„Osteuropa verliert den Kampf gegen Landraub“

03.07.2014 • 20:58 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Liberalisierung: Bauern stehen vor dem Aus, so die Menschenrechts­organisation FIAN. 

Wien. „Besonders in Osteuropa schreiten Landkonzentration und Land Grabbing rapide voran“, schreibt die Menschenrechtsorganisation FIAN, die sich für das Recht auf Nahrung einsetzt. Ihre Recherchen zeigen, dass auch österreichische Akteure im Wettlauf um Grund und Boden mitmischen und im großen Stil Land in Rumänien, Serbien und Ungarn kaufen. Die Bäuerinnen und Bauern vor Ort profitierten vom Investitionsboom kaum, heißt es weiter. Eher seien sie die großen Verlierer, wie anhand von Fallbeispielen aus Rumänien, Ungarn und Serbien offenkundig wird.

Gefährliche Liberalisierung

Diese Entwicklung sei der mit dem EU-Beitritt in Kraft getretenen Verpflichtung der Liberalisierung des Landmarktes, also dessen Öffnung für ausländische Käufer, geschuldet. „Zusammen mit dem Fehlen staatlicher Hilfe für kleine und mittlere bäuerliche Betriebe trägt das zu Land-Grabbing und zur steigenden Konzentration von Landeigentum bei“, heißt es von Seiten der Menschenrechtsorganisation.

Der Zugang zu Land sei auch in Europa „eine menschenrechtliche Angelegenheit“, so Brigitte Reisenberger von FIAN Österreich. Ein Teil der europäischen Bevölkerung sei für seine Lebensgrundlage „auf direkten Zugang zu Land angewiesen“.

In Rumänien setzt diese Entwicklung den Kleinbauern laut Reisenberger stark zu. Millionen Kleinbauern stünden vor dem Aus und junge Bauern würden in die Emigration gedrängt, erklärt Attila Szocs von Ecoruralis, einem rumänischen Kleinbauern-Netzwerk. Mit ihren Produkten seien die Bauern oft nicht konkurrenzfähig, der Verkauf des Bodens bliebe die einzige Option. Die darauf folgende drohende Armutsspirale dränge sie oft dazu, in Westeuropa – auch in Österreich – als unterbezahlte Erntehelfer zu arbeiten.

Österreicher verantwortlich

FIAN zieht auch österreichische Investoren zur Verantwortung. Sie seien in Rumänien dicht vertreten. Trotz noch bestehender gesetzlicher Hürden befänden sich bereits 700.000 Hektar Agrarland in den Händen von transnationalen Unternehmen. Österreichische Investoren würden davon sechs Prozent kontrollieren. Die Aussicht auf EU-Agrarsubventionen unterstütze diese Entwicklung. Andreas Bardeau, Honorarkonsul von Rumänien, stehe laut FIAN für österreichische Investoren in dem Land. Denn sie unterstützten die gesamte Wertschöpfungskette.