Wolfgang macht da Schnabel uff

Vorarlberg / 23.01.2023 • 15:30 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Schon das Schimpfwörterbuch erschien beim Verlag edition v.
Schon das Schimpfwörterbuch erschien beim Verlag edition v.

Wolfgang Berchtold (67) hat 6330 Redensarten, Sprichwörter und Sprüche aus dem Ländle gesammelt.

Götzis In Vorarlberg wird gerne geschimpft – oder „geschumpfen“ wie es im Ländle umgangssprachlich heißt. Welche Kraftausdrücke und andere Wörter dabei alles verwendet werden, hat Wolfgang Berchtold im Oktober 2019 mit der Publizierung des „Vorarlberger Schimpfwörterbuches“ aufgezeigt. Das Lexikon wurde zum Ländle-Beststeller.

Wolfgang macht da Schnabel uff
Wolfgang Berchtold präsentierte „Das Vorarlberger Sprichwörterbuch“ im ORF-Landesstudio Vorarlberg.

Doch für den pensionierten Lehrer war das nicht genug. Die letzten drei Jahre hat er sich erneut mit den Eigenheiten der „Gsiberger und Gsibergerinnen“ auseinandergesetzt und 6330 Redensarten, Sprichwörter und geflügelte Worte gesammelt. Das Ergebnis ist „Das Vorarlberger Sprichwörterbuch“, das sich unmittelbar auf Platz drei der heimischen Bestsellerliste – ermittelt von Das Buch – katapultierte.

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Der Dialekt-Kenner hat dafür akribisch gearbeitet. „Denn es ist nicht viel dagewesen“, erklärt er seinen riesigen Aufwand. Nicht nur solche Idiome, die vor langer Zeit entstanden sind und eine lange, spannende Rezeptionsgeschichte mit sich tragen, hat der 67-Jährige zusammengetragen, sondern auch Neues findet Einzug in das 380 Seiten zählende Werk, erschienen bei edition v. „Ich habe mit rund 140 Jugendlichen gesprochen und so sind noch mal über 200 Sprüche dazugekommen.“

Wolfgang macht da Schnabel uff
Seit Jahrzehnten ist Wolfgang Berchtold die Stimme des Mösle-Mehrkampf-Meetings. SIE (1), VN, Berchtold

Sprüche sind für den ehemaligen Götzner Vizebürgermeister und langjährigen Stadionsprechers des bekannten Mösle-Mehrkampf-Meetings sehr interessant, weil sie ein Panorama der Kultur darstellen. Zumal in Vorarlberg insgesamt zwölf unterschiedliche Dialekträume entstanden sind.

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Einem Lexikon gleich hat der Autor das Sprichwörtliche von A bis Z übersichtlich dokumentiert. Einiges stammt aus dem Volksmund, viele Sprüche aus dem deutschsprachigen Raum wiederum wurden im Laufe der Zeit ins „Ländle-Dütsch“ adaptiert oder an Vorarlberger Gegebenheiten angepasst.

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„Däne hond‘s Höö oo vor am Omet iitoo“, nennt er solch ein Beispiel. Ins Hochdeutsch übersetzt bedeutet dies. „Die haben das Heu auch vor dem Omet eingebracht“, was sprichwörtlich dafür steht, dass es eine Schwangerschaft vor der Hochzeit gab. Der Spruch macht es notwendig, dass man den nur in Vorarlberg spezifischen Ausdruck Omet kennt. Er steht für den zweiten Heuschnitt. Vielen wird der Begriff nicht mehr bekannt sein. Für den pensionierten Lehrer macht das deutlich, wie sehr sich die Alltagssprache in den letzten 200 Jahren verändert hat. „Meine Frau und ich sagen zu ‚hat‘ im Dialekt ‚het‘“, erzählt er schmunzelnd. „Wenn meine Kinder ‚hot‘ sagen, erschrecke ich fast a kläle.“

Wolfgang macht da Schnabel uff
Wolfgang Berchtold ist der einzige Götzner, der beim Mösle Meeting startberechtigt war. 1977 erreichte er mit 7048 Punkten den 13. Rang.

Der Bogen im Sprichwörterbuch spannt sich von flotten Sprüchen bis zu traditionellen Redensarten und zeigt die witzige, aber auch hintergründige Seite als originelles Phänomen der Alltagssprache. „Es hat mir viel Spaß gemacht, mich mit Redensarten, Sprichwörtern und geflügelten Worten Vorarlbergs auseinanderzusetzen“, sagt Berchtold und hofft: „Vielleicht gelingt es mit dieser Publikation, den einen oder anderen originellen Spruch zu reaktivieren und der Vorarlberger Bevölkerung wieder in den Mund zu legen.“ CRO

Zur Person

Wolfgang Berchtold

Geboren 1955

Wohnort Götzis

Familie verheiratet, zwei Kinder, drei Enkelkinder

Studium Germanistik und Sport

Beruf AHS-Lehrer (in Pension)

Hobbys Spazieren, Lesen, Ballspiele, Regionalgeschichte und Mundart; Sport: Zehnkämpfer (Leichtathletik)

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