Baby in den USA nach Geburt von HIV geheilt

Welt / 04.03.2013 • 22:34 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Virologin Deborah Persaud und ihr Team starteten unmittelbar nach der Geburt mit der Therapie. Foto: REUTERS
Virologin Deborah Persaud und ihr Team starteten unmittelbar nach der Geburt mit der Therapie. Foto: REUTERS

Für Experten ist dies vorerst nur „eine interessante Einzelbeobachtung“.

Washington. Hoffnung im Kampf gegen Aids: Ärzte in den USA haben nach eigenen Angaben erstmals ein mit dem HI-Virus infiziertes Baby weitgehend geheilt. Das heute zweieinhalb Jahre alte Mädchen sei kurz nach der Geburt mit antiretroviralen Medikamenten behandelt worden, berichtete die Virologin Deborah Persaud vom Johns Hopkins Children‘s Centre in Baltimore auf einem Fachkongress über Viren in Atlanta.

Experten warnten aber vor zu großen Erwartungen. Für Norbert Vetter, HIV-/Aids-Experte am Otto-Wagner-Spital in Wien, ist es „eine interessante Einzelbeobachtung“. Aber: „Daraus Konsequenzen abzuleiten ist nicht möglich und gefährlich.“ Es sei ein „Einzelfall einer besonders aggressiven Therapie nach der Geburt“. Mit dem Terminus Heilung müsse man vorsichtig umgehen. „Die Nachbeobachtungszeit ist viel zu kurz, es kann erst die Zukunft zeigen, ob es wirklich gelungen ist, die Viren so zu beeinträchtigen, dass sie nicht wieder auftreten“, sagte der Primararzt. Das Kind war 2010 in einer ländlichen Gegend im US-Bundesstaat Mississippi zur Welt gekommen. Die Mutter war HIV-positiv, wusste davon aber nichts. Nachdem Tests die Infektion nachgewiesen hatten, begannen die Ärzte rund 30 Stunden nach der Geburt damit, das Baby mit einer Kombination aus drei Medikamenten zu behandeln – üblich ist bei Neugeborenen von HIV-positiven Müttern eine etwa vierwöchige Einfachprophylaxe. Bereits nach einem Monat seien die Viren kaum noch im Körper des Kindes nachweisbar gewesen. Dies sei bis heute so, obwohl die Therapie nach etwa eineinhalb Jahren ausgesetzt wurde. Denn die Mutter hatte den Angaben zufolge ihr Kind zehn Monate lang nicht mehr zur Behandlung gebracht.

Virologin Persaud ist überzeugt, dass sich das Baby im Mutterleib infizierte und es sich um einen seltenen Fall von „funktioneller Heilung“ handelt.