Italiens Mafia verdient Millionen am Giftmüll

Welt / 23.01.2014 • 22:38 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

In Italien ist die Giftmülllagerung eine Hauptgeldquelle der Mafia.

Neapel. Die Mafia verdient Milliarden nicht nur mit Drogenhandel, Schutzgeld­erpressungen oder durch illegale Geschäfte im Agrarsektor. Vor allem der Müll, und gerade der giftigste, füllt bereits seit Jahrzehnten die Kassen des organisierten Verbrechens. Die Camorra soll in einem als „Feuerland“ verschrieenen Gebiet bei Caserta unweit von Neapel Millionen Tonnen oft giftiger Industrieabfälle verbrannt haben. Von Arsen und Asbest ist die Rede, von Schwermetallen und Lösungsmitteln.

Jetzt wird auch die Regierung in Rom aktiv, will bis zu 850 Soldaten sowie Helikopter einsetzen, um die Umwelt-Mafia zu bekämpfen. Bis Ende des Jahres sollen Soldaten in dem offenbar vom Casalesi-Clan verseuchten Gebiet als „Agenten der öffentlichen Sicherheit“ das Geschehen im Auge behalten. Die katholische Kirche läuft unterdessen Sturm gegen die „humanitäre Katastrophe“, die der Giftmüllskandal ausgelöst habe: Rund um Caserta sollen die Zahlen der Krebserkrankungen deutlich höher als im Schnitt des Landes liegen.

Alarmiert von den Aussagen „reuiger“ Mafiosi, die Angaben über Umweltverbrechen in der Region machten, haben Experten in einem aufgelassenen Tuffsteinbruch bei Maddaloni nahe Caserta, etwa 40 Kilometer nördlich von Neapel, mehr als 200.000 Tonnen Giftmüll entdeckt. Die toxischen Stoffe haben das Grundwasser erreicht, so dass die Bauern Schlimmstes befürchten. Beschlagnahmte Mafia-Millionen sollen nun dafür eingesetzt werden, Geschädigten unter die Arme zu greifen.

Giftmüll unter Autobahnen

Derweil machen Schlagzeilen aus Norditalien überdeutlich, dass es sich bei dem Geschäft mit der kostengünstigen „Entsorgung“ nicht nur um ein Problem Süditaliens handeln dürfte: „Giftmüll verborgen unter dem Asphalt“, titelte die römische „La Repubblica“, weil nach ersten brisanten Funden mehr Giftabfall unter den Autobahnspuren der A4 von Brescia nach Mailand vermutet wird – wohl Hunderte Tonnen, vor einem Vierteljahrhundert dort zugeteert.