Pflegerin im Keller zur Prostitution gezwungen

Welt / 25.03.2013 • 22:35 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

46-jähriger Invalidenrentner in Tulln festgenommen. Weitere Opfer ausgeforscht.

Tulln. Unter dem Verdacht der Vergewaltigung, Zuhälterei und des grenzüberschreitenden Prostitutionshandels ist ein 46-Jähriger aus dem Bezirk Tulln festgenommen und in der Justizanstalt St. Pölten inhaftiert worden. Der Mann soll eine slowakische Pflegehelferin (30) gezwungen haben, Freiern in einem eigens eingerichteten Kellerraum seines Hauses zur Verfügung zu stehen.

Er wurde von weiteren Frauen aus der Slowakei und Litauen massiv belastet, bestreitet laut der Landespolizeidirektion Niederösterreich aber sämtliche Vorwürfe. Der Invalidenrentner soll die 30-Jährige vom Mai 2012 an zur Prostitution gezwungen haben. Der Mann habe gedroht, ihren in der Slowakei lebenden achtjährigen Sohn zu erschießen, wenn sie ihm nicht gehorche. Er soll die eingeschüchterte Pflegehelferin im Keller eingesperrt und ihr verboten haben, das Haus zu verlassen. Dem durch Schläge gefügig gemachten Opfer gelang es im August, sich einer Bekannten anzuvertrauen. Diese erstattete daraufhin bei einer Polizeiinspektion im Bezirk Tulln Anzeige.

Mehrere Opfer ausgeforscht

Im Zuge der Ermittlungen durch das Landeskriminalamt wurden weitere slowakische und litauische Staatsbürgerinnen ausgeforscht, die angaben, von dem Verdächtigen im Bezirk Tulln und in Wien mindestens seit 2004 unter Drohungen und Gewaltanwendung zur Prostitution gezwungen und finanziell ausgebeutet worden zu sein. Sämtliche Opfer stehen derzeit in psychologischer Betreuung. Die Polizei vermutet sogar noch weitere Opfer. In solchen Fällen würden die Opfer aus Angst meist nicht aussagen, hieß es.

Der 46-Jährige soll geplant haben, auch im Raum Stockerau ein „Studio“ aufzumachen. Nach Angaben der Landespolizeidirektion hatte er die als Pflegehelferin Arbeit suchende 30-jährige Slowakin via Internet kennengelernt. Er soll angekündigt haben, ihr eine Stelle in Tulln zu verschaffen und hatte sie eingeladen, bei ihm zu wohnen, um sich das Geld für ein Quartier zu sparen. Die Kunden seien in diversen Internetforen oder Inseraten geworben worden. Verantwortungsbewusstsein bei den Kunden suche man laut Oberst Gerald Tatzgern vom Bundeskriminalamt vergeblich: „Diesen Männern ist alles egal, Hauptsache sie kommen zu ihren Sexdiensten.“

Waffenverbot

Der vorbestrafte 46-Jährige war mit einem Waffenverbot belegt. Bei einer Hausdurchsuchung im November 2012 wurden allerdings zwei Faustfeuerwaffen, über 150 Stück Munition, zahlreiche Hieb- und Stichwaffen sowie verbotene Waffen sichergestellt. Die Kellereinrichtung befand sich in dem vom
Opfer beschriebenen Zustand.

Den Kunden ist alles egal, Hauptsache sie kommen zu ihren Sexdiensten.

Gerald Tatzgern, BKA