Missbrauch: Pensionist zu 13 Jahren Haft verurteilt

Welt / 28.03.2013 • 23:01 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

66-Jähriger hat sich Jahrzehnte an seiner Familie und Freundinnen der Töchter vergangen. 13 Jahre Haft.

Steyr. Ein 66-jähriger Pensionist aus dem Bezirk Steyr-Land ist wegen mehrfachen sexuellen Missbrauchs am Donnerstag vor einem Schöffensenat im Landesgericht Steyr in Oberösterreich gestanden. Die Anklage warf ihm jahrzehntelange Übergriffe in- und außerhalb der Familie vor.

Urteil rechtskräftig

Das Schöffengericht sprach den Mann am Donnerstag im Landesgericht Steyr schuldig und verurteilte ihn zu 13 Jahren Haft. Obendrein hat das Gericht eine Einweisung in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher ausgesprochen. Der Angeklagte und der Staatsanwalt erklärten Rechtsmittelverzicht. Das Urteil ist somit bereits rechtskräftig.

Der Staatsanwalt trug die schriftlich vorliegende Anklage aus Rücksicht auf den Schutz der Opfer nicht detailliert vor. Jedoch warf er dem Beschuldigten sexuellen Missbrauch in verschiedener Schwere an einer Vielzahl von Opfern vor. Angefangen hatte alles im Jahr 1972 und hat bis zum heutigen Zeitpunkt angedauert.

Damals – zwei Jahre nach der Hochzeit – habe der Mann begonnen, seine Ehefrau zu vergewaltigen. Später soll er seinen Kindern, mehreren Töchtern und einem Sohn, Gewalt angetan und sie sexuell missbraucht haben. Das habe er bei seinen Enkelkindern, weiters einer Pflegetochter seiner Tochter und einer Nichte fortgesetzt. Auch die Freundinnen und Schulkolleginnen der Töchter und eine außereheliche Tochter waren vor dem Mann nicht sicher.

Aufgeflogen ist die Affäre im vergangenen Jahr, als eines der Opfer wegen schwerer psychischer Störungen als Folge des Missbrauchs im Krankenhaus behandelt werden musste. Laut Staatsanwalt sei den Opfern großes Leid angetan worden. Der Ankläger habe so etwas in seiner bisherigen Laufbahn noch nie erlebt.

Symbolisches Schmerzengeld

Unter den Anklagepunkten finden sich unter anderem Vergewaltigung, Missbrauch von Unmündigen und Jugendlichen, Blutschande, Quälen und Vernachlässigen von Unmündigen, Jugendlichen und Wehrlosen, Körperverletzung sowie Missbrauch eines Autoritätsverhältnisses. Der Verteidiger erklärte vor Gericht, sein Mandant sei zum Teil geständig. Die Übergriffe in der Familie bestreitet er.

Zwei Anwälte, die mehrere der Opfer vertreten, hatten zuvor Forderungen nach Teilschmerzengeld für ihre Mandanten in unterschiedlicher Höhe, aber jedenfalls jeweils mehrere Tausend Euro, angemeldet. Eine Vertreterin von Familienangehörigen stellte fest, dass die Taten mit Geld nicht mehr gutzumachen seien. Deshalb würden nur symbolische Beträge von 500 bzw. 1000 Euro verlangt.

Aus Rücksicht auf den Schutz der Opfer und gemäß einem Antrag der Verteidigung – mit der Begründung, dass im Prozess Details aus dem höchstpersönlichen Lebensbereich des Angeklagten erörtert würden – schloss
das Gericht danach die Öffentlichkeit von der Verhandlung aus.