Erster Prozess nach Loveparade-Tragödie

Welt / 01.09.2015 • 22:47 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
In jenem Tunnel, in dem es zu der verheerenden Massenpanik kam, sind heute schemenhafte Gestalten zu sehen. Foto: dpa
In jenem Tunnel, in dem es zu der verheerenden Massenpanik kam, sind heute schemenhafte Gestalten zu sehen. Foto: dpa

Ein traumatisierter Feuerwehrmann fordert für Loveparade-Einsatz Entschädigung.

duisburg. „Wenn wir das finanziell in irgendeiner Form stemmen können, werden wir bis zum Europäischen Gerichtshof gehen“, sagt Feuerwehrmann Ralf S. kurz nach der Zivilverhandlung im Duisburger Landgericht am Dienstag. Der Helfer erlebte die Loveparade-Katastrophe vor fünf Jahren vor Ort mit. Nach seinen Worten hatte der Einsatz dramatische Folgen: Wegen der Traumatisierung könne er nicht mehr arbeiten, bis heute kämpfe er mit psychischen Problemen, sagt er.

90.000 Euro gefordert

Darum fordert Ralf S. vom Land und vom Veranstalter 90.000 Euro Entschädigung. Er sieht sie in der Verantwortung für die Katastrophe, bei der 21 Menschen starben und Hunderte verletzt wurden. Sein Einsatz in Duisburg sei „wie im Krieg“ gewesen. Es sei kein Berufsrisiko, sondern ein Grauen, das er erleben musste. Richter Stefan Ulrich ist da anderer Meinung. Ralf S. sei „Kraft seines Amtes zu Hilfe geeilt“. Außerdem sei er nicht unmittelbar von dem Unglück betroffen gewesen. Die Loveparade beschäftigt das Landgericht in Duisburg noch lange: Denn der Fall von Ralf S. ist nur das erste von neun anhängigen Zivilverfahren. Bei der strafrechtlichen Aufarbeitung der Loveparade-Katastrophe ist es nach wie vor nicht klar, ob es eine Hauptverhandlung geben wird.

„Es kommt vor, dass Feuerwehrleute nach einem Einsatz mit psychischen Problemen kämpfen“, sagt die Hamburger Feuerwehrpastorin Erneli Martens. „Zu besonders belastenden Momenten zählt etwa, dass Menschen schreiend sterben und keine Hilfe möglich ist. Sind Kindern betroffen, dann potenziert sich das nochmal.“ Allerdings könnten sich Kollegen mit psychologischer Unterstützung wieder erholen. Zwar würden Feuerwehrleute danach ausgewählt, dass sie psychisch belastbar sind. „Aber auch eine starke Seele kann verwundet werden und braucht dann Zeit und professionelle Hilfe, damit diese Wunde verheilen kann.“