Zoo seziert einen Löwen vor Augen von Kindern

15.10.2015 • 20:36 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die Sezierung des Löwen sorgt für Empörung im Netz und für gemischte Gefühlen bei den Kindern.  Foto: AP
Die Sezierung des Löwen sorgt für Empörung im Netz und für gemischte Gefühlen bei den Kindern.  Foto: AP

Zoo in Odense seziert seit 20 Jahren Tiere in den Schulferien. Sturm der Empörung im Netz.

Odense. Im dänischen Zoo Odense lag am Donnerstag ein toter Löwe auf einem Tisch neben dem Seelöwengehege. Um ihn herum: rund 400 neugierige Kinder und Erwachsene. Manche hielten sich die Nase zu, denn der Kadaver müffelte.
Der neun Monate alte Löwe wurde betäubt und getötet, weil nicht genug Platz im Käfig war und Inzucht drohte. Indem der Biologe Rasmus Kolind und eine Kollegin ihn vor Kinderaugen ausnehmen, wollen sie den Jungen und Mädchen zeigen, wie die Tiere aussehen. „Wir wollen gerne erzählen, wie fantastisch Löwen sind – und wieviel ihr Körperbau mit unserem gemeinsam hat“, sagt Kolind.

Petition im Internet

Für diese Art Lehrstunde haben viele Menschen weltweit kein Verständnis: Eine Petition im Internet fand am Donnerstag mehr als 130.000 Unterstützer. In sozialen Medien beschimpfen wütende Nutzer den Zoo seit Tagen als „Tiermörder“ und die Dänen als „Barbaren“. Erschrockene oder ängstliche Kindergesichter sieht man in Odense nicht – nicht einmal, als Kolind dem Löwen das Fell vom Kopf zieht. Eher neugierige. Anne, die in der ersten Reihe steht, findet die Sezierung „spannend – aber es stinkt!“. Als der Löwe längst in viele Einzelteile zerlegt ist, stehen immer noch viele Kinder um das Raubtier herum und fragen den Biologen Löcher in den Bauch. „Das war richtig spannend, dass man so viel über die Tiere lernen konnte“, sagt Viktor Vasquez Plog, ein sechsjähriger Junge mit braunen Locken unter der grauen Schirmmütze.

Der Tod ist Teil des Lebens, finden viele Dänen. Und Kinder sollten ruhig wissen, wie ein Tier von innen aussieht. „Wir machen das seit 20 Jahren jedes Jahr in den Schulferien“, sagt Zoologin Nina Christensen. „Aber diesmal laufen die Medien völlig Amok.“
Grund dafür ist ein anderes totes Tier: das Giraffenjunge Marius, das der Kopenhagener Zoo im Februar 2014 tötete – und ebenfalls vor Kinderaugen auseinandernahm. Anschließend war Marius an die Löwen verfüttert worden. Zoodirektor Bengt Holst hatte das Vorgehen damals eisern verteidigt. Trotz Morddrohungen gegen ihn wehrte er sich gegen die „Disneyfizierung“ von Zootieren.

Wenn die Dänen keinen anderen Zoo im europäischen Zuchtprogramm finden, müssen die Tiere sterben. In Odense passiert so etwas „weniger als zehnmal im Jahr“, schätzt Christensen. Als im Jänner ein Tapir und ein Löwe getötet und öffentlich seziert wurden, blieb der Aufschrei aus. Anscheinend hatten die Medien davon einfach nicht Wind bekommen.