„Auch in Vorarlberg brodelt es“

Vorarlberg / 02.05.2023 • 05:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Im Jahr 2022 wurden im Land gerade einmal 2675 Wohnungen genehmigt. <span class="copyright">VN/Steurer</span>
Im Jahr 2022 wurden im Land gerade einmal 2675 Wohnungen genehmigt. VN/Steurer

Weniger Wohnbauprojekte: Experte rechnet mit weiteren Mietpreissteigerungen.

SCHWARZACH In Vorarlberg werden immer weniger Wohnbauprojekte angegangen. Im vierten Quartal des vergangenen Jahres wurden nur noch 471 Wohnungen genehmigt. Das waren so wenige wie schon lange nicht mehr. Insgesamt kamen von Jänner bis Dezember gerade einmal 2675 zusammen. 2021 hatte es sich noch um 4442 gehandelt – um zwei Drittel mehr also.

„Auch in Vorarlberg brodelt es“

Die Entwicklung ist verhängnisvoll: Aufgrund eines anhaltend starken Bevölkerungswachstums droht weniger Wohnraum zu entstehen als gebraucht wird. Und: Weil Eigentum für immer mehr Menschen unerschwinglich wird, könnten vor allem Mietwohnungen fehlen. Hier ist daher mit weiteren Preissteigerungen zu rechnen.

Wolfgang Amann, Wohnbauexperte: „In Salzburg hat eine ähnliche Situation zu Frust und bei der Landtagswahl zu fast zwölf Prozent für die Kommunisten geführt.“
Wolfgang Amann, Wohnbauexperte: „In Salzburg hat eine ähnliche Situation zu Frust und bei der Landtagswahl zu fast zwölf Prozent für die Kommunisten geführt.“

Dass die Zahl der Baubewilligungen eingebrochen ist, überrascht Experten nicht. „Ein Grund dafür waren die verschärften Kreditvergaberichtlinien, die im August in Kraft getreten sind. Zusätzlich zu steigenden Preisen und steigenden Zinsen haben sie den Traum sehr vieler Haushalte platzen lassen, eine Eigentumswohnung zu kaufen oder ein Eigenheim zu schaffen“, sagt Wolfgang Amann vom Institut für Immobilien, Bauen und Wohnen. Ein Rechenbeispiel, das er hinzufügt, verdeutlicht dies: „Vor einem Jahr noch war ein Kredit mit einer Verzinsung von 1,5 Prozent zu haben. Bei 400.000 Euro und einer Laufzeit von 30 Jahren kam man so auf eine monatliche Rückzahlungsrate von rund 1400 Euro. Bei einer Verzinsung von fünf Prozent kommt man heute auf 2200 Euro. „Das ist um mehr als die Hälfte mehr“, so Amann: „Das übersteigt die Möglichkeiten vieler Menschen beziehungsweise vor allem junger Haushalte.
In Salzburg hat eine ähnliche Situation zu Frust und bei der jüngsten Landtagswahl zu fast zwölf Prozent für die Kommunisten geführt“, warnt Amann. „Auch in Vorarlberg brodelt es. Das sollte man nicht unterschätzen.“

Atempause bei Preissteigerungen

Die Perspektiven sind übel. „Wenn das Angebot schwächer wächst als die Nachfrage – und so sieht es momentan aus -, werden wenig überraschend die Preise steigen“, analysiert Michael Klien, Wohnbauexperte beim Wirtschaftsforschungsinstitut WIFO. Wobei man unterscheiden müsse: Weil Eigentum für sehr viele Menschen nicht mehr infrage kommt, sei hier laut Klien „zumindest eine Atempause bei weiteren Preissteigerungen zu erwarten“. Lokal seien sogar leichte Rückgänge möglich. Aber: „Die Finanzierungsprobleme beim Eigentum verschieben die Nachfrage hin zur Miete, wo es dadurch zu anhaltenden Zuwächsen kommen dürfte.“

Was tun? Amann sieht Handlungsbedarf für den Mittelstand und bedürftige Haushalte. „Hier wäre das Land dringend gefordert, Impulse zu geben. Ein bewährtes Instrument dafür ist die Wohnbauförderung. Sie könnte dafür eingesetzt werden, dass vor allem auch gemeinnützige Wohnbauträger mehr Wohnraum schaffen. Das würde auch der Bauwirtschaft im Land helfen, schmerzhafte Auftragseinbrüche zu überwinden. Aber auch gefördertes Eigentum durch gewerbliche Bauträger sollte forciert werden.“

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