Wunder von Chile jährt sich zum fünften Mal

12.10.2015 • 20:24 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Diese Bilder gingen um die Welt: Vor fünf Jahren wurden alle 33 verschütteten Bergarbeiter gerettet. Foto: reuters
Diese Bilder gingen um die Welt: Vor fünf Jahren wurden alle 33 verschütteten Bergarbeiter gerettet. Foto: reuters

Fast 70 Tage lang waren 33 Bergarbeiter unter der Erde gefangen. Heute streiten sie sich vor Gericht.

santiago de chile. 33 Kumpel hatten nach einem Grubenunglück in der chilenischen Atacama-Wüste 69 Tage in 700 Metern Tiefe überlebt, bevor sie mit der Rettungskapsel „Phönix“ am 13. Oktober 2010 an die Oberfläche gebracht werden konnten. Auch fünf Jahre danach lässt viele der Männer das Unglück nicht los.

Unter Tage hielten sich die Eingeschlossenen mit Thunfisch aus Dosen und Milch am Leben, bis eine Sonde mit einem Spezialbohrer zu ihnen durchkam: Die Männer schickten einen Zettel nach oben: „Hier sind 33 Personen. Wir sind alle am Leben.“

Um die 1600 Journalisten aus aller Welt folgten der Rettungsaktion bei Copiapo. Nun bringt sogar eine Verfilmung des Dramas („The 33“) mit Antonio Banderas die 33 zurück ins Rampenlicht. Im Rahmen der internationalen Vorstellung sollen die Kumpel von Papst Franziskus empfangen werden. Ob sie sich zusammen fotografieren lassen, ist fraglich. Omar Reygadas und drei weitere Kumpel haben Anzeige bei der Staatsanwaltschaft von Copiapó erstattet: Es solle untersucht werden, was mit dem Geld passiert sei, mit dem die Stiftung „Los 33 de Atacama“ gegründet wurde, der die Bergarbeiter angehören. Die Anzeige richtet sich gegen den Schichtführer Luis Urzúa und zwei Kumpel, die die Stiftung leiten. Urzúa wies in der Zeitung „El Mercurio“ die Beschuldigung zurück.

Der Zivilprozess der Kumpel gegen das Minenunternehmen San Esteban und den Staat kommt indes schleppend voran. Auf der strafrechtlichen Seite stellte die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen ein, ohne Anschuldigungen zu formulieren. Es gäbe nicht genug Gewissheit über das Unglück, erklärte die Behörde damals.

Heute steht ein fünf Meter hohes Betonkreuz an der geschlossenen Mine „San José“. Einer der 33, Jorge Galleguillos, führt Besucher über das Gelände. Er werde jeden Morgen von Albträumen geweckt, sagt er.