„Sewol“-Kapitän muss 36 Jahre ins Gefängnis

Welt / 11.11.2014 • 22:49 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Mehr als 300 Menschen starben beim Untergang vor sieben Monaten.

Seoul. Rund sieben Monate nach der „Sewol“-Katastrophe mit Hunderten Toten ist der Kapitän der südkoreanischen Unglücksfähre zu 36 Jahren Haft verurteilt worden. Lee Joon Seok habe seine Pflichten verletzt und trage die volle Verantwortung für das Unglück, erklärten die Richter am Dienstag. 295 Menschen waren beim Untergang der „Sewol“ am 16. April 2014 offiziell ums Leben gekommen, neun werden noch immer vermisst. Die meisten Opfer waren Schüler auf einem Ausflug. Der Kapitän war unter den ersten, die das Schiff verließen. Die Staatsanwaltschaft hatte die Todesstrafe verlangt. Diese wird in Südkorea aber seit Längerem nicht mehr vollstreckt.

Keine Tötungsabsicht

Das Bezirksgericht in der südkoreanischen Stadt Kwangju sprach den 69-jährigen Kapitän jedoch vom Mordvorwurf frei: Er trage die volle Verantwortung, aber Tötungsabsicht könne ihm nicht unterstellt werden, hieß es in der Urteilsbegründung. Kurz zuvor hatte das südkoreanische Ministerium für Ozeanangelegenheiten angekündigt, die Suche nach den neun letzten Vermissten einzustellen.

Der erste Maschinist des Schiffes wurde wegen Mordes zu 30 Jahren Gefängnis verurteilt, wie Südkoreas Nachrichtenagentur Yonhap berichtete. Er habe zwei verletzte Crewmitglieder in voller Absicht ihrem Schicksal überlassen. 13 weitere Besatzungsmitglieder wurden zu Haftstrafen zwischen fünf und 20 Jahren verurteilt.

Die Angehörigen der Opfer zeigten sich nach dem Urteil enttäuscht: Man solle die Angeklagten doch gleich freilassen, wenn das Leben ihrer Kinder so wertlos sei, zitierten Medien die Hinterbliebenen. An Bord der „Sewol“ hatten sich zur Zeit des Unglücks vor der Südwestküste des Landes 476 Menschen befunden. Viele waren Schüler, unterwegs zur Ferieninsel Cheju. Als die Auto- und Personenfähre „Sewol“ am Vorabend des 16. April von Inchon abfuhr, war sie deutlich überladen, wie Ermittler später herausfanden.

Bei der Katastrophe kippte die „Sewol“ plötzlich zur Seite und lief schnell mit Wasser voll. Viele der Insassen wurden eingeschlossen. Es setzte eine dramatische Rettungsaktion ein. An den Fernsehern erlebten die Südkoreaner mit, wie die Küstenwache mit Hubschraubern und Booten versuchte, Insassen zu retten, bevor das Schiff binnen weniger Stunden komplett sank.

Anfang November hatte das südkoreanische Parlament als Konsequenz aus der Katastrophe ein Gesetzespaket verabschiedet. Das „Sewol“-Spezialgesetz zielt auf eine unabhängige Untersuchung des Unglücks.

Entschädigung für Familien

Künftig wird es darüber hi­naus möglich sein, das Vermögen von Unfallverantwortlichen einzuziehen. Kurz nach dem Urteil am Dienstag kündigte das südkoreanische Parlament an, bald mit den Beratungen über die Entschädigung der Opferfamilien zu beginnen.