO2-erzeugenden Brennstoffen zur Erzeugung von Strom und Wärme. Technisch umsetzbar sei auch die Errichtung von Leitungen und Bauwerken unter Berücksichtigung des strengen Schutzes von Flora und Fauna am Bodenseeufer und Seegrund.

Philipp Erhart von Grünes Hard. <span class="copyright">AJK</span>
Philipp Erhart von Grünes Hard. AJK

Kanton Thurgau als Vorbild

Die Fraktion verweist auf den Leitfaden „Wärme und Kältenutzung aus dem Bodensee“, den der Kanton Thurgau herausgegeben hat. Der Kanton setzt auf große Anlagen mit Nahwärmenetzen, die größere Gebiete und möglichst viele Objekte versorgen. Im Leitfaden aus dem Thurgau heißt es: „Auf reine Kühlnutzungen wird verzichtet, bei Kühlnutzungen wird in jedem Fall eine Abwärmenutzung angestrebt. Thermische Seewassernutzungen beeinträchtigen die aquatischen Ökosysteme nicht. Wasserrückgaben erfolgen in der Regel in 20 bis 40 Metern Tiefe.“ Auch am Zürichsee werden bereits Wohnquartiere mit Energie aus dem See beheizt.

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Wichtiges Zukunftsthema

Gemeinderat Philipp Erhart erwartet, dass das Thema heuer im Rahmen des Regionalen Entwicklungsplans der Marktgemeinde fixiert wird. „Das ist für Hard ein wichtiges Zukunftsthema, an dem auch der Bürgermeister Interesse zeigt. Wir müssen uns auch um die Verbindung bestehender oder geplanter Nahwärmenetze in Nachbargemeinden kümmern. Das trägt wie bei den Trinkwassernetzen zur Sicherheit der Versorgung bei.“ Hard prüft aktuell die Erweiterung des bestehenden Nahwärmenetzes mit der Heizzentrale beim Abfallsammelzentrum Loacker, Lustenau. Es läuft die Ausschreibung für einen neuen Betreiber.

Hard soll den Energiespeicher Bodensee vor der eigenen Haustüre nutzen, schlägt „Grünes Hard“ vor.
Hard soll den Energiespeicher Bodensee vor der eigenen Haustüre nutzen, schlägt „Grünes Hard“ vor.

Auch Bregenz will See nutzen

Auch Bregenz plant bekanntlich über die Beheizung des neuen Hallenbades hinaus. In einer zweiten Ausbaustufe könnte das Bodenseewasser auch in einem erweiterten Versorgungsgebiet – etwa Bregenz Mitte – als regenerative Energiequelle genutzt werden. Das ist deshalb interessant, weil diese Technologie insbesondere für die Klimatisierung von Gebäuden energieeffizient und klimaschonend wirkt. AJK

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