Forscher befürchten ein Megabeben in Seattle

Welt / 08.10.2015 • 22:45 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Forscher rechnen mit dem „Really Big One“, dem wirklich großen Beben. Nur wann es kommt, können sie nicht sagen.  Foto: Reuters
Forscher rechnen mit dem „Really Big One“, dem wirklich großen Beben. Nur wann es kommt, können sie nicht sagen.  Foto: Reuters

Seattle ist extrem erdbebengefährdet, aber auch vom Mount Ranier droht Gefahr.

Seattle. Seattle steht unter Spannung und das seit Jahrhunderten schon. Die ganze Region ist erheblich erdbebengefährdet, Wissenschafter rechnen mit dem „Really Big One“, dem wirklich großen Beben.

Die Rede ist von der Cascadia-Subduktionszone, sagt Professor John Vidale von der University of Washington in Seattle. Das ist ein Graben, der sich von Nordkalifornien über die Staaten Oregon und Washington über Seattle bis nach Vancouver in Kanada zieht. „Hier stoßen zwei Platten aneinander, und die Spannungen haben sich seit Jahrhunderten aufgebaut“, erklärt Vidale. „Wir wissen, dass das Beben kommen wird. Und es könnte das ganz große werden.“ Es sei sogar ein Beben jenseits der 9,0 denkbar, warnte Vidale. „Das wäre ‚The Really Big One‘.“ Bei dem „wirklich großen“ Beben müsse mit erheblichen Opfern gerechnet werden, selbst im dünn besiedelten Nordwesten.

Tausende Opfer befürchtet

„Wir gehen von mindestens 3000, 4000 Toten aus. Aber wenn es zum Tsunami kommt und an einem schönen Tag alle am Wasser sind, könnten es auch 15.000 oder mehr werden“, sagte Vidale. Das wäre die mit Abstand größte Katastrophe in der Geschichte der USA. Die US-Katastrophenbehörde Fema geht von 13.000 Toten aus, von einer Million Obdachlosen. „Dieses eine Mal hoffe ich, dass sich alle Wissenschafter irren und es die nächsten tausend Jahre nicht passiert“, sagte Fema-Regionalchef Kenneth Murphy der Zeitschrift „The New Yorker“.

Aber wie wahrscheinlich ist ein solches Beben? „Wir müssen alle 200 bis 800 Jahre damit rechnen“, sagt Vidale. „Das letzte war vor 300 Jahren.“ Prognosen seien immer schwierig, bei der Cascadia aber besonders. Hinzu kommt, dass Seattle und andere Städte wie Olympia noch einmal auf eigenen Spalten stehen, das macht eine brauchbare Vorhersage fast unmöglich.

Und es droht noch eine Gefahr: Der Mount Ranier mit fast 4400 Metern ist der höchste Punkt der Kaskadenkette und das Ziel von zwei Millionen Touristen im Jahr. Aber Rainier ist auch ein Vulkan; schlafend zwar, aber nach wie vor aktiv. Bei einem Ausbruch würde die Lava den Schnee des Berges schmelzen. Das Ergebnis wären sogenannte Lahare – Ströme aus Wasser, Schutt und Gesteinsbrocken, die sich Dutzende Kilometer ausbreiten. „Sie zerstören praktisch alle menschengemachten Strukturen“, warnt der geologische Dienst der USA. „Etwa 80.000 Menschen leben in der Lahar-Zone des Mount Rainier.“ Auch wenn sicher die meisten gerettet werden könnten, die Opferzahl könnte fünfstellig sein.