Nach Baustopp: Brückenteile sind im Anflug

Vorarlberg / 23.01.2023 • 18:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Seit dem Abriss der alten Brücke wird der Verkehr über eine Behelfsbrücke geführt. Die Fundamente für die neue Brücke wurden bereits im Vorjahr betoniert. <span class="copyright">VN/Paulitsch </span>
Seit dem Abriss der alten Brücke wird der Verkehr über eine Behelfsbrücke geführt. Die Fundamente für die neue Brücke wurden bereits im Vorjahr betoniert. VN/Paulitsch

In Kürze sollen die Bauarbeiter wieder an der Grenzbrücke zwischen Hörbranz und Lindau aufschlagen.

Hörbranz, Kempten Seit bald vier Monaten geht auf der Brückenbaustelle am Grenzübergang Unterhochsteg nichts mehr. Die Bauarbeiten wurden im Oktober aufgrund von Lieferschwierigkeiten beim Stahl eingestellt. Lange war nicht klar, wann die Arbeiten weitergeführt werden können.

Mittlerweile steht fest: „Wir werden Ende Februar weitermachen. Die Fertigstellung soll noch vor den Sommerferien Ende Juli erfolgen“, berichtet Christian Hocke, Leiter der Abteilung Konstruktiver Ingenieurbau beim Staatlichen Bauamt Kempten.

Christian Hocke ist Leiter der Abteilung Konstruktiver Ingenieurbau beim Staatlichen Bauamt Kempten. <span class="copyright">Vol.at/Dünser</span>
Christian Hocke ist Leiter der Abteilung Konstruktiver Ingenieurbau beim Staatlichen Bauamt Kempten. Vol.at/Dünser
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Der Osterverkehr im Jahr 1959 über die Grenzbrücke zwischen Hörbranz und Lindau. Oskar Spang/Stadtarchiv Bregenz
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Diese Aufnahme stammt aus dem Jahr 1960.

Die alte Brücke aus dem Jahr 1950 wurde im Juni 2022 abgerissen. Sie war marode und wies zuletzt so starke Beschädigungen auf, dass die Standsicherheit gefährdet war. Im Juni 2018 ließ das Bauamt Kempten daher Notstützen einbauen, die im Falle eines Versagens des Überbaus einen kompletten Einsturz vermeiden sollten.

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Grenzkontrolle im Jahr 1974. Helmut Klapper/Vorarlberger Landesbibliothek
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Grenzkontrolle im Jahr 1974. Helmut Klapper/Vorarlberger Landesbibliothek

Vertrag aus 1844

Seit dem Abriss wird der Verkehr über eine Behelfsbrücke geführt. Bei der neuen Brücke handelt es sich um eine Stahlbrücke. Die dafür benötigten 160 Tonnen Stahl werden in Polen geschnitten und geschweißt. Demnächst sollen die insgesamt vier Teile mit vier Sondertransporten nach Lindau kommen. Da die neue Grenzbrücke auf beiden Seiten über einen Geh- und Radweg verfügt, ist sie 6,20 Meter breiter als das Vorgängermodell.

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Die Grenzbrücke in Unterhochsteg im Jahr 1971. Oskar Spang/Stadtarchiv Bregen

Ursprünglich hätte das Projekt Ende 2020 fertiggestellt sein sollen. Eine Vereinbarung aus dem Jahr 1844 sorgte allerdings für erste Verzögerungen. In dem sogenannten Grenzberichtigungsvertrag hatten Kaiser Ferdinand I. von Österreich und König Ludwig I. von Bayern festgelegt, dass Bayern für die Brücke in Unterhochsteg und Vorarlberg für jene in Oberhochsteg verantwortlich ist.

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So soll die neue Brücke aussehen. Bauamt Kempten Sie ist 16,6 Meter breit und 28, 6 Meter lang.
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Die Behelfsbrücke wurde Anfang Mai 2022 eingehoben. Bauamt Kempten
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Die Behelfsbrücke wurde Anfang Mai 2022 eingehoben. Bauamt Kempten

Der Freistaat Bayern wollte den Vertrag neu verhandeln, mit dem Ziel, dass Vorarlberg künftig je zur Hälfte für die beiden Grenzbrücken aufkommt und der Landkreis Lindau an der Finanzierung beteiligt wird. Begründet wurde das vom Bauamt damit, dass Bayern auf der bayerischen Seite überhaupt keine Brücken mehr hat. Sprich: An die Brücke in Oberhochsteg führt eine Kreisstraße, an die sanierungsbedürftige Brücke in Unterhochsteg eine Bundesstraße. 2021 einigte man sich schließlich darauf, dass die Bundesrepublik Deutschland die Kosten für den Neubau übernimmt.

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1972 trafen sich der Vorarlberger Landeshauptmann Herbert Keßler und der bayerische Ministerpräsident Alfons Goppel auf der Brücke zwischen Hörbranz und Lindau.

Apropos Kosten: Die Brücke wird deutlich teurer als geplant. Zum einen hat laut Hocke nur eine Baufirma ein Angebot abgegeben, zum anderen sind die Baupreise zwischen 2020 und Ende 2021 massiv gestiegen. Am Ende wurde der Auftrag um 4,5 Millionen Euro statt den prognostizierten 3,5 Millionen Euro vergeben. „Das war eine richtig krasse Kostensteigerung, die wir so nicht kalkuliert hatten“, sagt der Leiter der Abteilung Konstruktiver Ingenieurbau, der vorbehaltlich der noch laufenden Verhandlungen davon ausgeht, dass das Projekt am Ende noch teurer wird.  

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Der Grenzberichtigungsvertrag aus dem Jahr 1844.
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