Schweizer Urlauberin in Indien vergewaltigt

Welt / 17.03.2013 • 22:37 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die 39-jährige Schweizerin (Mitte) wurde von den Männern in Indien mehrfach vergewaltigt. Foto: AP
Die 39-jährige Schweizerin (Mitte) wurde von den Männern in Indien mehrfach vergewaltigt. Foto: AP

Erneut wurde in Indien eine Frau das Opfer einer Massenvergewaltigung. Fünf Männer wurden verhaftet.

Neu-Delhi. Eine Schweizer Touristin ist in Indien von mehreren Männern vergewaltigt worden. Laut Polizeiangaben campierten die 39-Jährige und ihr Ehemann in einem Wald im zentralindischen Bundesstaat Madhya Pradesh, als sie am Freitagabend von bis zu acht Männern überfallen und mit Stöcken zusammengeschlagen wurden. Der Partner der Schweizerin musste mit ansehen, wie sich die Attentäter an seiner Frau vergingen.

Dorfbewohner gestehen Tat

Am Sonntag wurden fünf Dorfbewohner festgenommen – sie haben die Gruppenvergewaltigung und den Angriff auf den Ehemann zugegeben. Bei ihnen sind auch der Laptop und die Mobiltelefone des Schweizer Paares gefunden worden, sagte ein Sprecher der Leitstelle im Distrikt Datia. Nach weiteren Tätern wurde noch gesucht.

Das Urlauberpaar war mit Fahrrädern auf dem Weg nach Agra, wo der Taj Mahal steht. In der Nähe der Tempelstadt Orchha hätten sie ihr Camp zum Übernachten aufgeschlagen, erklärte der Polizeipräsident des Distrikts, C. S. Solanki. Nach Aussage des Mannes überwältigten ihn die Täter, vergewaltigten seine Begleiterin und raubten ihnen ihre Wertsachen. Die Schweizerin wurde in ein Krankenhaus in der Stadt Gwalior gebracht. Nach einer ersten Untersuchung bestätigte das Hospital, dass sie mehrfach vergewaltigt wurde. Nach Angaben eines Polizeisprechers war das Paar am Sonntag auf dem Weg in die Hauptstadt Neu Delhi.

Innenminister gerät in Kritik

Unterdessen geriet der Innenminister des Bundesstaates Madhya Pradesh in die Kritik, weil er die beiden Schweizer für die Tat mitverantwortlich machte. Touristen würden oft die Regeln missachten, sagte Uma Shankar Gupta. „Wenn ausländische Touristen kommen, dann … sollten sie die Polizeipräsidenten der Distrikte, die sie besuchen, über ihre Reisepläne informieren“, sagte der Minister. Dann könne für ihre Sicherheit gesorgt werden. Der Schweizer Botschafter sprach bereits am Samstag mit dem Opfer und ihrem Partner und sicherte ihnen jegliche erdenkliche Hilfe zu. In einer Mitteilung hieß es, die Botschaft sei „zutiefst erschüttert“. Zunächst stünde die Gesundheit und Behandlung der Schweizerin im Vordergrund. Zugleich wurden die lokalen Behörden zu schnellen Ermittlungen aufgefordert. Die Täter müssten bestraft werden.

Gesellschaftliches Problem

Vergewaltigungen und der res­pektlose Umgang mit Frauen sind ein großes gesellschaftliches Problem in Indien. 2011 zählten die Behörden 24.200 gemeldete Vergewaltigungen, die Dunkelziffer dürfte um ein Vielfaches höher liegen. Viele Frauen gehen nicht zur Polizei, weil sie mit der Veröffentlichung Schande über ihre Familie bringen würden. Auch werden viele Anzeigen von der Polizei nicht aufgenommen, andere verlaufen im Sand. Nur etwa ein Viertel der Angeklagten, die vor Gericht müssen, werden schließlich verurteilt.

Täter, die sich an indischen Frauen vergehen, haben also oft nichts zu fürchten. Touristinnen werden eher selten Opfer. Allerdings rät das Auswärtige Amt Reisenden, vor allem Frauen, vorsichtig zu sein. Derzeit diskutiert Indien so intensiv wie nie zuvor über die Vergewaltigungen und die Stellung der Frau. Losgetreten wurde die Debatte durch die brutale Misshandlung einer 23 Jahre alte Studentin, die in einem fahrenden Bus von einer Gruppe Männer vergewaltigt wurde und später an den Verletzungen starb. Das Verbrechen löste in Indien Massendemonstrationen aus und sorgte auch weltweit für Entsetzen.