Fragwürdiger Zahnarzt streitet Behandlung ab

Vorarlberg / 17.05.2023 • 22:35 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Der Beklagte (r.) mit seinem Vertreter Rechtsanwalt Nicolas Stieger bei der jüngsten Verhandlung. vn-gs
Der Beklagte (r.) mit seinem Vertreter Rechtsanwalt Nicolas Stieger bei der jüngsten Verhandlung. vn-gs

Beklagter behauptet, zum Zeitpunkt der ihm vorgeworfenen „Kurpfuscherei“ in Südafrika gewesen zu sein.

Feldkirch Wie berichtet, laufen am Landesgericht Feldkirch mittlerweile zehn Zivilprozesse gegen einen 51-jährigen angeblichen Zahnarzt aus dem Bezirk Bregenz. Es geht um Schadenersatzforderungen, Rückzahlungen von Honorarnoten und Schmerzengeld wegen angeblicher Fehlbehandlungen.

Die Vorarlberger Zahnärztekammer wurde bereits vor sieben Jahren aufgrund einer ersten Beschwerde auf den vermeintlichen Dentisten aufmerksam. Denn der Mann sei laut der Kammer weder als Zahnarzt in Österreich registriert noch verfüge er über eine entsprechende Ausbildung. Der von Rechtsanwalt Nicolas Stieger vertretene Beklagte bestreitet jedoch, irgendwen von den ihn klagenden Patienten überhaupt behandelt zu haben. Das sei durch einen inzwischen verstorbenen Zahnarzt geschehen.

Empörte Klägerin

Diese Behauptung ruft insbesondere bei der 52-jährigen Hauptbelastungszeugin Empörung hervor. Die Frau schilderte bei der vorletzten Verhandlung am Landesgericht eindrücklich die Schäden im Gebiss und die Tortur, die ihr bei und durch die Behandlung des Beklagten entstanden seien. Sie – und auch andere klagende Zeuginnen – erkennen den 51-Jährigen eindeutig als den damals tätig gewesenen Zahnarzt wieder.

„Die qualvolle Behandlung dauerte den ganzen Tag. Ich habe Blut gespuckt und musste mich erbrechen“, so die Klägerin. Andauernde starke Schmerzen und Essprobleme seien unter anderem die Folgen gewesen. Tochter und Ehemann der 52-Jährigen bezeugen das bei der Verhandlung.

Bei der fortgesetzten Verhandlung am Mittwoch bestreitet der Beklagte jedoch, beim besagten Behandlungstermin Ende Dezember überhaupt in Vorarlberg ge­wesen zu sein. Ein Kollege von
ihm bestätigt als geladener Zeuge vor der Zivilrichterin: „Wir waren damals gemeinsam auf Weihnachtsurlaub in Südafrika.“ Zum Beweis dafür legt er Fotos vor, die ihn und den Beklagten eben dort zeigen.

„Kein Beweismaterial“

Da wirft sich Klagsvertreter Rechtsanwalt Michael Brandauer energisch ins Gefecht. Er zweifelt diese von Handys fotografierten Bilder mit Datum als beweiswürdiges Material an. „Man kann Datierungen nachträglich auf Handyfotos anpassen“ (also sprichwörtlich manipulieren). Im Übrigen würden weder er noch der Beklagte irgendwelche Reiseunterlagen von damals vorweisen noch die Namen von Hotels angeben können, in denen sie angeblich untergebracht worden waren.

Geladen ist auch der Büroleiter der Vorarlberger Zahnärztekammer, der vor Gericht bestätigt, dass der Beklagte in Österreich nicht als Zahnarzt registriert ist. Letzterer weist zwar Unterlagen eines Zahnarztstudiums in Südafrika vor, doch Zertifikate aus einem Drittstaat würden in Österreich nicht anerkannt, so der Vertreter der Kammer.

Gutachten in Auftrag

Einmal mehr vertagt die Richterin die Verhandlung. Denn nun wird auf Antrag des Klagvertreters ein EDV-Gutachten durch einen Tiroler IT-Experten in Auftrag gegeben zum Beweis dafür, dass die Daten auf den Fotos gefälscht worden sind oder das zumindest im Bereich des Möglichen liegt.

VN-Bericht vom 16. Mai 2023.
VN-Bericht vom 16. Mai 2023.

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