Sonne bringt Komet „Tschuri“ ins Schwitzen

Welt / 12.08.2015 • 22:41 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Auf seiner nächsten Runde wird „Tschuri“ den sonnennächsten Punkt erst wieder in 6,5 Jahren durchfliegen. Foto: Reuters
Auf seiner nächsten Runde wird „Tschuri“ den sonnennächsten Punkt erst wieder in 6,5 Jahren durchfliegen. Foto: Reuters

Der Komet nähert sich mit einer Entfernung von 186 Millionen Kilometern dem nächsten Punkt zur Sonne.

Köln. Der Komet „Tschuri“ hat sich dampfend und staubend der Sonne genähert. Nach Angaben des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) verschwinden dabei pro Sekunde einige Hundert Kilogramm Kometenmasse im All. Mit der Annäherung an den nächsten Punkt zur Sonne verdampfen die gefrorenen Bestandteile und reißen Kometenstaub mit sich.

Der Komet mit dem wissenschaftlichen Namen „67P/Tschurjumow-Gerassimenko“ sollte den Punkt am heutigen Donnerstag um 4.03 Uhr erreichen. Er ist dann 186 Millionen Kilometer von dem Gestirn entfernt.

„Höhepunkt im September“

Die Aktivität des Kometen werde jedoch erst im September am größten sein, sagte „Rosetta“-Flugdirektor Andrea Accomazzo in Darmstadt. „Tschuri“ erwärme sich nur langsam. Ein Auseinanderbrechen sei sehr unwahrscheinlich.

Zu heiß wird es auch dem kleinen Landeroboter „Philae“ auf „Tschuri“ nach Einschätzung der Forscher nicht. Zwar werden maximal 80 Grad Hitze erwartet, aber „Philae“ ist ja ungeplant an dem schattigen und kühlen Plätzchen „Abydos“ gelandet, wie das DLR mitteilte. 50 Grad Celsius, die der Lander und seine Instrumente mindestens aushalten, werden dort wohl nicht überschritten, sagte „Philaes“ Technischer Manager Koen Geurts.

Die Nähe zur Sonne sei auch für die Raumsonde „Rosetta“ im All, die den kühlschrankgroßen Landeroboter „Philae“ huckepack zum Kometen gebracht hatte, kein Problem, meint der Flugdirektor. Zu „Tschuri“ werde die Raumsonde aber vorsichtshalber einen Sicherheitsabstand von voraussichtlich mindestens etwa 200 Kilometern einhalten. „Rosetta“ muss wegen der Gas- und Staubentwicklung des Kometen vorsichtig sein. Durch den Kometenstaub hatte die Raumsonde im April vorübergehend Probleme mit der Orientierung. Der größere Abstand von „Rosetta“ zu „Tschuri“ schmälere die Chancen für eine gute Verbindung zu „Philae“, sagt der Projektleiter am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt, Stephan Ulamec. Es gebe keine verlässliche und stabile Verbindung. Der Lander hatte sich zuletzt am 9. Juli bei seinem Team gemeldet. Trotzdem haben die DLR-Ingenieure dem „Philae“ „blind“ Arbeitsaufträge erteilt in der Hoffnung, dass er sie zwar empfängt, aber einfach nur keine Empfangsbestätigung schicken kann.

Die DLR-Forscher wollten von dem Landeroboter Bilder von dem Gelände bekommen, um zu sehen, ob sich die Umgebung seit der Landung im November verändert hat. Sie wollen organische Gase messen, die Temperatur bestimmen und weitere Daten zur inneren Struktur nehmen. „Philae“ soll an Ort und Stelle das Kometenmaterial analysieren und damit einen Blick in die Kinderstube des Systems erlauben.

Zwei Monate bleiben noch. „Im Oktober, November sind wir so weit von der Sonne entfernt, dass keine Chance mehr besteht, den Lander zu aktivieren“, sagt der DLR-Mann.