Erster Strichplatz in der Schweiz wird eröffnet

Welt / 20.08.2013 • 22:09 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Anlage soll Straßenhuren vom berüchtigten Sihlquai am Bahnhof weglocken.

Zürich. Kein Auto, kein Sex. Das macht die Piktogrammtafel am ersten amtlichen Strichplatz der Schweiz in leicht verständlicher Symbolik klar. Wer auf dem Bike oder dem Motorrad kommen will, wird enttäuscht. Alles durchgestrichen. Ein dickes Kreuz auch über einem Auto, in dem neben dem Fahrer eine weitere Person sitzt. „Nur ein Freier pro Wagen“, sagt ein Wachmann. „Keine Gaffer, und nix zu dritt oder so.“

So gut wie alles im nagelneuen Prostitutionspark auf der unattraktiven Rückseite des Zürcher Hauptbahnhofs ist mit Schweizer Gründlichkeit geregelt. Am Montag wird der Strichplatz eröffnet. Erst nach einigen Monaten werde man sagen können, ob das Experiment geglückt sei. Als Hauptgrund geben die Verantwortlichen an, dass die Zustände am Sihlquai – bisher der größte Schweizer Straßenstrich – „einfach nicht mehr haltbar“ seien. Unweit der malerischen Altstadt am Ufer des Flusses Sihl gelegen, gab es auf Zürichs sündiger Meile oft Zwist. Nicht zuletzt weil Prostituierte von Gaffern belästigt wurden; immer wieder auch von Horden betrunkener Jugendlicher.

Zeitgleich mit dem Start der Sexanlage tritt ein neuer Strichplan in Kraft. Danach soll Straßenprostitution in der Wirtschaftsmetropole nur noch in der neuen Anlage sowie auf einem Auto- und einem Fußgängerstrich zugelassen werden, die schon länger existieren.

Kleine orangene Regenschirme sollen Freiern den Weg vom Sihlquai zum nicht weit entfernten neuen Sexpark weisen. Als Vorbild diente unter anderem eine ähnliche Einrichtung in Köln. Die Funktionsweise erinnert an das Rundkurs-Prinzip von Drive-in-Imbissrestaurants: Der Kunde bleibt im Auto, kurbelt die Scheibe herunter, äußert Wünsche und bekommt einen Preis zu hören. Für den Akt stehen dann zehn sogenannte Verrichtungsboxen zur Verfügung.

Ursula Kocher, Leiterin der Frauenhilfsorganisation Flora Dora, lobt den Strichplatz vor allem wegen der besseren Sicherheit für die Prostituierten.