Aus Walserhaus wird ein Museum

Vorarlberg / 22.01.2023 • 16:59 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Das von der Gemeinde erworbene Objekt (links) wird als Museum adaptiert und bildet mit Kirche und Walserhus (im Hintergrund) ein reizvolles Ensemble.

Das von der Gemeinde erworbene Objekt (links) wird als Museum adaptiert und bildet mit Kirche und Walserhus (im Hintergrund) ein reizvolles Ensemble.

Gemeinde Warth adaptiert derzeit Räumlichkeiten und schafft neues heimatgeschichtliches Juwel.

Warth „Wir sind dabei, ein jahrhundertealtes Walserhaus neben der Kirche in ein besonderes Museum umzuwandeln“, verrät Bürgermeister Stefan Strolz und ermöglicht der VN-Heimat einen ersten Einblick in das neue heimatgeschichtliche Juwel der Gemeinde, in dem natürlich auch dem Warther Olympia-Märchen, für das Wiltrud Drexel vor 50 Jahren die ersten Kapitel schrieb und für das Hubert Strolz und sein Sohn Johannes einzigartige Beiträge leisteten, gebührend Raum gegeben wird.

Ausstellungen in der Schule

Seit vielen Jahren hat die Gemeinde Warth in der ehemaligen Schule, die im Herbst 2011 mangels Schulkindern geschlossen werden musste, Sonderausstellungen initiiert und dabei den Gästen interessante Dokumentationen über Warth und seine Geschichte geboten. Es begann 2014 mit dem Thema „Geheimnis der weißen Kunst – Skigeschichten aus Warth“. Dabei spielte vor allem der legendäre Pfarrer Johann Müller eine zentrale Rolle, denn er hat den Skilauf an den Arlberg gebracht, als er sich in den 1890er- Jahren aus Skandinavien ein Paar Ski schicken ließ, nachts am „Pfarrersbühel“ hinter dem Pfarrhaus übte und sich auf Skitour zu seinem Kollegen in Lech aufmachte.

Legende vom Lawinen Franz-Josef

„Vom alten Leben der Birger – Warther Dorfgeschichten“ folgte ein Jahr später – hier stand ein besonderes Exponat im Fokus: ein Kassabuch von Franz-Josef Mathies, der als „Lawinen Franz-Josef“ zur Legende wurde und viele Jahre lang als Frächter in Lecher Diensten war. Auf einer der Fahrten wurde er am 21. Dezember 1886 verschüttet, und erst nach rund 30 Stunden schwer verletzt gerettet. „Meist wird er als Lecher bezeichnet, in Wirklichkeit ist er jedoch in Warth geboren und aufgewachsen“, stellt Bürgermeister Stefan Strolz einen weitverbreiteten Irrtum richtig. Mathies, 1864 in Warth als Sohn einer kinderreichen Familie am Teschenberg geboren, musste seinen Lebensunterhalt als Fuhrmann in Lech verdienen und starb 1937 in seiner zweiten Heimat Stuben.

Ein Glücksfall für Warth

Rund 70 Fotografien von Franz Beer setzte 2016 die Serie von Ausstellungen fort, später folgte die Warther Schulgeschichte. All diese Ausstellungen hatten einen großen Nachteil: Sie bestanden in der Regel nur ein Jahr, maximal zwei Jahre.

„Es war ein großes Manko, dass sich dann die sorgfältig zusammengestellte Ausstellung wieder auflöste und die Exponate in irgendwelchen Depots oder auf privaten Dachböden verstaubten und so verloren gingen“, nennt Strolz einen großen Nachteil der „Ausstellungen mit Ablaufdatum“.

Das soll sich jetzt ändern, denn die Gemeinde konnte aus Privatbesitz ein altes Walserhaus erwerben und „dort richten wir jetzt ein ständiges Museum ein, das auch Platz für unsere so erfolgreichen Olympioniken hat“, erläutert Bürgermeister Stefan Strolz, Cousin von Olympiasieger Hubert Strolz, bei einem Rundgang durch die Räumlichkeiten, die derzeit nicht nur eingerichtet, sondern auch erforscht werden. „Wir gehen davon aus, dass das Gebäude direkt gegenüber der Pfarrkirche, mindestens 400 Jahre alt ist, wollen das aber von einem Fachmann wissenschaftlich abklären lassen.“ Worauf sich die vorläufige Altersbestimmung stützt? „Das Haus ist Teil eines Ensembles mit Kirche und Walserhus. Die Pfarrkirche wurde 1590 bis 1592 erbaut, beim Walserhus fand sich vor Jahrzehnten bei einer Restaurierung ein Balken mit der Jahreszahl 1605. Das Objekt könnte sogar ursprünglich noch älter sein und wurde möglicherweise 1605 umgebaut“, vermutet Strolz. Vieles im künftigen Museum – etwa ähnlich niedrige Raumhöhen – deutet darauf hin, dass dieses Haus zur gleichen Zeit errichtet worden sein könnte wie das Walserhus. „Wir klären das jetzt wissenschaftlich ab“, will Strolz Spekulationen beenden. stp

Den erfolgreichen Warther Olympioniken Wiltrud Drexel, Hubert und Johannes Strolz ist ein Teil des neuen Warther Museums gewidmet. STP/3

Den erfolgreichen Warther Olympioniken Wiltrud Drexel, Hubert und Johannes Strolz ist ein Teil des neuen Warther Museums gewidmet. STP/3

Stefan und Hubert Strolz mit tierdarmbespannten Schneeschuhen.

Stefan und Hubert Strolz mit tierdarmbespannten Schneeschuhen.

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