Führerloser Bus in Bürserberg: “Es war ein Albtraum”

Vorarlberg / 17.01.2023 • 11:36 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Führerloser Bus in Bürserberg: "Es war ein Albtraum"
Ingrid Monschein würde sich freuen, wenn sich einige Fahrgäste melden würden. VN, Hofmeister

Ein Jahr Busunfall in Bürserberg: Fahrgast Ingrid Monschein über die schrecklichen Sekunden im Bus und ihre Verletzung.

Bürserberg, Nenzing Es ist genau ein Jahr her, als Ingrid Monschein an einem Sonntag nach Bürserberg wollte, um eine von der Schwägerin vorgeschlagene Tour nach Bürs zu machen. “Eine wunderschöne Wanderung hätte es werden sollen.” Um 13 Uhr geschah das Unglück, führerlos fuhr der Bus den Hang hinab und gegen einen Stadel. Die Nenzingerin war eine jener vier Passagiere, die aus dem Bus sprangen, um sich in Sicherheit zu bringen.

Ingrid Monschein sucht andere Betroffene, die über den Unfall vor einem Jahr sprechen wollen. <span class="copyright">VN/Rauch</span>
Ingrid Monschein sucht andere Betroffene, die über den Unfall vor einem Jahr sprechen wollen. VN/Rauch

“Der Sachverständige sagte damals im VN-Bericht, dass es für jeden Passagier ein Albtraum gewesen sein muss, und so war es auch”, erinnert sich die 78-Jährige zurück. Im Bus waren nach ihrer Wahrnehmung auch eine große Gruppe vermeintlicher Lustenauer mit Rodeln, die bei der Einhornbahn einstiegen. Insgesamt waren an die 25 Passagiere an Bord, als der Chauffeur wegen einer klemmenden Tür ausstieg. Dann geschah, was nicht passieren durfte: Der Bus rollte mit offenen Türen los, den steilen Abhang hinunter und direkt auf die Bürserberger Kirche und den Mühlebach zu.

Der Bus rollte ohne Chaffeur los und kollidierte mit dem Stadel. <span class="copyright">Hofmeister</span>
Der Bus rollte ohne Chaffeur los und kollidierte mit dem Stadel. Hofmeister

“Die Männer mit den Rodeln sind im Gang gestanden, einer von ihnen war der Erste, der hinaussprang”, erinnert sich die umtriebige Seniorin ein Jahr später zurück. Monschein selbst saß nicht direkt neben der Tür. “Ich musste mich in Sekundenschnelle entscheiden, bleibe ich im Bus oder springe ich hinaus”, erklärt sie. Ihr Bruder, der sie begleitete, sprang noch vor ihr ab. Sie war schlussendlich die Vierte, die raussprang. “Der Bus hatte an Geschwindigkeit aufgenommen, bei der Landung brach ich mir unglücklicherweise den Schienbeinkopf”, sagt die 78-Jährige gegenüber den VN. Die beiden Schrauben hat sie bis heute.

Aufgrund Ihrer Datenschutzeinstellungen wird an dieser Stelle kein Inhalt von Iframely angezeigt.

Der Bus streifte schlussendlich eine Straßenlaterne, kam nach links ab und kollidierte mit einem hölzernen Stadel, statt im Mühlebach zu landen. Monschein hatte das große Glück, in ihrer Familie einen großen Rückhalt zu haben. Dennoch fragt sie sich, wie die anderen Fahrgäste des Landbuses die Fahrt verkraftet haben. “Jetzt hab ich mir gedacht, es war schließlich der Jahrestag, ich probiere es einmal, wenn sich jemand meldet ist es gut.” Sie startete auf Facebook einen Aufruf, um die anderen Fahrgäste zu finden, aber bislang ohne Erfolg. Ihr Ziel: “Einfach ein bisschen schwätzen, wie haben sie es im vergangenen Jahr gehabt, wie haben sie es verkraftet, vor allem psychisch.” Sie würde sich über einen Austausch freuen: “Auch meinen Bruder würde es interessieren, wie es allen erging.”

Betroffene, die sich mit Ingrid Monschein austauschen wollen, dürfen sich gern unter Ingrid.Monschein@gmail.com melden.

Du hast einen Tipp für die VN Redaktion? Schicke uns jetzt Hinweise und Bilder an redaktion@vn.at.