Einbruch bei Baubewilligungen

Vorarlberg / 22.01.2023 • 22:18 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Gerade für junge Vorarlberger wird es immer schwerer, Eigentum zu erwerben.VN/Steurer
Gerade für junge Vorarlberger wird es immer schwerer, Eigentum zu erwerben.VN/Steurer

Steigende Zinsen, hohe Baukosten und neue Kreditbestimmungen haben messbare Folgen.

SCHWARZACH „Unsere Vorhersage vom Herbst hat sich als richtig erwiesen“, sagt Wolfgang Amann vom Institut für Immobilien, Bauen und Wohnen: Statistik Austria hat gerade Zahlen zu den Baubewilligungen im 3. Quartal 2022 veröffentlicht. In Vorarlberg ist demnach grünes Licht für die Errichtung von insgesamt 516 Wohneinheiten gegeben worden. Das waren nicht einmal halb sie viele wie im Vergleichszeitraum des Vorjahres und so wenige wie zuletzt Anfang 2011 innerhalb von drei Monaten.

Mehr Eigenmittel

Ein schlagartiger Einbruch ist erwartet worden: Mit 1. August sind verschärfte Kreditvergaberichtlinien in Kraft getreten. So müssen mehr Eigenmittel vorliegen als bisher. Damit sind zwei Effekte einhergegangen, wie Amann bestätigt: Vor Inkrafttreten der neuen Richtlinien wurden noch schnell sehr viele Bauprojekte durchgebracht, danach quasi umso weniger. Alles in allem gibt es jedoch weitere Faktoren, die Einfluss auf die Entwicklungen haben, so Michael Klien vom Wirtschaftsforschungsinstitut WIFO: „Es gibt einen größeren Umschwung.“ Nicht nur hierzulande: In Deutschland sind im August laut Klien keine Regeln verschärft worden, doch auch dort hat es im Jahresverlauf einen Rückgang gegeben. Das zeige, dass mehr dahintersteckt: Steigende Zinsen und hohe Baukosten seien zwei große Faktoren, die ebenfalls in Spiel kommen.

Eigentum rückt in weite Ferne

„Schaffa, schaffa, Hüsle baua“, gilt jetzt erst recht nicht mehr für eine Masse. Zu Eigentum zu kommen, ist noch schwieriger geworden als es aufgrund erheblicher Immobilienpreise ohnehin schon war. „Der Traum vom Eigenheim oder einer anständigen Eigentumswohnung bleibt für viele gerade junge ­Vorarlbergerinnen und Vorarlberger ein solcher“, sagt Amann: „Noch stärker als bisher werden es nur diejenigen schaffen, die kräftige Unterstützung von den Eltern erfahren.“

„Der politische Spielraum, gegenzusteuern, ist in Österreich begrenzt“, analysiert Klien im Gespräch mit den VN: „Sowohl Zinsen als auch Baukosten liegen zu einem großen Teil außerhalb des österreichischen Einflussgebietes.“ Möglich wäre vielleicht „eine gewisse Korrektur“ der Kreditvergaberichtlinien. Amann hält die verschärften Bestimmungen grundsätzlich für gerechtfertigt: „Sie schützen auch die Käufer, indem eine Fremdfinanzierung zu bis zu 100 Prozent unterbunden wird.“ Überschießend sei etwa die Regelung, dass eine „alte“ Eigentumswohnung, die nach Bezug des neuen Heims verkauft werden soll, nicht als Eigenkapital berücksichtigt wird.

Besonders ÖVP-Bundes- und Landespolitiker fordern neben einer Lockerung der Richtlinien die Abschaffung der Grunderwerbsteuer. Auf dem Weg zu Eigentum würden damit Kosten wegfallen. Klien sieht das als Beitrag zu einer „eher grundsätzlichen Diskussion, inwiefern man Grund und Boden oder Vermögen überhaupt besteuern mag“. Im Sinne von OECD-Empfehlungen denkbar wäre etwa auch ein „Abtausch“, wonach im Gegenzug die Grundsteuer erhöht werden würde. Das könnte laut Klien dazu führen, dass mit Grund und Boden sparsamer umgegangen wird und so mehr für Wohnbautätigkeiten übrigbleibt. joh

„Der Traum vom Eigenheim bleibt für viele, gerade junge, Vorarlberger ein solcher.“

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