Tiefe Trauer nach dem Airbus-Absturz am Sinai

01.11.2015 • 21:43 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Die Unglücksursache ist weiterhin unklar. Das Flugzeug ist wahrscheinlich in der Luft zerbrochen.

st. petersburg, kairo. Bei der Flugzeugkatastrophe mit 224 Toten ist der russische Ferienflieger wahrscheinlich schon in der Luft über der Sinai-Halbinsel zerbrochen. Das geht aus ersten Einschätzungen der Moskauer Behörden zu dem bislang weltweit schwersten Flugzeugunglück dieses Jahres hervor. „Die Zerstörung ist in der Luft geschehen“, sagte Viktor Sorotschenko von der Untersuchungskommission am Sonntag. Aber es sei zu früh, weitere Schlussfolgerungen daraus zu ziehen.

Nach Angaben der russischen Justiz gab es bei den Besatzungsmitgliedern des Airbus A-321 der Fluggesellschaft Kolavia keine Auffälligkeiten. Die Qualität des Treibstoffs habe den Anforderungen entsprochen. Die örtlichen Behörden gehen nach Angaben aus Sicherheitskreisen von einem technischen Defekt aus.

In der Wüste zerschellt

Die meisten Passagiere des Fluges KGL 9268 nach St. Petersburg waren Urlauber aus Russland. Der Flieger mit 217 Passagieren und 7 Besatzungsmitgliedern an Bord war 23 Minuten nach dem Start in Sharm el-Scheich vom Radar verschwunden und in der Wüstenlandschaft der Sinai-Halbinsel zerschellt. Der Flugschreiber und der Stimmenrekorder seien nach erstem Augenschein nur gering beschädigt, sagte der russische Verkehrsminister Maxim Sokolow. Die noch versiegelten Blackboxen würden  in Russland oder in Ägypten ausgewertet.

Weite Teile im Norden der Sinai-Halbinsel sind militärisches Sperrgebiet. Extremistengruppen sind dort aktiv – darunter auch ein Ableger der Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Dieser hatte in einem Bekennerschreiben behauptet, die Maschine zum Absturz gebracht zu haben. Experten und Regierungsangehörige Russlands und Ägyptens bezeichneten dies als unwahrscheinlich. Doch allein die Behauptung der Extremisten reichte aus, um die Sicherheitsvorkehrungen bei einigen Fluggesellschaften zu erhöhen: Die Lufthansa, Air France und Emirates gaben bekannt, den Sinai bis auf Weiteres zu umfliegen.

Derweil begann die Bergung der 224 Leichen. Die Überreste von 163 Passagieren seien von der Absturzstelle in die Hauptstadt Kairo transportiert worden, teilte die Regierung Ägyptens am Sonntag mit. Eine erste Maschine mit etwa 100 Opfern könne am Sonntabend nach St. Petersburg losfliegen. An der Absturzstelle nahe der Stadt Al-Arish seien etwa 100 russische Helfer im Einsatz.

Staatstrauer

Nach der schwersten Flugzeugkatastrophe in der Geschichte Russlands riefen die Behörden des Landes eine Staatstrauer bis Dienstag aus. Fernsehstationen und Radiosender wollten auf Unterhaltungssendungen verzichten. Die orthodoxe Kirche sowie Moscheen und Synagogen haben Gottesdienste organisiert. Auf dem St. Petersburger Flughafen Pulkowo richtete das Katastrophenschutzministerium einen Krisenstab ein. Etwa 100 Angehörige werden von Psychologen und Ärzte betreut.

Mit Blumen und Kerzen gedenken Trauernde am Pulkowo Flughafen in St. Petersburg der Opfer. Fotos: AP, EPA
Mit Blumen und Kerzen gedenken Trauernde am Pulkowo Flughafen in St. Petersburg der Opfer. Fotos: AP, EPA