Pro Woche sperren rund 25 Pubs in England zu

16.10.2015 • 20:49 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Viele Pubs müssen schließen. Alkoholkontrollen, das Fernsehprogramm und das Familienleben werden dafür verantwortlich gemacht.  Reuters
Viele Pubs müssen schließen. Alkoholkontrollen, das Fernsehprogramm und das Familienleben werden dafür verantwortlich gemacht.  Reuters

Derzeit gibt es schätzungsweise noch 45.000 Pubs. Viele von ihnen gehen neue Wege.

London. Jede Woche müssen in Großbritannien 25 Pubs schließen. Viele Faktoren tragen dazu bei: schärfere Alkoholkontrollen, Rauchverbote und billiger Alkohol aus dem Supermarkt. Aber auch sich verändernde Gewohnheiten – seit 2010 ist der britische Bierumsatz um ein Viertel gesunken, Wein erfreut sich dagegen größerer Beliebtheit. Als eine Reaktion auf die Pub-Krise hat die britische Regierung die Steuern auf Bier und Cider gesenkt. Es sind aber auch nicht-wirtschaftliche Gründe, die zum Abgesang des Pubs beitragen.

„Pubs müssen sich ändern, sie müssen etwas bieten, das man sonst nirgends bekommt“, fordert David Brazier von der Initiative
CAMRA, die sich dafür einsetzt, dass Pubs neben herkömmlichen Bieren auch Ales – also traditionelle obergärige Biere – ausschenken. So mancher der schätzungsweise 45.000 noch bestehenden Pubs hat diese Marktlücke erkannt und verkauft Bier aus örtlichen Kleinbrauereien. Andere konzentrieren sich auf das nicht-flüssige Angebot. Im „Lamb Inn“ der Bannisters etwa gibt es auch Lebensmittel – und die 150 Einwohner Raintons erhalten regelmäßig Flugblätter mit den Menü-Specials. Solchen Firlefanz wird man im „Steamboat“ in South Shields nicht finden: Essen gibt es hier nicht, dafür gutes Bier. So will sich Betreiberin Kath Brain von der Konkurrenz abheben.

Eine ganz andere Antwort auf die Krise hat die Pub-Kette JD Wetherspoon. In den 900 Wetherspoon-Lokalen wird das billigste Bier der Stadt serviert – etwa 2,50 Pfund (3,40 Euro) für ein Pint – und oft auch das billigste Frühstück: mit Erfolg. Im Wetherspoon zu frühstücken, wird immer beliebter, das zeigen auch die Geschäftszahlen der Kette.

Gesellschaftlicher Wandel

Mit der Diversifizierung kehre das Pub nun wieder zu seiner Ursprungsfunktion als sozialer Treffpunkt für alle zurück, sagt Historiker Mark Hailwood von der Universität Oxford. Musik, Essen, politische Debatten – all dies gehörte in der Vergangenheit dazu. „Das Pub hat sich auch früher den Bedürfnissen der Kundschaft angepasst“, meint er. Für ihn ist der Überlebenskampf mancher Pubs auch ein positives Zeichen des gesellschaftlichen Wandels.

Für immer weniger Männer sei es in Ordnung oder wünschenswert, jeden Tag nach der Arbeit Stunden im Pub zu verbringen, während die Familie daheimsitze. „Männer wollen sich zunehmend in die Familie und Kindererziehung aktiv einbringen“, argumentiert Hailwood. Da bleibt weniger Zeit für Bier und Darts.