Gericht: “Dann war es einfach eine Schlägerei”

Vorarlberg / 18.01.2023 • 21:20 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Als das Opfer zu Boden fiel und die beiden Jugendlichen weiter auf ihn einschlugen, haben sie bewusst die Entscheidung für eine Schlägerei getroffen.
Als das Opfer zu Boden fiel und die beiden Jugendlichen weiter auf ihn einschlugen, haben sie bewusst die Entscheidung für eine Schlägerei getroffen.

Zwei Jugendliche müssen sich wegen gefährlicher Körperverletzung verantworten.

Feldkirch Zwei Jugendlichen im Alter von 16 und 17 Jahren wird am Landesgericht Feldkirch vorgeworfen, im November 2022 eine gefährliche Körperverletzung an einem 17-Jährigen begangen zu haben. Demnach sollen die Beschuldigten das Opfer mit Fäusten und Füßen derart verletzt haben, dass dieser eine Gehirnerschütterung, eine Schulter- und eine Nasenprellung wie auch eine Platzwunde oberhalb des rechten Auges erlitt.

Schlägerei statt Notwehr

Zu der Rauferei sei es überhaupt erst gekommen, weil der Geschädigte einen der Angeklagten beim Vorbeigehen touchiert habe, sind sich die Beschuldigten einig. „Ein Mädchen, das bei dem Opfer dabei war, hat sich dann umgedreht und gesagt: ‚Lernt ein bisschen Respekt vor den Älteren‘“, erinnert sich der 17-jährige Angeklagte. Nachdem die Beschuldigten mit obszönen Beschimpfungen geantwortet hatten, drehte sich das Opfer um und ging mit geballten Fäusten auf die beiden los, so die Aussagen der Angeklagten. „Wir haben uns nur gewehrt“, geben die Beschuldigten zu verstehen. Sie plädieren auf Notwehr.

Nachdem der 16-jährige Angeklagten jedoch mit dem Opfer zu Boden fiel und das Handgemenge weiter anhielt, versuchte der zweite Angeklagte, den Geschädigten mit seinen Füßen gewaltsam von seinem Freund zu entfernen. Einer der Angeklagten lässt locker die Worte „Dann war es einfach eine Schlägerei“ fallen. Richter Dietmar Nussbaumer wird hellhörig und fragt nach: „Es war also klar, dass es eine Schlägerei war?“. Beide Angeklagten antworten mit Ja.

Milderes Urteil

Am Ende steht eine Diversion: Der 16-Jährige wird mit einer Geldstrafe von 360 Tagessätzen zu je vier Euro oder einer Ersatzfreiheitsstrafe von 180 Tagen bestraft. Er bekommt eine Probezeit von fünf Jahren und wird weiterhin von einem Sozialarbeiter betreut. Außerdem muss er dem Geschädigten 200 Euro Schmerzensgeld zahlen. Für weitere Forderungen verweist Richter Nussbaumer das Opfer an das Zivilrecht. Der bislang unbescholtene 17-Jährige akzeptiert 80 Stunden gemeinnützige Arbeit bei der Organisation NEUSTART innerhalb den nächsten Monate. Außerdem wird er dem Opfer 500 Euro Schmerzensgeld zahlen müssen. Die Staatsanwältin macht ihm abschließend klar, dass ihm eine letzte Chance gewährt wurde.

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