Der Landtag feiert das Ehrenamt

Vorarlberg / 15.11.2023 • 20:08 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Harald Unverdorben (Zweiter von rechts) feierte mit seiner Mannschaft den Herbstmeistertitel.
Harald Unverdorben (Zweiter von rechts) feierte mit seiner Mannschaft den Herbstmeistertitel.

Jeder zweite Vorarlberger ist ehrenamtlich aktiv. Der Landtag widmet den Ehrenamtlichen die Aktuelle Stunde.

BREGENZ Harald Unverdorben ist mindestens sechs Stunden pro Woche mit seinem Ehrenamt beschäftigt. Der 42-Jährige trainiert die U14-Mannschaft des VfB Hohenems – er ist einer von rund 170.000 Ehrenamtlichen in Vorarlberg. Sie stellen sich in den Dienst der Gemeinschaft, opfern ihre Zeit für eine gute Sache. Die Grünen haben das Ehrenamt als Thema für die Aktuelle Stunde im Landtag auserkoren. Selten laufen Landtags-Diskussionen so harmonisch ab wie an diesem Vormittag. Alle möchten Ehrenamt erleichtern und fördern.

Ehrenamt ist vielfältig. Da wären etwa die Blaulichtorganisationen. Allein bei der Vorarlberger Feuerwehr sind 9750 Menschen dabei, 7225 davon im aktiven Dienst, erklärt Feuerwehr-Geschäftsführer Günther Watzenegger. „Wir haben schon 2015 das Projekt ‚Feuerwehr der Generationen‘ gestartet. Das funktioniert bestens, wir haben also kein Nachwuchsproblem“, betont Watzenegger. Man müsse ständig etwas tun, damit man attraktiv für Ehrenamtliche bleibt.

Viele Vereine spüren die Corona-Krise, sagt Michael Lederer vom Büro für freiwilliges Engagement im Landhaus. Auch die Art des Engagements habe sich geändert. „Weg von Regelmäßigkeit hin zu Spontanität; weg von der Übernahme von Verantwortungsbereichen hin zur Übernahme einzelner, klar abgesteckter Arbeitspakete; weg von klar aufgeteilten Aufgaben im Vorstand hin zu einem Leitungsorgan mit fluider Verteilung der Verantwortungsbereiche.“ Mit verschiedenen Programmen möchte man Menschen fürs Ehrenamt begeistern.

Urlaub und Ehrenamtskarte

In der Politik gibt es weitere Ideen. SPÖ-Klubobfrau Manuela Auer fordert fünf Tage Sonderurlaub für Mitglieder von Blaulichtorganisationen. Und geht es nach den Grünen, soll eine Ehrenamtskarte eingeführt werden, erklärt Abgeordnete Nadine Kasper. Damit gäbe es Rabatte oder freie Eintritte für die Besitzer. FPÖ-Abgeordnete Nicole Feurstein-Hosp lobt die Faschingszünfte und Neos-Klubobmann Johannes Gasser die Musikvereine. Er fragt sich: „55 Prozent der Vorarlberger sind ehrenamtlich engagiert. Warum sind es die anderen 45 Prozent nicht?“ Vereine müssten sich stärker in Schulen vorstellen.

Auch Religion lebt vom Ehrenamt. Die fünf großen Moscheeverbände im Land hatten im Jahr 2018 zusammen rund 5700 zahlende Mitglieder. Auch Roman Dünser aus Braz ist ehrenamtlich aktiv. Er ist einer von 20.000 Ehrenamtlichen bei der katholischen Kirche und engagiert sich seit 20 Jahren fürs Sternsingen. „Damit machen die Kinder Jahr für Jahr vielen eine Freude und es wird Familien geholfen, die es nötig haben“, schwärmt Dünser.

Die ÖVP hat sich die Vereine intensiv angesehen. Kommende Woche möchte Landtagsabgeordneter Raphael Wichtl das Ergebnis seiner Untersuchung präsentieren. Die Ehrenamtlichen im Land leisten Arbeit für umgerechnet 35.000 Vollzeitangestellte, ergänzt Landeshauptmann Markus Wallner (ÖVP). „Das könnte niemand finanzieren.“ Er fordert: „Das Vereinsgesetz ist mittlerweile sehr kompliziert. Es muss entrümpelt werden.“

Unverdorben hat sich wegen seiner Geschichte zum Ehrenamt entschieden. „Ich habe mich als junger Spieler immer über engagierte Trainer gefreut. Jetzt kann ich etwas zurückgeben.“ Die Spieler danken es ihm: Seine U14 sind ohne Punkteverlust Herbstmeister geworden.

„Durch das Sternsingen machen die Kinder Jahr für Jahr vielen eine Freude.“

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