Italien fordert Umdenken in der Flüchtlingspolitik

Welt / 04.10.2013 • 21:46 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Bisher konnten 155 Flüchtlinge gerettet werden. Sie wurden ins Auffanglager von Lampedusa gebracht. Foto: Reuters

Bisher konnten 155 Flüchtlinge gerettet werden. Sie wurden ins Auffanglager von Lampedusa gebracht. Foto: Reuters

Vor Lampedusa geht die Suche nach Vermissten weiter. Bis zu 300 Todesopfer befürchtet.

Rom, Lampedusa. Nach dem Flüchtlingsdrama mit 111 geborgenen Leichen sitzt der Schock in Italien tief. Vor der Insel Lampedusa geht unterdessen die Suche nach Opfern weiter. Die Behörden vermuten, dass die Bilanz der Tragödie auf über 300 Todesopfer anwachsen wird. „Es gibt noch keine endgültigen Opferzahlen, weil Dutzende weitere Körper im Wrack des gesunkenen Bootes vermutet werden“, sagte Inneminister Angelino Alfano. Die Helfer hatten gestern ihre Arbeit trotz schlechten Wetters die gesamte Nacht über fortgesetzt.

Bisher konnten nur 155 der knapp 500 Menschen an Bord des Schiffes gerettet werden. Das voll besetzte Boot hatte vor der kleinen Isola dei ­Conigli bei Lampedusa Feuer gefangen und war gekentert. Flüchtlinge hatten eine Decke angezündet, um Fischerboote auf sich aufmerksam zu machen, nachdem das Boot einen Defekt hatte.

Staatstrauer in Italien

Für Freitag hatte Italien einen Tag der Staatstrauer aus­gerufen, vielerorts gab es Schweigeminuten. „Heute ist ein Tag des Weinens“, sagte Papst Franziskus. „Wir alle empfinden Wut, Empörung, das Gefühl von Machtlosigkeit“, sagte Alfano. Solche Dramen könnten sich jederzeit wiederholen, betonte er. In diesem Jahr kamen nach seinen Angaben bereits 30.000 Flüchtlinge nach Italien.

Rom fordert nach dem Flüchtlingsdrama einen Kurswechsel in der Einwanderungspolitik. „Wir werden laut unsere Stimme in Europa erheben, um die Regeln zu ändern, die die ganze Last der illegalen Einwanderung auf die Länder des ersten Eintritts abwälzen“, sagte Alfano. Staatspräsident Giorgio Napolitano forderte eine Überprüfung der Gesetze.

Italien will Hilfe von der EU

Staatspräsident Napolitano hatte eine Änderung der Gesetze gefordert. Eine schnelle Überprüfung von Normen, die eine Aufnahmepolitik verhinderten, sei nun notwendig, sagte er. „Es ist auch eine Frage von Mitteln, eine Frage des Eingreifens, eine Frage von Verantwortung und eine Diskussion, die absolut nicht nur italienisch sein kann“, sagte er. Viele italienische Politiker forderten am Freitag mehr Unterstützung aus der EU. „Dieses Meer bildet die Grenze zwischen Afrika und Europa und nicht zwischen Afrika und Sizilien und deshalb muss sie mit Schiffen und Flugzeugen effektiver gesichert werden, als das momentan der Fall ist. So sinkt auch das Risiko von Toten“, so Alfano.

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