“Das war der Winter unseres Lebens”

Vorarlberg / 23.01.2023 • 16:30 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Ulrich Troy (l.) oder Reinhold Bilgeri haben ganz spezielle Erinnerungen an frühere Winter.
Ulrich Troy (l.) oder Reinhold Bilgeri haben ganz spezielle Erinnerungen an frühere Winter.

Prominente Vorarlberger blicken zurück und berichten vom Winter ihres Lebens.

Dornbirn Schnee war in diesem Winter bislang Mangelware, viele Pisten blieben grün und machten Wintersportfans einen Strich durch die Rechnung. Jetzt ist der Schnee endlich da und auch tiefere Lagen wurden in den vergangenen Tagen in ein weißes Winterkleid gehüllt.

Dass es ein Winter wie in alten Zeiten wird, bezweifeln Meteorologen, denn in den letzten Jahrzehnten hat sich ein Trend hin zu wärmeren Wintern mit weniger Schnee beobachten lassen. Ein guter Grund, zurückzublicken und Erinnerungen an alte Zeiten hochleben zu lassen. Die VN haben sich bei prominenten Vorarlbergern umgehört und nach dem Winter ihres Lebens gefragt.

Sabine Tichy-Treimel als Neunjährige beim Zizile-Rennen auf Stockerlplatz drei im Jahr  1978.
Sabine Tichy-Treimel als Neunjährige beim Zizile-Rennen auf Stockerlplatz drei im Jahr 1978.
"Unsere Eltern waren begeisterte Skifahrer, und so ging es jede freie Minute auf die Skipisten ins Brandnertal", erinnert sich Sabine Tichy-Treimel.
"Unsere Eltern waren begeisterte Skifahrer, und so ging es jede freie Minute auf die Skipisten ins Brandnertal", erinnert sich Sabine Tichy-Treimel.

Messe-Chefin Sabine Tichy-Treimel (53) hat nur schöne Erinnerungen an vergangene Winter. “In unserer Kindheit gab es im Winter immer in St. Corneli, Feldkirch, das beliebte Zizile-Rennen vom Skiverein Tosters. Der Hang musste getrippelt werden, Lift gab es keinen, unser Papa trainierte mit uns dafür”, erinnert sie sich. Sie selbst schaffte es ebenfalls aufs Podest: “Das war großartig und immer wieder ein großes Winterspektakel.” Skifahren war für Treimel in der Kindheit immer das Schönste in den Weihnachtsferien. “Unsere Eltern waren selber begeisterte Skifahrer, und so ging es jede freie Minute auf die Skipisten ins Brandnertal. Auch beruflich habe sie dann von 1996 bis 2007 der Skisport fasziniert. “So konnte ich in der Agentur WWP Skiweltcupluft schnuppern und viele Skistars persönlich kennen lernen, wie Luc Alphand.”

Ulli Troy am Schwandlift in Riezlern, Kleinwalsertal.<br> 
Ulli Troy am Schwandlift in Riezlern, Kleinwalsertal.
 
"Das war der Winter unseres Lebens"
Ulrich Troy hegt bis heute eine Leidenschaft für den Skisport.

Schon als kleines Kind stand Ulli Troy (69) auf Skiern und hat seinen Idolen nachgeeifert. “Es war Ende der 50er, bzw. Anfang der 60er-Jahre, als ich auf Nachbars Wiese eine Rennspur getrippelt habe und die Skirennen, die im Fernsehen liefen, nachgefahren bin”, schwelgt der Musiker in Erinnerungen. Um sich mit den Skistars zu messen hat der Bregenzerwälder die Rennzeit mitgezählt. “Gewonnen hat, spätestens im zweiten Durchgang, letztendlich immer ein Österreicher wie Ernst Hinterseer, Andi Molterer, Egon Zimmermann, Gerhard Nenning oder Pepi Stiegler ganz knapp vor Jean Claude Killy oder Roger Staub.” Bis heute hegt Ulli Troy eine Leidenschaft für den Skisport, auch wenn er es jetzt gemächlicher angeht. “Seit der Pension habe ich den 3-Tälerpass und nütze ihn auch ,ghörig’ aus.”

Reinhold Bilgeri sehnte sich bei den Dreharbeiten zu "Der Atem des Himmels" den Schnee herbei.
Reinhold Bilgeri sehnte sich bei den Dreharbeiten zu "Der Atem des Himmels" den Schnee herbei.

Der Winter 2009/10 wird Filmemacher Reinhold Bilgeri ewig in Erinnerung behalten. “Es war zunächst mal gar kein Winter, dabei hätten wir ihn so nötig für die Dreharbeiten von ,Der Atem des Himmels’ gebraucht”, berichtet der 72-Jährige. “Wir hatten kein Budget mehr nach dem Sommerdreh und keinen Schnee für die Winterszenen. Alles grün. Verzweiflung. Der Wettergott hatte uns einen perfekten Sommer geschenkt wie damals 1953, aber der Winter hatte uns gefuchst wie er’s heute tut. Wir mussten damals beten und betteln um Budget und Schnee und das Wunder geschah. Der Rest ist Geschichte.”

Gabriela Rickli-Gerster hat bis heute weder den Winter noch den Wintersport so richtig liebgewonnen.
Gabriela Rickli-Gerster hat bis heute weder den Winter noch den Wintersport so richtig liebgewonnen.
Gabriela Rickli-Gerster erinnert sich noch gut an ihre ersten Schwünge im Schnee.
Gabriela Rickli-Gerster erinnert sich noch gut an ihre ersten Schwünge im Schnee.

“Ich muss sieben oder acht Jahre alt gewesen sein, als mein Vater ankündigte, dass wir für einen Winterurlaub nach Gargellen fahren”, erzählt Model Gabriela Rickli-Gerster (68). Vorfreude kam bei ihr jedoch keine auf. “Omas Wollstrumpfhosen kratzten wie Glaswolle und sie schenkten mir keine Wärme, weil sie immer zu klein gekauft wurden. Meine Füße fühlten sich daher während des ganzen Winterurlaubs taub, eiskalt und nass an”, erzählt sie. Schlussendlich ging Gabriela Rickli-Gerster dem Skilehrer auf der frisch verschneiten Piste auch noch verloren. “Da stand ich nun, in dichten Nebel eingehüllt und wimmernd vor Angst, weil mein Ruf nach Hilfe vom Nebel komplett verschluckt wurde.” Jahre später, als sie ihr eigenes Geld verdiente und sich eine neue, passende Skiausrüstung mit gut sitzendem Schuhwerk leisten konnte, fand Rickli-Gerster dann für ein paar Jahre trotzdem noch Spaß am Skisport. “Aber richtig liebgewonnen habe ich bis heute weder den Winter noch den Wintersport.”

Künstler Marco Spitzar und Julius Fink in Schwarzach.
Künstler Marco Spitzar und Julius Fink in Schwarzach.

“Wir haben großes Glück und dürfen sehr dankbar dafür sein, wenn unsere Kinder noch Skifahren lernen dürfen”, sagt Künstler Marco Spitzar. Zugänge zur Natur, zur frischen Luft, zur spielerischen Bewegung seien ein Zeichen und Möglichkeiten für ein selbstbestimmtes Leben. Spitzar erinnert sich gerne an den Winter vor zwei Jahren. “Meine Kinder haben die Fantasie einer Eisbar auf unserem Garagendach ausgelebt”, erzählt der 58-Jährige. “Ich persönlich möchte nicht in der Historie schwelgen, sondern die Hoffnung haben, die Schönheit unserer Jahreszeiten zu genießen. Versuchen wir, unsere kleinen Beiträge dafür zu leisten.”

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