Chemie-Nobelpreis geht an gebürtigen Wiener

Welt / 09.10.2013 • 21:54 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Neben Martin Karplus werden auch die US-Forscher Michael Levitt und Arieh Warshel ausgezeichnet.

Stockholm. Drei Forscher aus den USA teilen sich den diesjährigen Nobelpreis für Chemie: Martin Karplus, Michael Levitt und Arieh Warshel erhalten die Auszeichnung für die Entwicklung von Computermodellen, mit deren Hilfe komplexe chemische Prozesse verstanden werden können. Das gab die Königlich Schwedische Akademie der Wissenschaften gestern in Stockholm bekannt. Die höchste Auszeichnung für Chemiker ist mit acht Millionen Schwedischen Kronen (umgerechnet 920.000 Euro) dotiert.

Flucht vor den Nazis

Karplus (83) stammt aus Wien und musste als Kind mit seiner jüdischen Familie vor den Nationalsozialisten fliehen. 1945 erhielt Karplus die US-Staatsbürgerschaft, behielt aber trotzdem seinen österreichischen Pass. Warshel (72) wurde in einem israelischen Kibbuz geboren, Levitt (66) im südafrikanischen Pretoria.

Die Forschungen von Karplus, Levitt und Warshel in den 1970er-Jahren hätten Wissenschaftlern dabei geholfen, Programme zu entwickeln, die chemische Prozesse wie Abgasreinigung oder die Photosynthese in grünen Blättern simulierten. Dadurch konnten beispielsweise Katalysatoren für Fahr-
zeuge oder Solarzellen optimiert werden. Wenn Wissenschaftler komplexe chemische Prozesse auf dem Computer simulieren wollten, mussten sie sich früher zwischen Software entscheiden, die auf der klassischen Newton’schen Physik basierte, und solcher, die auf der Quantenphysik basierte. Karplus, Levitt und Warshel hätten Computermodelle entwickelt, die „ein Tor zwi-
schen diesen beiden Welten öffneten“, erklärte die Akademie. Karplus und Warshel arbeiteten Anfang der 1970er- Jahre gemeinsam an der Entwicklung eines Computerprogramms, das die klassische Physik mit der Quantenphysik vereinte. Warshel tat sich später mit Levitt zusammen, um ein Programm für die Enzymforschung zu entwickeln.

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