Heikle Großwetterlage vor der Haustür

Vorarlberg / 20.01.2023 • 18:21 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Extremwetter durch den Klimawandel? Überschwemmungen auf der A14 im Bereich Wolfurt/Lauterach am 19. August 2022.vn
Extremwetter durch den Klimawandel? Überschwemmungen auf der A14 im Bereich Wolfurt/Lauterach am 19. August 2022.vn

Klimaprognosen wackeln. Wärmstes Jahr der Messgeschichte. Temperaturanstieg stärker als erwartet.

SCHWARZACH 2022 war das wärmste Jahr der Messgeschichte: Mit durchschnittlich 11,6 Grad wurde in Bregenz der bisherige Spitzenwert aus dem Jahr 2018 eingestellt, wenn man von gerundeten Werten ausgeht, und minimal übertroffen, wenn man es genau nimmt.

Das Ganze steht im Zeichen der Klimakrise, wie Alexander Orlik von GeoSphere Austria (ehemals Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik, kurz: ZAMG) bestätigt. Der Klimatologe kommt in diesem Zusammenhang zu einem alarmierenden Befund: „Wenn es so weitergeht, müssen die Klimaszenarien umgeschrieben werden.“ Dann fällt der Temperaturanstieg noch massiver aus als ohnehin schon erwartet worden ist.

Es gibt immer wieder extreme Jahre. Schaut man sich die Daten für Bregenz an, die Orlik ausgewertet hat, dann fallen seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1870 aber ein paar Trends auf: In den 110 Jahren bis zum Ende der 1980er Jahre war die durchschnittliche Temperatur nur zwei Mal zweistellig, betrug also zehn Grad oder mehr (1961 und 1988). In den 33 Jahren seither war sie das 21 Mal. In den vergangenen zehn Jahren belief sie sich sogar vier Mal auf elf Grad oder mehr.

Alles in allem ist es hierzulande schon um mehr als zwei Grad wärmer geworden. Im Sommer klettert das Thermometer immer öfter und immer weiter über 30 Grad. Winter werden milder und kürzer. „Was sich seit den 1980er Jahren getan hat, ist besorgniserregend“, sagt Alexander Orlik. Ein Blick auf die Grafik, die die Entwicklung der Temperatur in Bregenz darstellt, zeigt, was er meint: Bis dahin gab es Schwankungen und alles in allem nur eine relativ leichte Erwärmung. Seither geht die Kurve nach oben.

Witterungsverhältnisse

„Auf dem derzeitigen Niveau sollten sich die Werte einpendeln“, so Orlik im Gespräch mit den VN. Sie hätten ohnehin schon stärker zugenommen als global. Ausschlaggebend dafür seien die kontinentale Lage sowie großräumige Einflüsse auf die Witterungsverhältnisse, die zu mehr Sonnenschein und weniger kalten Wintermonaten geführt haben. Hier seien Nord- und Nordostströmungen ausgeblieben, mit denen frostige Temperaturen einhergehen. Entscheidend ist immer der Trend. Ein einzelner Hitzetag ist genauso wenig aussagekräftig wie es einmalige Regengüsse sind. Das hat sich auch im Verlauf des vergangenen Jahres gezeigt. In Summe kamen landesweit bescheidene Niederschlagsmengen zusammen. In Bregenz handelte es sich mit knapp 1700 Litern pro Quadratmeter jedoch um größere. Das Problem: Allein auf den 19. August, als die Landeshauptstadt und ihre Umgebung an einer Katstrophe vorbeischrammten, entfiel ein Achtel davon (212 Liter). Davor und danach war es auch hier immer wieder zu trocken.

Ausreißer gab es 2022 auch bei der Temperatur: Im April und im September war es im Durchschnitt sogar ungewöhnlich kühl. Jänner und März entsprachen einer gewissen Normalität. In allen übrigen Monaten war es jedoch viel wärmer als in den Referenzjahren 1991 bis 2020 im Mittel, im Oktober sogar um 2,9 Grad. JOH

„Wenn es so weitergeht, müssen die Klimaszenarien umgeschrieben werden.“

Heikle Großwetterlage vor der Haustür

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