„El Niño“ in Kalifornien in den Startlöchern

Welt / 13.10.2015 • 22:51 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Sturmfluten und Überschwemmungen hielten Kalifornien beim letzten „El Niño“-Rekordwinter 1998 in Atem. Foto: AP
Sturmfluten und Überschwemmungen hielten Kalifornien beim letzten „El Niño“-Rekordwinter 1998 in Atem. Foto: AP

Nach vierjähriger Dürre kann Kalifornien auf einen nassen Winter hoffen. Oder drohen neue Wetterextreme?

los angeles. Kalifornien ist im Schwitzkasten: Es ist Mitte Oktober und in Los Angeles klettern die Temperaturen drei Tage lang hintereinander auf über 35 Grad. Es ist das vierte Jahr mit einer der schwersten Dürren in dem inzwischen braun-verdorrten Westküstenstaat.

In diesem Winter kommt auf Kalifornien möglicherweise ein anderer Wetterrekord zu. „El Niño“ – Spanisch für „das (Christ)kind“ – sitzt in den Startlöchern, darin sind sich die Klimaforscher einig. „Es sind gute und schlechte Nachrichten“, sagt der Meteorologe Jack Boston vom Wetterdienst AccuWeather über das regenreiche Phänomen. „Es könnte uns helfen, die Dürre zu lindern, aber die heftigen Stürme kommen mit vielen Gefahren, wie Erdrutsche, Überschwemmungen und Lawinen“, so die Prognose. Frühestens im Dezember rechnen die Meteorologen mit den ersten schweren Unwettern, doch schon jetzt wird vor dem „Godzilla“- und dem „Super-El Niño“ gewarnt.

Nach einem Dürrejahr mit ausgetrockneten und von schweren Waldbränden verkohlten Böden rüsten sich die Einsatzteams für weitere Katastrophen. In Kalifornien fraßen sich Waldbrände durch weite Landstriche, die nun kahl und ohne schützende Vegetation den Niederschlägen ausgesetzt sind.

Als die Ausläufer von Hurrikan Linda Mitte September außerplanmäßig Regen nach Los Angeles brachten, kam an vielen Stellen der Verkehr zum Erliegen. Die Feuerwehr twitterte über Rettungsaktionen im Los Angeles River, der Menschen mitgerissen hatte.

Ein nasses „El Niño“-Jahr könne auch vier Jahre Dürre nicht wettmachen, meint der staatliche Klimatologe Michael Anderson. Zudem könnte sich auch  „La Niña“ (das Mädchen) einstellen. Das war 1998 der Fall, als dem Regen-Rekordwinter im folgenden Jahr das trockene Gegenstück folgte. Eines ist gewiss: Kalifornien muss sich für weitere Wetterextreme wappnen.