Japan hebt Gefahrenstufe nach Leck in Fukushima an

Welt / 28.08.2013 • 21:56 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Aus einem Tank in der Atomruine Fukushima waren mindestens 300 Tonnen radioaktiv verseuchten Wassers herausgesickert. epa
Aus einem Tank in der Atomruine Fukushima waren mindestens 300 Tonnen radioaktiv verseuchten Wassers herausgesickert. epa

Jetzt ist es amtlich: Das Leck an der ­Atomruine Fukushima gilt als „ernster Zwischenfall“.

Tokio. Japan hat nach dem jüngsten Zwischenfall in der Atomruine Fukushima die Gefahrenstufe deutlich angehoben. Die Aufsichtsbehörde entschied am Mittwoch, das Leck auf Stufe 3 der internationalen Bewertungsskala für nukleare Ereignisse (INES) einzustufen. Dies bedeutet, dass das Leck als ein „ernster Zwischenfall“ angesehen wird. Bislang war es mit Stufe 1 („Anomalität“) bewertet worden. Die Atomaufsicht hatte sich zuvor mit der Internationalen Atomenergieorganisation IAEA in Wien über die Anhebung beraten.

Der Betreiber Tepco hatte kürzlich erklärt, dass rund 300 Tonnen verstrahlten Kühlwassers aus einem Auffangtank ausgelaufen waren – erheblich mehr als zunächst angegeben worden war.

Infolge des Erdbebens und Tsunamis vom 11. März 2011 war das AKW verwüstet worden. Dabei kam es zu Kernschmelzen. Seither wird unentwegt Wasser zur Kühlung in die Reaktoren gepumpt. Um der riesigen Wassermengen Herr zu werden, hat Tepco in Eile Hunderte Tanks aufgestellt, die aus zusammengeschraubten Stahlplatten bestehen. Von wo das Wasser aus einem der elf Meter hohen Tanks herausgesickert ist, kann Tepco noch immer nicht sagen. Der Vorfall ist ein weiterer Schlag für die lokale Fischindustrie, die ohnehin durch den Atom­unfall seit über zwei Jahren schwer zu leiden hat.

Ende vergangenen Jahres hatte die Regierung erklärt, dass die Lage in der Atomruine unter Kontrolle sei. Die andauernden Probleme erwecken den gegenteiligen Eindruck. Erschwerend für die Reparaturtrupps kommt hinzu, dass jeden Tag Hunderte Tonnen Grundwasser in die Reaktorgebäude eindringen und sich mit dem kontaminierten Kühlwasser vermischen. Kürzlich hatte Tepco zugegeben, dass tagtäglich belastetes Wasser ins Meer sickert. Das aus einem Leck im Auffangtank austretende Wasser enthält laut Tepco unter anderem Strontium, das Wissenschaftler auch als „Knochenkiller“ bezeichnen. Es schädige das Knochenmark und könne Leukämie (Blutkrebs) auslösen.