Starkes Beben und Flutwelle in Chile

Welt / 17.09.2015 • 23:06 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Zahlreiche Gebäude wurden von den Erschütterungen beschädigt. Viele mussten die Nacht im Freien verbringen. Foto: Reuters
Zahlreiche Gebäude wurden von den Erschütterungen beschädigt. Viele mussten die Nacht im Freien verbringen. Foto: Reuters

Bis zu fünf Meter hohe Wellen trafen die ­Küste. Eine Million Menschen wurde ­evakuiert.

Santiago de Chile. Eines der bislang heftigsten Erdbeben in der Geschichte Chiles hat in dem südamerikanischen Land schwere Schäden verursacht. Häuser stürzten ein, Straßen wurden verschüttet, mindestens elf Menschen kamen ums Leben. Dank eines professionellen Frühwarnsystems blieb eine Katastrophe nach dem Beben allerdings aus. Die Erschütterungen erreichten eine Stärke von 8,4 und lösten in weiten Teilen des Pazifikraums eine Tsunami-Warnung aus – von Hawaii bis Neuseeland. Stunden nach dem Beben konnte der Tsunami-Alarm in Chile aufgehoben werden.

Rund 50 Nachbeben

In Chile erreichten Wellen von bis zu fünf Metern Höhe einige Teile der Küste und setzten manche Orte unter Wasser. Rund eine Million Menschen entlang der weitläufigen Küstenregion war in Sicherheit gebracht worden. Rund 50 Nachbeben versetzten die Menschen im Land immer wieder in Angst und Schrecken, das stärkste davon soll eine Stärke von 7,6 erreicht haben.

Die Erschütterungen beschädigten zahlreiche Gebäude. Straßen wurden durch Schlamm und Geröll blockiert, vielerorts fielen der Strom und die Wasserversorgung aus. Eine Frau starb durch eine umstürzende Mauer, eine andere bei einem Erdrutsch. Drei Männer erlagen Herzinfarkten. Die Todesursache der übrigen Opfer war zunächst nicht bekannt. Laut Medienberichten gibt es mehrere Vermisste.

Innenstaatssekretär Mahmud Aleuy sagte, es habe sich um das sechststärkste Beben in der Geschichte Chiles gehandelt. Es ereignete sich am Mittwoch um 19.54 Uhr Ortszeit vor der Küste der Region Coquimbo, nahe der Ortschaft Canela Baja und der Stadt Illapel, die rund 280 Kilometer nördlich der Hauptstadt Santiago liegt. Der Erdbebenherd lag nach Angaben der örtlichen Behörden in rund 16 Kilometern Tiefe. Das Beben war bis in die argentinische Hauptstadt Buenos Aires und in Montevideo in Uruguay zu spüren.

Menschen in Panik

Auf TV-Bildern waren Menschen zu sehen, die in Panik aus Gebäuden rannten. „Bei vielen Häusern sind Mauern eingestürzt“, sagte der Chef der Feuerwehr von Illapel, Fabián Olivares Hidalgo. Präsidentin Michelle Bachelet erklärte die am stärksten getroffenen Gegenden zum Katastrophengebiet, um die Hilfe für die Bevölkerung zu beschleunigen.
Erdbeben sind in Chile keine Seltenheit.

Zu einer Katastrophe war es 1939 gekommen. Nach einem Beben der Stärke 7,8 starben 28 000 Menschen. Auch das stärkste je gemessene Erdbeben geschah in Chile: 1960 registrierten Geologen die Stärke 9,5 – 1655 Menschen starben. Das Zentrum lag damals mehrere hundert Kilometer südlich des Bebens vom Mittwoch. Im Februar 2010 waren bei einem schweren Erdbeben der Stärke 8,8 mehr als 520 Menschen getötet worden.

Um den Pazifischen Ozean herum liegt ein Gürtel aus etwa 450 aktiven Vulkanen, der als Pazifischer Feuerring bezeichnet wird. Hier treffen verschiedene Platten der Erdkruste aufeinander. Es kommt zu tektonischen Verschiebungen und Verwerfungen.

Zahlreiche Gebäude wurden von den Erschütterungen beschädigt. Viele mussten die Nacht im Freien verbringen. Foto: Reuters
Zahlreiche Gebäude wurden von den Erschütterungen beschädigt. Viele mussten die Nacht im Freien verbringen. Foto: Reuters
Zahlreiche Gebäude wurden durch die Erschütterungen beschädigt. Viele Bewohner mussten die Nacht im Freien verbringen. Foto: Reuters
Zahlreiche Gebäude wurden durch die Erschütterungen beschädigt. Viele Bewohner mussten die Nacht im Freien verbringen. Foto: Reuters
Wir waren gerade am Abendessen, als das Beben anfing. Die Kellner versuchten uns zu beruhigen. Ich dachte nur, wo ist der Notausgang. Ob Gläser oder Teller, alles fiel krachend zu Boden. Alex Martin, 43, Altach

Wir waren gerade am Abendessen, als das Beben anfing. Die Kellner versuchten uns zu beruhigen. Ich dachte nur, wo ist der Notausgang. Ob Gläser oder Teller, alles fiel krachend zu Boden. Alex Martin, 43, Altach

Zuerst dachte ich, dass es nicht so schlimm ist. Aber dann hat es richtig stark angefangen zu wackeln, so dass in meiner Wohnung Bücher aus den Regalen flogen. Es war ein beunruhigendes Gefühl. Chiara Gottschalk, 20, Egg

Zuerst dachte ich, dass es nicht so schlimm ist. Aber dann hat es richtig stark angefangen zu wackeln, so dass in meiner Wohnung Bücher aus den Regalen flogen. Es war ein beunruhigendes Gefühl. Chiara Gottschalk, 20, Egg