Elefantenmassaker in Tansania: Tiere in Gefahr

Welt / 10.05.2015 • 22:38 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die Jagd nach Elfenbein lässt die Zahl der Elefanten drastisch schrumpfen.  Fotos: AP, Reuters
Die Jagd nach Elfenbein lässt die Zahl der Elefanten drastisch schrumpfen. Fotos: AP, Reuters

Die Population ist in den vergangenen sechs Jahren um 65.000 Tiere zurückgegangen.

Dodoma. Die Zahl der Elefanten im ostafrikanischen Safariparadies Tansania ist in den vergangenen sechs Jahren offiziellen Erhebungen zufolge um 65.000 Tiere zurückgegangen, das entspricht
60 Prozent der Gesamtpopulation. Der „Spiegel“ zitierte am Samstag dramatische Statistiken des Tanzania Wildlife Research Institute, die demnach seit Monaten von der Regierung unter Verschluss gehalten und vertuscht werden.

Dramatische Zahlen

Besonders schlimm betroffen seien die Dickhäuter im Ruaha-Rungwa-Gebiet im Zentrum Tansanias, das lange für seinen riesigen Elefantenbestand bekannt war: Hier sei die Population allein seit 2013 von 20.000 auf 8500 Exemplare gefallen, hieß es.

„Im Jahr 2006 lebten dort noch 35 461 Tiere, ein Rückgang um 76 Prozent in acht Jahren“, teilte die Tierschutzorganisation Pro Wildlife mit. Wilderei für den Elfenbeinhandel gelte als Hauptursache. „Besonders stark ist die Altersgruppe von Elefanten über 40 Jahren mit großen Stoßzähnen zurückgegangen“, so Pro-Wildlife-Sprecherin Daniela Freyer.

„Wir erleben eine neue Eskalationsstufe der Wilderei“, so die Expertin. Die tansanische Regierung halte die Daten zurück, „um es sich nicht mit der internationalen Gebergemeinde zu verscherzen, und suggeriert gleichzeitig, alles für die Elefanten zu tun“, erklärte Freyer. Organisierte Wilderei und Korruption seien aber weiterhin am Werk. Tansania, das trotz der Einnahmen aus dem Tourismus weiter als eines der ärmsten Länder der Welt gilt, erhält im Gegenzug für den angeblichen Schutz der Elefanten Entwicklungshilfe in Millionenhöhe, auch aus der EU.

Die tansanische Zeitung „Citizen“ hatte erst vor wenigen Tagen den Minister für natürliche Ressourcen und Tourismus, Lazaro Nyalandu, mit den Worten zitiert, allein von Januar 2014 bis März 2015 habe die Regierung bei Anti-Wilderei-Operationen über 1800 Kilogramm Elfenbein beschlagnahmt. In den vergangenen drei Monaten seien weitere 39 Stoßzähne sichergestellt worden, lobte er die Behörden.

Elfenbein ist vor allem in Asien beliebt, wo es für Schnitzereien und für die Herstellung traditioneller Medizin verwendet wird. Der illegale Handel mit erlegten Wildtieren, darunter auch Nashörner, Menschenaffen und Haien, ist mittlerweile zu einem Milliardengeschäft geworden.

FILE - In this June 21, 2013 file photo, workers prepare seized elephant tusks to be crushed by a backhoe during a destruction ceremony at the Protected Areas and Wildlife Bureau of the Department of Environment and Natural Resources in Quezon city, northeast of Manila, Philippines. The London-based Environmental Investigation Agency said Thursday, Nov. 6, 2014 Chinese officials used a state trip by Chinese President Xi Jinping and other high-level visits to smuggle ivory out of Tanzania. In a report the environmental watchdog says Chinese-led criminal gangs conspired with corrupt Tanzanian officials to traffic huge amounts of ivory, some of which was loaded in diplomatic bags on Xi's plane during a presidential visit in March 2013. (AP Photo/Bullit Marquez, File)
FILE – In this June 21, 2013 file photo, workers prepare seized elephant tusks to be crushed by a backhoe during a destruction ceremony at the Protected Areas and Wildlife Bureau of the Department of Environment and Natural Resources in Quezon city, northeast of Manila, Philippines. The London-based Environmental Investigation Agency said Thursday, Nov. 6, 2014 Chinese officials used a state trip by Chinese President Xi Jinping and other high-level visits to smuggle ivory out of Tanzania. In a report the environmental watchdog says Chinese-led criminal gangs conspired with corrupt Tanzanian officials to traffic huge amounts of ivory, some of which was loaded in diplomatic bags on Xi’s plane during a presidential visit in March 2013. (AP Photo/Bullit Marquez, File)