Drei Tage Nervenkrieg

Welt / 16.08.2013 • 21:46 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Das Gladbecker Geiseldrama hielt im August 1988 drei Tage lang Deutschland in Atem.

Gladbeck. Dieter ­Degowski und Hans-Jürgen Rösner – zwei Kriminelle, die sich schon von der Sonderschule kannten und gemeinsam eine Gefängniszelle geteilt hatten: Nach einem missglückten Banküberfall startet das brutale Duo in Gladbeck im nördlichen Ruhrgebiet am 16. August 1988 eines der spektakulärsten Verbrechen der deutschen Nachkriegsgeschichte.

Am Morgen des 16. August stürmen Degowski und Rösner schwer bewaffnet eine Bank im nordrhein-westfälischen Gladbeck. Bei dem missglückten Banküberfall nehmen sie zwei Geiseln, fordern ein Auto und flüchten mit beiden Geiseln sowie 420.000 Mark. Sie geben Journalisten ein erstes Interview. Kurz nachdem die Gangster am Abend mit Geiseln und Geld losgefahren sind, steigt Rösners Freundin Marion Löblich zu. Am nächsten Tag kapern sie in Bremen einen Linienbus und nehmen rund 30 Geiseln. Sie geben Interviews und lassen mehrere Geiseln frei. Als die Polizei Löblich vorübergehend festhält, erschießt Degowski einen 15 Jahre alten Businsassen. Bei der weiteren Verfolgung verunglückt ein Polizist tödlich. Die Geiselnehmer lassen den Bus stehen und flüchten mit zwei Bremer Geiseln in einem Auto. Dabei darf sogar ein Journalist ein Stück mitfahren. Am Mittag des 18. August greift ein Spezialeinsatzkommando auf der Autobahn bei Bad Honnef zu. Die 18 Jahre alte Geisel Silke Bischoff stirbt durch eine Kugel aus Rösners Waffe.

Seither sitzen Rösner (56) und Degowski (57), zu lebenslanger Haft verurteilt, in nordrhein-westfälischen Gefängnissen.

Degowski bleibt in Haft

Degowski hat seine Mindesthaftzeit von 24 Jahren verbüßt, er will auf Bewährung freikommen. Die Haftprüfung ergibt zwei Tage vor dem Jahrestag des Gladbecker Banküberfalls, dass der in Werl einsitzende Mörder auf ein Leben in Freiheit erst noch vorbereitet werden muss. Degowski wird also nicht kurzfristig aus dem Gefängnis freigelassen, kann aber hoffen. Die Angehörigen der Opfer sind dagegen.

Rösner soll noch mindestens zwei weitere Jahre absitzen. Außerdem wurde er 2009 zusätzlich zu sechs Monaten Haft verurteilt, nachdem in seiner Zelle sieben Gramm Heroin entdeckt worden waren. Mittäterin Löblich hat ihre Strafe von neun Jahren längst abgesessen. Wegen Morddrohungen wurde sie mit einer neuen Identität ausgestattet.