Brasilien kämpft vor der WM gegen Sextourismus

Welt / 04.06.2014 • 22:44 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Nächste Woche startet die Fußball-WM. Das Großereignis lockt auch viele Sextouristen an.  Foto: AP
Nächste Woche startet die Fußball-WM. Das Großereignis lockt auch viele Sextouristen an. Foto: AP

Die Behörden befürchten vor allem eine Zunahme der Kinderprostitution.

Brasilia. Sobald es Nacht wird, läuft Adriana de Morais Streife in den Clubs von Natal. Zusammen mit ihren Kollegen von der örtlichen Kinderschutzbehörde will sie minderjährige Prostituierte von den Straßen der brasilianischen Stadt holen. Natal im Nordosten Brasiliens ist einer von zwölf Austragungsorten der Fußball-WM. Die Spielorte werden ab der kommenden Woche für einen Monat von rund 600.000 ausländischen Gästen und drei Millionen Brasilianern überschwemmt – Behörden und Kinderschützer befürchten als Nebenprodukt der WM mehr Sextourismus und Kinderprostitution.

„Es ist ein einmaliges Ereignis, das viele Ausländer zu uns bringt, und wir machen uns wirklich Sorgen über Sextourismus“, sagt Morais. Ab 18 Jahren ist Prostitution in Brasilien legal. Wie viele der Prostituierten jünger sind, weiß niemand, es gibt keine offiziellen Statistiken. Doch die anonyme staatliche Hotline gegen Kindesmissbrauch verzeichnete vergangenes Jahr 124.000 Anrufe, 26 Prozent davon wegen sexueller Gewalt. Die meisten Anrufe kamen aus dem verarmten, wegen seiner idyllischen Strände aber bei Touristen beliebten Nordosten des Landes.

Anzeigenkampagne

Eine Anzeigenkampagne soll nun die Öffentlichkeit sensibilisieren. „Jeder Tourist, der in Brasilien ankommt, wird in Flugzeugen, Flughäfen, Bahnhöfen und Hotels lesen, dass die Ausbeutung von Kindern und Jugendlichen ein Verbrechen ist“, sagt der Kinderschutzbeauftragte im Tourismus-Ministerium, Adelino Neto. „Großereignisse erhöhen das Risiko für Minderjährige“, warnt auch Tatiana Akabane von der Organisation Childhood. Auch gegen sexuelle Werbebotschaften gehen die Behörden vor. Im Februar zog Adidas nach Protesten Brasiliens eine T-Shirt-Serie zurück, die ein Bikinimädchen mit dem zweideutigen Spruch „Looking to score – Brazil“ (etwa: Wir versuchen zu punkten) versah. Auch T-Shirts mit „I love Brazil“ und einem Herz in Form eines weiblichen Pos nahm der Sportartikelhersteller aus dem Programm. „Brasilien begrüßt gerne Touristen zur WM, ist aber auch bereit, gegen Sextourismus vorzugehen“, twitterte Präsidentin Dilma Rousseff.

Manche Prostituierten sind über die Kampagne nicht sehr glücklich. Wie die Hotels, Fluggesellschaften und andere Unternehmen hätten auch sie das Recht, an der WM zu verdienen, betonen sie. „Der Confederations Cup im vergangenen Jahr war sehr gut für uns – und wir erwarten, dass die WM noch besser wird“ sagt Cida Vieira, die Vorsitzende eines Verbands von Sexarbeitern in Belo Horizonte. Der Verband bietet zur Vorbereitung auf die WM sogar Englischkurse für Prostituierte an.

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