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Vorarlberg / 24.03.2023 • 20:27 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Am 3. September 2021 zog Regis Mushunje ins Langener Pfarramt ein. HRJ
Am 3. September 2021 zog Regis Mushunje ins Langener Pfarramt ein. HRJ

Warum Pater Regis Mushunje ausgerechnet in Langen gelandet ist.

LANGEN Für Regis Mushunje war Langen irgendein Dorf weit weg in Europa. „Dass ich eines Tages in diesem Dorf als Priester tätig sein werde, hätte ich mir früher nie vorstellen können“, sagt der 51-jährige aus Simbabwe stammende Geistliche, der seit 2021 in Langen lebt und im Jahr darauf Leiter des Pfarrverbands Doren-Langen-Sulzberg-Thal sowie Vorsitzender des Pfarrgemeinde- und Kirchenrats in den vier Pfarren wurde.

Geboren in Rhodesien

Bevor Mushunje nach Österreich kam, hat er in mehreren Ländern residiert, in denen er mit verschiedenen Kulturen und Sprachen konfrontiert wurde. Wie er ausgerechnet in der Vorarlberger 1500-Seelen-Gemeinde gelandet ist, erzählt er an einem sonnigen Nachmittag im Gemeinschaftsraum des Langener Pfarramts.

„Ich wurde 1971 als drittes von sechs Kindern in eine katholische Familie in der Stadt Gokwe hineingeboren“, beginnt er. Aufgewachsen ist Mushunje, der dem Volk der Shona angehört, in der rund 140 Kilometer von Gokwe entfernten Stadt Kwekwe.

Zu dieser Zeit heißt der unter britischer Kolonialherrschaft stehende Staat im Süden Afrikas noch Rhodesien. Als das Land 1980 unabhängig und in Simbabwe umbenannt wird, ist Mushunje neun Jahre alt und Grundschüler. Er absolviert das Gymnasium, dann die Hochschule für Erziehungswissenschaften. Als Jugendlicher ist er in katholischen Jugendgruppen aktiv, denn er hegt schon damals den Wunsch, Priester zu werden. Der Wunsch wird stärker, als Papst Johannes Paul II. 1988 Simbabwe besucht. Mushunje, 17 geworden, ist fasziniert von der Stimmung, die das Oberhaupt der katholischen Kirche in Simbabwe verbreitet: „Dieses Ereignis hatte den größten Einfluss auf meine Entscheidung, den Priesterberuf zu ergreifen.“ Doch zuvor unterrichtet er als Lehrer zwei Jahre in der Sekundärschule eines Dorfes außerhalb von Kwekwe Mathematik und Technisches Zeichnen.

1996 tritt Mushunje der Kongregation der Missionare von Mariannhill (CMM) bei. Im Jahr darauf wird er Novize in deren Kloster in Südafrika. In dieser Zeit lernt er die Geschichte des Klostergründers Franz Pfanner (1825–1909) kennen. Pfanner, ein gebürtiger Langener, war Trappist und ließ das Kloster 1882 nahe der Stadt Durban bauen. Sitz der Mariannhiller Missionare wurde es 1909. An Abt Franz Pfanner beeindrucken den jungen Novizen „vor allem sein Mut, neue Wege zu gehen“.

Priesterweihe 2005

Im Anschluss an das Noviziat studiert Mushunje in Südafrika Philosophie, daraufhin in Kenia Theologie. Nach der Priesterweihe 2005 wird er als Missionar in Botswana eingesetzt. Fünf Jahre später zieht er nach Rom, um dort das vierjährige Bibelwissenschaftsstudium aufzunehmen. Zwischendurch legt er ein Semester Bibelstudium an der Hebron Universität in Jerusalem ein.

Danach möchte Regis Mushunje nach Afrika zurückkehren, „aber die Generalleitung in Rom hatte andere Pläne mit mir“. Er wird nach Deutschland gesendet, nach Würzburg. „Ich musste mich völlig neu orientieren. Einfach war das nicht“, gesteht er. Besonders das Erlernen der deutschen Sprache macht ihm zu schaffen: „Das war schrecklich schwer.“

In Würzburg zelebriert Mushunje Messen, hilft in Pfarreien aus, studiert Neutestamentliche Exegese, promoviert 2020. „Eines Tages fragte mich die Würzburger Provinzleitung, ob ich mir vorstellen kann, nach Langen zu gehen – in Franz Pfanners Geburtsort“, erzählt Mushunje. „Ich sagte sofort Ja!“ So zieht er am 3. September 2021 ins Langener Pfarramt ein.

Unsanftes Erwachen

Vom Ankunftstag in Langen ist dem Priester ein „unsanftes Erwachen“ in Erinnerung geblieben. „Ich dachte, die Menschen hier sprechen Deutsch.“ Er meint Schriftdeutsch, wie in Würzburg. „Aber so war das nicht. Hier redet man Dialekt.“ Demnach habe er am Anfang vieles nicht verstanden. „Aber jetzt verstehe ich fast alles.“

Er fühlt sich wohl hier, betont er. Dazu trägt vor allem das Gemeinschaftsgefühl im Dorf bei. Mushunje gefällt etwa, „dass sich nach der Messe die Leute vor der Kirche versammeln und man miteinander redet“. Besonders wichtig ist ihm die Seelsorge, so wie sie in seiner Heimat gepflegt wird: „In Simbabwe gehören Familienbesuche zum Alltag eines Priesters“, erklärt er. „Das mache ich auch hier.“

Heimweh? „Ein bisschen“, bekennt er. „Aber ich habe viel Kontakt mit meiner Familie.“ Auf die Frage, wie lange er hierbleiben werde, antwortet er mit einem Lächeln: „Auf unbestimmte Zeit.“

„Ich dachte, die Menschen hier sprechen Deutsch. Aber so war das nicht.“

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