Nicht mehr legale Droge: Warum ein CBD-Händler das HHC-Verbot feiert

Gesund / 22.03.2023 • 11:31 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Nicht mehr legale Droge: Warum ein CBD-Händler das HHC-Verbot feiert
Daniel Feurstein begrüßt das angekündigte Verbot von HHC. APA, VN/STiplovsek

HHC war bis Donnerstag der legale Cousin von THC. Ab Donnerstag ist der Handel des Cannabinoids als psychoaktive Substanz verboten. Bei Hanafsan freut man sich.

Götzis, Wien Mit Donnerstag ist die Herstellung von und Handel mit Hexahydrocannabinol (HHC) verboten. Das halbsynthetische Cannabinoid wird damit dem bekannteren THC gleichgestellt.

Nicht mehr legale Droge: Warum ein CBD-Händler das HHC-Verbot feiert
HHC-Produkte im Onlineshop eines Vorarlberger Anbieters. Screenshot

Während HHC in der breiten Öffentlichkeit bisher ein Schattendasein fristete, ist es in gewissen Kreisen und unter Jugendlichen recht beliebt. HHC kommt natürlich in verschwindend kleinen Konzentrationen in der Hanfpflanze vor und hat ähnlich psychoaktive Wirkungen wie THC. Direkt aus der Cannabispflanze gewonnen fiel es bereits bislang unter das Suchtmittelgesetz und war daher illegal. Synthetisch im Labor nachgebaut fiel es bislang jedoch nicht unter die Verordnung über neue psychoaktive Substanzen. Kritiker fürchten, dass es in starker Dosierung zu ähnlichen Risiken führen kann. Bei synthetischen, im Vergleich zur Pflanze hochkonzentriertem THC, gab es bereits nachgewiesen signifikante Gesundheitsrisiken und Todesfälle. Es fehlen aber noch verlässliche Studien zu HHC.

Legal high

Als sogenanntes “Legal High” hatte es für Händler den Vorteil, dass es an THC-interessierte Kunden als legaler Ersatz mit vergleichbarer Wirkung verkauft werden konnte. Es war damit oft einfacher erhältlich als andere Rauschmittel. Auch in Vorarlberg gibt es Bonbons und Harz mit teilweise hohen Konzentrationen von HHC zu erwerben.

Was ist was

THC, CBD und HHC kommen natürlich in verschieden starken Konzentrationen in Cannabis vor. Sie allen sind Cannabinoide, die in der medizinischen Behandlung gerade von Multiper Skerlose oder als Ergänzung zu Chemotherapien eine Rolle einnehmen können. Cannabinoide könne auch synthetisch im Labor hergestellt werden. Sie haben jedoch unterschiedliche Wirkungen.

Cannabis wird aus den weiblichen Blüten der Hanfpflanze gewonnen. Die Herstellung und Verkauf ist nur durch das staatliche Monopol gestattet, ansonsten illegal. Der Besitz und Konsum geringer Mengen hingegen ist zum Schutz des Konsumenten grundsätzlich straffrei.

Marihuana sind die getrockneten Blüten der weiblichen Hanfpflanze. Nur weibliche Pflanzen produzieren THC.

Haschisch ist getrocketes Harz der weiblichen Cannabispflanze. Marihuana und Haschisch werden vor allem rauchend konsumiert.

THC (Tetrahydrocannabinol) ist psychoaktiv, dies bedeutet es sorgt für Rauschzustände. In Marihuana aus dafür hochgezüchteten Pflanzen kommt es in Konzentrationen von drei bis 22 Prozent vor. Der Konsum macht “high”, verbessert die Stimmung, mindert die Verkehrseignung und kann zu Panik führen und Paranoia begünstigen. Synthetisches THC wird mit Todesfälle durch Kreislaufversagen in Zusammenhang gebracht.

HHC (Hexahydrocannabinol) kommt in Cannabis in so kleinen Mengen vor, dass es lange als rein synthetisches Cannabinoid galt. Seine berauschende Wirkung ist sehr vergleichbar mit THC.

CBD (Cannabidiol) vereint die meisten medizinisch relevanten Vorteile von Cannabinoide auf sich. Da es nicht psychoaktiv wirkt, gibt es auch kein Rauschempfinden. Es macht bis zu 40 Prozent des Pflanzenextrakts aus. CBD-Produkte frei von THC (und künftig auch HHC) werden daher als Nahrungsergänzungsmittel, Öle etc verkauft.

Nicht so bei Hanafsan. “Wir sind sehr froh über das Verbot, das brennt uns seit einem Dreivierteljahr unter den Fingern”, betont Hanafsan-Chef Daniel Feurstein. Die Probleme beginnen bei der Erzeugung: Für die Produktion von HHC benötigt man THC. “Meines Erachtens kann kein Hersteller HHC in solchen Konzentrationen herstellen, ohne sich in einem illegalen Bereich zu bewegen”, erklärt Feurstein. “Andererseits machen wir uns selbst unglaubwürdig, wenn wir es angeboten hätten”, weiß Feurstein. Er und sein Unternehmen kämpfen seit Jahren für eine Anerkennung der medizinischen Wirkung von CBD, das keine psychoaktive Wirkung hat. Für THC sieht Feurstein nur einen Platz, wenn es unter dem medizinischen Monopol der AGES (Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit) oder lizenzierter Hersteller liegt und vom Arzt kontrolliert angewendet wird und nicht im freien Handel, wo sich HHC bis heute bewegte.

Daniel Feurstein sieht das Verbot des HHC-Handels als Erfolg. <span class="copyright">Hanafsan</span>
Daniel Feurstein sieht das Verbot des HHC-Handels als Erfolg. Hanafsan

Zum legalen Graubereich der Herstellung kommen die denkbaren gesundheitlichen Risiken hinzu, warnt Feurstein. “Ich selbst habe vor einem Dreivierteljahr selbst Kontakt mit der AGES aufgenommen, eben weil ich hier Probleme sah”, erklärt Feurstein. Da bekannt ist, dass die psychoaktiven Wirkstoffe der Hanfpflanze in Österreich unerwünscht sind, war ein Verbot von HHC für Feurstein absehbar. “Es gehört reguliert”, betont Feurstein. “So wie auch THC und zu einem gewissen Ausmaß auch Alkohol und Nikotin reguliert sind.”

Konsum bleibt straffrei

Das Gesundheitsministerium gab das Verbot des HHC-Handels am Mittwoch bekannt, einen Tag vor dem Inkrafttreten der neuen Verordnung. “Synthetisch hergestellte HHC-Produkte werden in Österreich immer öfter konsumiert und vermarktet. Mögliche gesundheitliche Kurz- oder Langzeitfolgen sind aber weiterhin unbekannt. Als neue Psychoaktive Substanz wird die Herstellung sowie der Handel von synthetisch hergestelltem HHC verboten, bis wir ausreichend Erkenntnisse über die gesundheitlichen Folgen haben”, so Gesundheitsminister Johannes Rauch. Er sieht einen europäischen Trend zur Einschränkung des HHC-Handels. Besitz und Konsum sollen in Österreich hingegen straffrei bleiben.

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