Startschuss in Lustenau: Punktgenaue Wetterprognosen

Vorarlberg / 17.01.2023 • 18:26 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Startschuss in Lustenau: Punktgenaue Wetterprognosen
Lustenaus Bürgermeister Kurt Fischer (links), Wetterexperte Jörg Kachelmann und Drei-CEO Rudolf Schrefl (3. und 4. v.l.) wollen die Wetterprognose verbessern, gerade im Zusammenhang mit Wetterextremen. VN/Steurer, Drei Handout/Miro Kuzmanovic

Das verspricht ein Pilotprojekt von Kachelmann und Drei, das in Lustenau den Anfang nimmt.

Lustenau Wer an Wetterprognosen denkt, sieht meist vor sich die großen Satellitenbilder, die über den Kontinent ziehen, mit bunt eingefärbten Landstrichen. Im Katastrophenfall braucht es jedoch punktgenaue Wetterprognosen und eine rasche Warnung der Bevölkerung.

Im Einsatzfall aufgrund der Wetterlage muss die Feuerwehr wissen, auf was sie sich in den nächsten Stunden tatsächlich einstellen muss. Hier sollen die neuen Wetterstationen helfen. <span class="copyright">VN/STeurer</span>
Im Einsatzfall aufgrund der Wetterlage muss die Feuerwehr wissen, auf was sie sich in den nächsten Stunden tatsächlich einstellen muss. Hier sollen die neuen Wetterstationen helfen. VN/STeurer

“Was mich antreibt, ist, dass Menschen sterben oder verletzt werden aufgrund von Wettereignissen, die vorhersehbar gewesen wären”, erklärt Jörg Kachelmann. “Niemand muss heutzutage mehr vom Wetter überrascht werden.” Dafür braucht es lokale und aktuelle Prognosen, die durch Satelliten allein nicht stemmbar sein werden. Wetterstationen hingegen liefern klare Daten bezüglich Wind und Niederschlag. “Der Hinteregger Peter (Meteologe von Meteologix in Vorarlberg, Anm.) weiß ohne Wetterstation in Egg beim Gymnasium nicht, wenn ich ihn frage, ob es in Egg föhnt”, erklärt Kachelmann in Vorarlberg LIVE. Diese Daten, die sogenannte “Ground Truth” (Bodenwahrheit wortwörtlich) liefern nur solche Wetterstationen.

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Hilfreich ist dies gerade auch im Katastrophenfall. “Wir sind die Gemeinde am Rhein”, erinnert Lustenaus Bürgermeister Kurt Fischer. Bald jährlich bedroht das Wetter Lustenau, wenn Starkregen den Rhein anschwellen lässt. Im vergangenen Jahr kam man noch glimpflich davon. “Im Nachgang zeigte sich aber, wie wichtig Nowcasting ist, also wie das Wetter an einem Ort in den nächsten 60 Minuten wird.” Lokale Daten lieferten bislang 15 Messstationen in Vorarlberg, das Wetterradar an der Valluga ist seit 2017 nicht einsatzfähig.

Das Wetterradar auf der Valluga ist seit 2017 nicht einsatzfähig. <span class="copyright">Bösch</span>
Das Wetterradar auf der Valluga ist seit 2017 nicht einsatzfähig. Bösch

Die Lösung soll nun ein gemeinsames Projekt von Kachelmanns Firma Meteologix, dem Telekom-Komplettanbieter Drei und dem auf Fernmessungen spezialisierten Metrilog Data Systems bringen: Lokale Wetterstationen sollen professionelle und präzise regionale Daten liefern, um kleinräumig schnelle und verlässliche Voraussagen treffen zu können. “Den Ehrgeiz, den wir haben, ist nichts weniger als eine kleine Revolution in der Wetterprognose zu schaffen”, erklärt Kachelmann.

In Vorarlberg streben die Partner an die 50 Wetterstationen an, praktisch in jeder zweiten Gemeinde. Drei bringt dabei vor allem zwei Kompetenzen mit ein, betont CEO Rudolf Schrefl: “Wir sind vertraut mit dem Aufbau und Betrieb von engmaschiger Infrastruktur, und damit, die Information schnell an die Kunden zu übermitteln.” Auch Russmedia wird in diesem Bereich mit den Projektpartner kooperieren, um rasche und lokal präzise Wetterwarnungen rechtzeitig anbieten zu können.

Kurt Fischer, Jörg Kachelmann und Rudolf Schrefl setzen den Startschuss für ein Projekt, dass die Wetterprognose verbessern soll. <span class="copyright">VN/Rauch</span>
Kurt Fischer, Jörg Kachelmann und Rudolf Schrefl setzen den Startschuss für ein Projekt, dass die Wetterprognose verbessern soll. VN/Rauch

Den Anfang macht Vorarlberg. Die erste Wetterstation befindet sich direkt am Rheindamm, beim Seniorenhaus Schützengarten neben dem Reichshofstation in Lustenau, und ist bereits im Einsatz. Zwei weitere Stationen beim Gymnasium Egg und im Eichenberger Jungholz sind bereits in Vorbereitung. Vorarlberg sei die perfekte Pilotregion, betont Kachelmann: “Landschaftlich ist in Vorarlberg alles kondensiert, was Österreich ausmacht: Stadt, Land, Berg, Tal, See.”

Bis zu 1000 solche Wetterstationen kann sich Schrefl vorstellen, dreimal mehr als es bislang gibt. “Diese helfen auch bei der Energiewende”, ist er überzeugt. Schließlich lassen sich so auch vorhersagen, wie viel Energie aus erneuerbaren Quellen wie Wind und Solar aktuell zu erwarten sind. Auch Landwirtschaft und Tourismus könnten von solch lokalen Wetterprognosen stärker profitieren. “Es ist unser Ziel, mit Drei Wetter einen neuen Qualitätsstandard für Wetterprodukte zu schaffen, damit alle Menschen im Land frühzeitig und genau informiert werden und auch bei relevanten Wetterinformationen von der Digitalisierungs-Vorreiterrolle von Drei profitieren”, erklärt Schrefl.

Interessierte Gemeinden sind eingeladen, sich unter wetter@drei.com zu melden. Die Mitarbeiter von Drei würden daraufhin alle notwendigen Vorbereitungen und Absprachen übernehmen.

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