Wo ein Uhu die Gäste begrüßte

Hegeschau in Kennelbach beeindruckte zahlreiche Kinder und viele Fachleute.
Kennelbach Wenn Besucherinnen und Besucher von einem lebenden Uhu empfangen werden, handelt es sich wohl um eine besondere Veranstaltung. Vor dem Schindlersaal in Kennelbach jedenfalls rollte Uhu Many seine großen Augen. Er ist so etwas wie das Maskottchen der Hegeschau, die jährlich in jedem Bezirk des Landes stattfindet.
Mit der Ausstellung der Trophäen belegen die Jägerinnen und Jäger, ob sie den Abschussplan erfüllt haben. Zudem erfolgt die Beurteilung der Geweihe und Hörner. Es sollen keine zu jungen Hirsche erlegt werden, auch bei anderem Wild gilt es, eine gute Auswahl zu treffen. Es mangelt an natürlichen Feinden und der Lebensraum für Wildtiere wird reduziert. Hier greift der Mensch regulierend ein.
Etliche der lange verschwundenen Raubtiere sind inzwischen wieder im Land anzutreffen. Eine Sonderschau präsentierte deshalb Wolf und Luchs, ebenso den Steinadler und anderes Raubwild. Das fand bei den jungen Besuchern besonderen Anklang.
Hörner und Geweihe
Zudem ist eine Hegeschau auch ein echtes Erlebnis, besonders für jugendliche Besucher. „Für uns ist das ein interessanter Ausflug mit den Kindern“, meint eine Lehrerin aus Andelsbuch. Die Volksschüler lauschen den Erläuterungen durch Walter Maurer ziemlich konzentriert, der ausgebildete Jäger weiß interessant zu erzählen. Sie lernen beispielsweise, dass Hörner wie etwa bei Gams und Steinbock bleiben, Geweihe hingegen werden abgeworfen und wachsen neu nach. Staunend wird auch dem Tierstimmenimitator Johann Rüf gelauscht, der die Laute des Rotwilds ebenso zu Gehör bringt wie Vogelrufe.
Natalie Ronacher, Kindergartenpädagogin in Schwarzach, freut sich, wie viel ihre Kinder beim Besuch der Hegeschau noch über Wild und Wald wissen. Kein Wunder: Natalie ist Jungjägerin und hat die Gruppe vor dem Abstecher nach Kennelbach vorbereitet. Die Jagdleidenschaft der jungen Frau hat ihr Vater geweckt, ein aktiver Tierpräparator.
Dessen Kollege Hubert Ratz aus Bezau erläutert im Schindlersaal in Kennelbach allen eindrucksvoll, wie aus einem erlegten oder verunfallten Tier ein Präparat wird, das sehr lebendig wirkt. Ob die inatura Dornbirn, Jäger oder andere Kunden wie Schulen – er ist ausgelastet und stellt mit berechtigtem Stolz die Murmeltierfamilie, den Kopf des Ebers und etliche weitere Tierpräparate vor.
1260 Trophäen
Die Hegeschau im Schindlersaal ist voll mit interessanten Objekten. Für die Organisation ist seit 25 Jahren Hubert Sinnstein aus Langen hauptverantwortlich. Er hat sie gezählt und weiß: Heuer wurden exakt 1260 Trophäen abgegeben und präsentiert. „Es gab noch mehr Anmeldungen, aber dafür reichte der Platz nicht mehr. Die kommen dann im kommenden Jahr zum Zug.“
Im Bezirk Bregenz sind 162 Jagdgebiete ausgewiesen und 1049 Jagdkarten ausgegeben. Jagdschutzorgane, Jagdpächter und andere Beteiligte kümmern sich um ein ausgewogenes Nebeneinander von Wild, Wald und Mensch.
Uhu Many fliegt nicht
Weshalb Uhu Many nicht in einem Wald von Ast zu Ast gleitet oder sich dort nachts auf seine Beute stürzt, erläutert sein Besitzer, Hegemeister Dietmar Schneider. „Der Many stammt aus einer Zuchtstation in Deutschland, wo Uhus zum Auswildern ausgebrütet werden. Der Many hatte aber eine verkümmerte Schwinge, er hätte in freier Wildbahn nicht überlebt. Ich habe ihn vor 35 Jahren zu mir genommen.“ Jetzt arbeitet Many als Lockvogel bei der Krähenjagd. Damit diese lästigen Vögel nicht überhand nehmen, müssen sie bejagt werden. Sitzt Uhu Many in der Nähe, wollen die Krähen ihren Feind vertreiben. Sie sammeln sich, sitzen irgendwo und beschimpfen ihn. Dann sind sie für Dietmar Schneider einfacher zu erlegen. „So kommt der Many auch zu seinem Futter, er frisst alle zwei Tage so eine Krähe.“ Die Verpflegung im Schindlersaal übertragen die Jäger jährlich einem Kennelbacher Verein. Heuer sorgte der FC Kennelbach für die Gäste. Im Rahmen der Hegeschau fand auch die Bezirksversammlung der Weidmänner und -frauen und ein Kameradschaftsabend statt. AJK

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