WHO stuft Ebola als globalen Notfall ein

Welt / 08.08.2014 • 22:49 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Risiko einer Einschleppung nach Europa sehr gering – Staaten dennoch für Verdachtsfälle gerüstet.

Genf. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat den Ausbruch des Ebola-Virus in Westafrika als internationalen Notfall eingestuft. Um die Verbreitung der Krankheit zu stoppen, sei eine außergewöhnliche Reaktion erforderlich, erklärte die WHO am Freitag. Die Ebola-Epidemie – die bislang größte und längste in der Geschichte – sei besorgniserregend genug, um zu rechtfertigen, dass sie zu einem internationalen Gesundheitsnotfall erklärt werde. Die Seuche hat in Sierra Leone, Guinea, Liberia und Nigeria seit März mindestens 961 Opfer gefordert.

Ruf nach Solidarität

WHO-Chefin Margaret Chan sagte, die Ankündigung vom Freitag sei „ein deutlicher Ruf nach internationaler Solidarität“. Die betroffenen Länder hätten „nicht die Kapazität, selbstständig mit einem Ausbruch dieser Größe und Komplexität fertig zu werden“, sagte sie auf einer Pressekonferenz in Genf. Sie rief die internationale Gemeinschaft auf, die nötige Hilfe so schnell wie möglich bereitzustellen. Die WHO hatte in dieser Woche ein Expertenkomitee zusammengerufen, das die Gefährlichkeit der Ebola-Epidemie einschätzen sollte. Empfehlungen für Reise- und Handelsverbote sprach die Organisation nicht aus. Allerdings sollten Personen, die engen Kontakt mit Ebola-Patienten hatten, keine Auslandsreisen unternehmen. Staaten, in denen Ebola grassiert, wurden aufgefordert, an Grenzübergängen und internationalen Flughäfen Gesundheitskontrollen einzurichten, um möglicherweise an Ebola erkrankte Menschen ausfindig zu machen. Andere Staaten wurden zu erhöhter Wachsamkeit angehalten.

Angespannt blieb die Lage in den betroffenen Ländern. Die liberianische Regierung hat fünf Landkreise unter Quarantäne gestellt. Zudem wurden Checkpoints eingerichtet. Soldaten hielten Fahrzeuge an und forderten die Fahrer auf, nicht in Richtung Hauptstadt weiterzufahren. Nigeria hat am Abend den nationalen Notstand ausgerufen. Die Bevölkerung wurde aufgerufen, Menschenansammlungen zu vermeiden.

Für Österreich und die EU wurden kaum größere Auswirkungen erwartet. „Es sollte kein allgemeines Reiseverbot oder ein Verbot des Handels ausgesprochen werden. Reisende in betroffene Länder sollten jedoch über Risiken und Präventionsmaßnahmen informiert werden“, erklärte Peter Kreidl, Experte im Gesundheitsministerium, am Freitag nach der Erklärung der WHO. Klar sei, dass man in der Lage sein müsse, Verdachtsfälle zu entdecken, abzuklären (mit qualifizierten Labormethoden) und, falls erforderlich, zu behandeln. Die einzelnen Länder sollten sich auch darauf vorbereiten, ihre Staatsbürger aus den betroffenen Gebieten evakuieren zu können.

„Die österreichische Bevölkerung braucht sich hinsichtlich des in Afrika aufgetretenen Ebola-Ausbruchs keine Sorgen zu machen“, beruhigte Österreichs Gesundheitsminister Alois Stöger (SPÖ). Es gebe keine direkten Flüge aus den betroffenen Ländern nach Österreich und kaum Tourismus in den Gebieten.

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