Wärme spenden

Vorarlberg / 19.01.2023 • 16:28 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Initiatorin Sybille Klinger und ihre Strickerinnen engagieren sich für bedürftige Menschen.JS
Initiatorin Sybille Klinger und ihre Strickerinnen engagieren sich für bedürftige Menschen.JS

Zehn Montafonerinnen engagieren sich unter dem Motto „Wollreste gegen kalte Ohren“.

Gaschurn Wenn die Tage kürzer werden und die Temperaturen sinken, ist jeder über eine wärmende Mütze oder einen kuscheligen Schal froh. Damit sich auch Menschen am Rand der Gesellschaft über eine wärmende Kopfbedeckung freuen können, stellen die Strickerinnen aus dem Montafon ihr handwerkliches Geschick in den Dienst der guten Sache. Das ganze Jahr über wird gestrickt, was die Finger und eben auch die Wollreste hergeben. „Wollreste gegen kalte Ohren“ nennt sich das soziale Handarbeitsprojekt, das Sybille Klinger vor sechs Jahren ins Leben gerufen hat.

Nachdem die Gaschurnerin aus gesundheitlichen Gründen gezwungen war, beruflich kürzerzutreten, hatte sie die Idee, ihre Leidenschaft für die Handarbeit einem wohltätigen Zweck zugutekommen zu lassen. „Im ersten Jahr habe ich aus Wollresten meiner Schwiegermutter etwa 20 Mützen für das Kinderdorf gestrickt“, erinnert sie sich zurück. Dank der tatkräftigen Unterstützung ihrer eifrigen Strickerinnen knackte sie 2022 einen neuen Rekord. Erstmals konnten über 1000 hilfsbedürftige Menschen mit Mützen und Schals ausgestattet werden. „Bei einigen von ihnen kommt sogar noch ein Paar Socken dazu“, merkt Klinger stolz an.

„Es steckt sehr viel Liebe und Herzblut dahinter“, sind sich die eifrigen „Montafoner Stricklieseln“ einig. Und das sieht man den Produkten nicht nur an, das spürt man auch. „Es ist ein schönes Miteinander von Gleichgesinnten“, sagt Klinger und erntet zustimmendes Kopfnicken. Bei den donnerstäglichen Zusammenkünften in größerer und kleinerer Runde im Heimatmuseum Gaschurn darf der gegenseitige Austausch selbstverständlich nicht fehlen. Die neu entstandenen Mützen, Schals und Socken werden genau begutachtet, kommentiert und Strickmuster ausgetauscht. Es ist ein harmonisches Miteinander, zu dem ab und an auch selbstgemachtes Gebäck mitgebracht wird.

Wollreste gesucht

„Unser Ziel ist es, Menschen, denen es nicht so gut geht, Wärme zu schenken. Außerdem findet Wolle, die irgendwo herumliegt, so ihre endgültige Bestimmung“, sagt die Projektinitiatorin und verknüpft dies gleich mit einem Aufruf. „Wer bei sich zu Hause noch übrige Wollreste hat, kann sich gerne mit mir in Verbindung setzen. Wir sind immer auf der Suche nach Wolle, die verarbeitet werden kann.“

Dass das Wollprojekt inzwischen gewaltige Ausmaße angenommen hat, merkt Klinger in ihrem eigenen Zuhause, in das sie gerne Einblick gewährt. Zwei Zimmer sind voll mit fertigen Produkten. Nach Farben und Größen fein säuberlich geordnet, liegen diese bereit für die Übergabe. Aber das ist noch längst nicht alles. „Im Dachboden habe ich auch noch zwei volle Schränke. Einer ist mit Wolle, der andere mit fertigen Produkten gefüllt“, sagt sie. Allmählich leert sich jedoch das „Lager“ wieder, denn im Herbst ist Übergabezeit. „Die Mützen und Schals gehen unter anderem an das Vorarlberger Kinderdorf, das Haus Bonetti und den Verein ‚Tischlein deck dich‘. Die Socken bekommt der Sunnahof“, zählt Klinger ihre Projektpartner auf.

Wer Freude am Handarbeiten hat und Lust verspürt, bei diesem ­Sozialprojekt mitzumachen, ist herzlich willkommen. „Neben Wollresten sind wir auch immer auf der Suche nach Gleichgesinnten, die unsere Idee unterstützen und weitertragen“, so Klinger abschließend. JS

Hunderte Kappen und Schals sind über das Jahr aus Wollresten entstanden.
Hunderte Kappen und Schals sind über das Jahr aus Wollresten entstanden.

Kontakt: Wollreste gegen kalte Ohren, Sybille Klinger, Tel. 0664 5150058, E-Mail: wollrestegegenkalteohren@gmail.com

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