Frühere Labor-Affen brauchen dringend Hilfe

Welt / 28.08.2015 • 22:38 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Die Schimpansen sind trotz ihrer Freiheit auf menschliche Versorgung angewiesen. Foto: AP
Die Schimpansen sind trotz ihrer Freiheit auf menschliche Versorgung angewiesen. Foto: AP

Ehemalige Versuchs­affen leben in Liberia in Freiheit. Doch ihre Versorgung ist in Gefahr.

monrovia. Das Speedboot kommt, mit Futter. Die elf Schimpansen springen aus den Büschen, herunter von den Bäumen. Sie versammeln sich am Strand, geben freudige Laute von sich. Die elf Tiere gehören zu insgesamt 66 Schimpansen, die jahrelang zur medizinischen Forschung benutzt wurden.

Versuche in den 1970ern

Das Unternehmen New York Blood Center führte an den Affen in den 1970er-Jahren in Liberia unter anderem Hepatitis-B-Tests durch, die Laborversuche endeten vor zehn Jahren. Die Schimpansen leben auf sechs Mangroven-Inseln, die zusammen Chimpanzee Island bilden, etwa 50 Kilometer südöstlich der liberianischen Hauptstadt Monrovia. Noch bis vor wenigen Monaten kam das Blood Center finanziell für die Versorgung der Tiere auf, aber damit ist seit März Schluss, wie die Humane Society of the United States mitteilte. Die US-Tierschutzorganisation hilft jetzt selber beim Beschaffen des Futters – und hofft auf eine Dauerlösung.

„Tiere gehören Regierung“

Das New York Blood Center sei seiner Verantwortung nicht mehr nachgekommen, sagt Fatorma Bolay vom liberianischen Institut für Biomedizinische Forschung der AP. „Wir tun unser Bestes.“ Das Blood Center selber erklärt auf seiner Webseite, dass die Tiere der liberianischen Regierung gehörten, „und deren Offizielle haben wiederholt eingeräumt, dass sie für die Versorgung der Schimpansen verantwortlich sind.“ Die bisherige Hilfe, die man geleistet habe, sei freiwillig erfolgt, heißt es.

Der Stopp der finanziellen Zuwendungen habe eine Lücke geschaffen, beklagt John Abayomi Zeonyuway, ein Freiwilliger und Ko-Direktor des liberianischen Instituts. „Was, wenn die Humane Society sich zurückzieht? Dann werden diese Schimpansen ganz verhungern.“ Die Mangroven-Inseln sind üppig grün, aber es gibt dort nur wenig natürliche Nahrung für die Tiere. Umgeben von unsauberem Salzwasser, sind die Schimpansen auf Frischwasser-Reservoirs angewiesen, die von den Betreuern  aufgefüllt werden. Die Versorgung der Tiere kostet monatlich zwischen 25.000 und 30.000 Dollar, wie Zeonyu­way sagt. Die liberianische Regierung, der es an Bargeld mangelt, habe kein Interesse daran gezeigt, für die Tiere zu sorgen.

160.000 Dollar gesammelt

Die Humane Society der USA hat mit Hilfe der Crowd-Funding-Webseite GoFundMe ca. 160.000 Dollar gesammelt, schildert Kathleen Conlee, Vizepräsidentin für den Bereich Tierforschung bei der Organisation. „Die Unterstützung für die Schimpansen war wunderbar, aber dieses Spendensammeln lässt sich nicht langfristig aufrechterhalten.“ Das New York Blood Center müsse ein gewisses Maß an Hilfe leisten, „und wir werden sie weiter bedrängen, bis sie das tun. Sie waren es, die die Schimpansen aus der Wildnis einfingen und diese schreckliche Situation geschaffen haben.“