Historische Landung mit Problemen

Welt / 12.11.2014 • 22:47 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Ein Meilenstein: Erstmals gelingt eine Landung auf einem Kometen, allerdings mit Problemen.

Darmstadt. Erstmals in der Geschichte der Raumfahrt ist die Landung eines Mini-Labors auf einem Kometen gelungen. Mehr als eine halbe Milliarde Kilometer von der Erde entfernt, setzte das kühlschrankgroße Landegerät „Philae“ am Mittwochnachmittag auf dem Himmelskörper „67P/Tschurjumow-Gerassimenko“ auf. Im Satellitenkontrollzentrum der europäischen Weltraumorganisation Esa in Darmstadt löste die Premiere im All großen Jubel aus. Vorerst.

Kurz darauf der erste Knackpunkt: Eine Düse zum Aufdrücken von „Philae“ auf „Tschuri“ habe nicht funktioniert, teilte die europäische Weltraumorganisation Esa am Mittwochabend mit. Außerdem hätten zwei Harpunen nicht ausgelöst werden können, um mit ihnen das Labor im Boden des Himmelskörpers zu verankern. Zudem könnte „Philae“ nach dem Aufsetzen womöglich auch noch einmal abgehoben haben, sei aber wieder auf „Tschuri“ zurückgekehrt. „Wir sind also zwei Mal gelandet“, sagte der österreichische Landemanager Stephan Ulamec im Scherz. Es gab aber auch schon Daten von der Kometenoberfläche. Das Labor war an Bord der Raumsonde Rosetta zehn Jahre lang zu dem Kometen mit dem Spitznamen „Tschuri“ gereist. Am Mittwochmorgen erfolgte die Trennung.

„Unsere ehrgeizige Rosetta-Mission hat sich einen Platz in den Geschichtsbüchern gesichert“, jubelte Esa-Generaldirektor Jean-Jacques Dordain. „Mit Rosetta öffnen wir die Tür zum Ursprung des Planeten Erde und fördern ein besseres Verständnis unserer Zukunft.“

Rosetta und das Landegerät sollen den Kometen analysieren, um möglichst viel über ihn und den Beginn des Sonnensystems vor rund 4,6 Milliarden Jahren zu erfahren. Auch Hinweise auf die Entstehung des Lebens erhoffen sich die Forscher, etwa durch den Nachweis von organischen Molekülen wie Aminosäuren. Bis zum Tag der Landung legte Rosetta in zehn Jahren, acht Monaten und zehn Tagen rund 6,5 Milliarden Kilometer im All zurück.

Aufsetzen war schwierig

Der Landeplatz namens „Agilkia“ wurde sechs Wochen nach dem Einschwenken der Sonde in die Umlaufbahn des Kometen anhand von Bildern und Daten ausgewählt. Das Aufsetzen des Labors war besonders schwierig: Die Oberfläche des Kometen ist mit Gesteinsbrocken übersät, es gibt dort hoch aufragende Felswände und steile Abgründe.

Die Sonde war 2004 mit einer Ariane-5-Rakete von der Weltraumstation Kourou in Französisch-Guayana gestartet. Insgesamt kostete das Projekt rund eine Milliarde Euro, 300 Millionen davon kamen aus Deutschland.