Klimaaktivisten entern Flughafen

Vorarlberg / 16.01.2023 • 18:47 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
„Wir sitzen hier, weil es so nicht weitergehen kann“, betont Amelie (r.).
„Wir sitzen hier, weil es so nicht weitergehen kann“, betont Amelie (r.).

„Debt for Climate“ und „Make Polluters Pay“ machten gegen das WEF mobil.

ALTENRHEIN In Davos hat am Montag die diesjährige Jahrestagung des Weltwirtschaftsforums (WEF) begonnen. Das Treffen dauert bis Freitag. Viele der knapp 2500 Teilnehmer aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft reisen in Privatjets an. Der Flughafen St. Gallen/Altenrhein erwartet in der WEF-Woche rund 200 zusätzliche Flugbewegungen. Die Mitglieder der Bewegungen „Debt for Climate“ und „Make Polluters Pay“ schlugen am Montag ebenfalls in Altenrhein auf, allerdings in anderer Mission.

„Wir bleiben, solange es nötig ist oder bis uns die Polizei freundlich oder weniger freundlich bittet zu gehen“, kündigt „Debt for Climate“-Aktivistin Louise Wagner (30) gegen 11 Uhr gegenüber den VN an. Knapp zwei Stunden später ist alles vorbei. Die Demonstranten hätten kurz vor 13 Uhr nach Gesprächen mit der Kantonspolizei St. Gallen eingewilligt, die Kundgebung freiwillig zu beenden, teilt Mediensprecher Hanspeter Krüsi kurz darauf mit. Es werde keine strafrechtlichen Konsequenzen geben.

Ein Dutzend Aktivisten

Rund ein Dutzend Klimaaktivisten haben sich am Montag kurz nach 7.30 Uhr auf dem Vorplatz versammelt, um gegen das WEF zu protestieren. Die einen hängen an einem mehrere Meter hohen Holzgerüst, die anderen stecken mit der Hand in einem Ölfass oder liegen einfach auf dem Boden. Auf den Transparten prangen Slogans wie „Klimaschulden zahlen“, „Davos: Billionaires Party while the world burns“ oder „We can no longer afford the 1 %“.

„Wir sind vor allem hier, um jene Forderung deutlich zu machen, die tatsächlich eine Lösung für Klimagerechtigkeit und soziale Gerechtigkeit darstellt. Und das ist die Entschuldung des globalen Südens“, erläutert Louise Wagner. „Schulden sind das Hauptmittel, das zum Beispiel von Menschen, die das WEF besuchen, benutzt wird, um Ressourcen und fossile Rohstoffe aus dem globalen Süden weiter zu extrahieren, weil diese Länder es sich erst dadurch leisten können, überhaupt die Zinsen auf teilweise illegale und illegitime Schulden zurückzahlen zu können, und dafür sind wir heute hier. Um zu fordern, dass diese Schulden gestrichen werden, damit eine gerechte und selbstbestimme Energiewende, weg von fossilen Rohstoffen, erst möglich sein kann.“

Die Polizei wurde von der Aktion überrascht. Wie lange die Blockade dauern würde, war am Vormittag noch unklar. Die Lage sei friedlich, der Flugverkehr nicht beeinträchtigt und die Zufahrt gewährleistet, sagte der Mediensprecher der Kantonspolizei St. Gallen. Gemeinsam mit der Einsatzleitung werde die Lage regelmäßig beurteilt. Am Ende ging alles relativ schnell. „Zusammen mit drei Personen der Organisation ,Schulden fürs Klima‘ gelang es der Kantonspolizei St. Gallen, die Demonstrierenden zu überzeugen, ihre Aktion zu beenden. Die Flughafenleitung zog anschließend den gestellten Strafantrag zurück, weshalb die Demonstrierenden nach der Erfassung ihrer Personalien das Flughafenareal verlassen konnten“, informierte Krüsi am frühen Nachmittag mit. Gerade rechtzeitig, bevor der Großteil der Privatjets in Altenrhein erwartet wurde. „Ein Dutzend ist schon gelandet, der große Teil kommt gemäß Anmeldung heute Nachmittag“, berichtete People’s-CEO Thomas Krutzler am Vormittag. Der Klimaprotest habe auf den Flughafenbetrieb keine Auswirkungen. Der Flughafen St. Gallen/Altenrhein macht während des WEF rund sieben bis acht Prozent des Jahresumsatzes. Die WEF-Teilnehmer sind für die Weiterfahrt nach Davos auch heuer auf das Auto angewiesen. Hubschraubertransporte seien seines Wissens wie letztes Jahr aus Sicherheitsgründen untersagt, ergänzt Krutzler.

Unter die Beobachter des Geschehens hat sich Cécile Metzler, die Präsidentin der Aktion gegen Fluglärm (AgF), gemischt. Logisch finde sie es gut, dass die Aktivisten den Flughafen blockieren. „Auch wenn es nicht in erster Linie gegen Fluglärm geht. Aber es ist am Flugplatz und es ist ein heikler Punkt“, sagt sie. vn-ger

Die Aktivisten bauten auf dem Flughafenvorplatz ein mehrere Meter hohes Gerüst auf.
Die Aktivisten bauten auf dem Flughafenvorplatz ein mehrere Meter hohes Gerüst auf.
Hanspeter Krüsi ist der Mediensprecher der Kantonspolizei St. Gallen.
Hanspeter Krüsi ist der Mediensprecher der Kantonspolizei
St. Gallen.

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