Noch kein Prozess nach Loveparade-Tragödie

Welt / 23.07.2015 • 22:47 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Nach der Katastrophe zündeten Menschen an der Unglücksstelle zahlreiche Kerzen für die Opfer an. Foto: dpa
Nach der Katastrophe zündeten Menschen an der Unglücksstelle zahlreiche Kerzen für die Opfer an. Foto: dpa

Auch fünf Jahre nach der Katastrophe warten Angehörige auf einen Schuldspruch.

duisburg. Als bei der Loveparade in Duisburg vor fünf Jahren eine Rampe zum Festgelände zur tödlichen Falle wird, ändert sich das Leben Hunderter Familien auf einen Schlag. 21 Menschen sterben im Gedränge, mehr als 500 werden verletzt. Viele Betroffene leiden immer noch dramatisch unter den Folgen der Katastrophe.

Bei der „Nacht der 1000 Lichter“, am Donnerstagabend vor dem fünften Jahrestag, haben Opfer und Angehörige der 21 Toten gedacht. Die Wunden sind noch längst nicht verheilt, die Frage nach der Verantwortung für die Tragödie ist weiter offen. Auch Loveparade-Gründer DJ Dr. Motte nahm an der Gedenkveranstaltung der Angehörigen teil. „Ich will einfach für die Betroffenen da sein, die zu Schaden gekommen sind“, sagte der Künstler.

Schuldfrage nicht geklärt

Fünf Jahre sind seither vergangen. Die Schuldfrage ist noch immer nicht geklärt, das Verfahren dauert an. Zwar hat die Staatsanwaltschaft zehn Mitarbeiter der Stadt Duisburg und des Loveparade-Veranstalters angeklagt. Ob das Landgericht Duisburg jedoch das Hauptverfahren eröffnet, daran zweifeln viele Betroffene. „Wir können nicht verstehen, dass die Hauptverdächtigen dieser Katastrophe frei spazieren können“, sagte der spanische Vater Paco Zapater am Donnerstag. Er verlor bei den Ereignissen zwei Töchter, Gabi Müller ihren Sohn. „Es ist gar nichts geschehen. Ich weiß nicht, wie wir zur Ruhe kommen sollen. Für mich ist das unmenschlich“, sagt sie.

Aber nicht nur die Angehörigen, auch ehemalige Sicherheitsleute leiden. „Ich habe das Gefühl, dass ich die Leute in den Tod geschickt habe“, sagt Nicole Ballhause. Als sie vor fünf Jahren zum Einsatz an der Rampe gerufen wurde, lagen drei Tote vor ihr. Diesen Anblick werde sie nie vergessen. Über ihrer linken Brust ist das Datum der Katastrophe eintätowiert: 24.7.2010. „Wenn ich bei Gedenkveranstaltungen die Eltern sehe, fühl‘ ich mich so schuldig.“